Sarah Crossan: Wer ist Edward Moon?

Der Roman „Wer ist Edward Moon?“ von Sarah Crossan ist 2019 in deutscher Übersetzung im Mixtvision Verlag erschienen. Er hat 357 Seiten und eignet sich für Jugendliche ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von Joe und seinem älteren Bruder Ed Moon. Die beiden leben zusammen mit Tante Karen, ihrer Schwester Angela und ihrer Mutter in Arlington, Staten Island. Ihr Vater wurde ermordet, als Joe noch ein Baby war.

„Aber er starb, bevor ich ein Jahr alt war,
ist umgebracht worden:
hat eine in einem Socken versteckte Billardkugel
gegen den Hinterkopf gekriegt,
wie ein echter Held.“ (S. 150)

Nach einem Streit mit seiner Mutter verschwand Ed eines Tages plötzlich mit dem Auto von Tante Karen von Zuhause und meldete sich nicht mehr bei seiner Familie, Joe war damals sieben Jahre alt.

„Wir haben den ganzen Abend gewartet, die ganze Nacht,
den ganzen nächsten Tag
und den ganzen Rest der Woche,
aber am Sonntag
war klar –
er war weg.“ (S. 66)

Einige Wochen später rief Ed Zuhause an und erzählte, die Polizei werfe ihm vor, den Polizisten Frank Pheelan nach einer Fahrzeugkontrolle in Texas ermordet zu haben. Unter dem Druck eines Verhörs habe er ein Geständnis unterschrieben, obwohl er anscheinend unschuldig ist. Nun ist er zum Tode verurteilt, was Joe zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wirklich verstanden hat.

„Nachdem Ed zum ersten Mal angerufen hatte,
versuchte Angela mir zu erklären,
was ihm vorgeworfen wurde
und was als nächstes passieren könnte.
Aber ich hab das nie in den Kopf gekriegt.“ (S. 53)

Nach dem Anruf brach Joes Mutter völlig zusammen und kümmerte sich noch weniger um Joe als zuvor. Eines Tages verschwand sie einfach und kam nicht wieder zurück.

„Sie ist nie wieder zur Arbeit gegangen und
als sie sich schließlich wieder rausgetraut hat,
ist sie nicht mehr zurückgekommen.“ (S. 25)

Seitdem leben Joe und Angela mit Tante Karen zusammen, von Ed oder ihrer Mutter haben sie nichts mehr gehört. Doch als Joe siebzehn Jahre alt ist, erhält er einen Brief von Ed aus dem Todestrakt des Staatsgefängnisses. Er teilt ihm mit, dass er in zwei Monaten, am 18. August, hingerichtet werden soll und fragt Joe, ob er ihn vor seinem Tod besuchen möchte.

„Ich hab meinen Termin bekommen.
[…] das heißt,
sie haben sich entschieden
und wollen mich abmurksen.
Und für was?
Für nichts.
Für etwas, das ich nie getan habe.“ (S. 32)

Joe entscheidet, dass er seinen Bruder besuchen will und fährt kurzerhand nach Wakeling, wo das Gefängnis liegt, in das Ed eingesperrt ist. Er mietet sich eine sehr heruntergekommene Wohnung und versucht, etwas Geld mit Autoreparaturen zu verdienen.

„Ich muss mich um Ed kümmern.
Ed.
Hier bin ich also.
Sitze fest.
Und es wird die schlimmste Zeit meines Lebens werden.“ (S. 12)

Ed im Gefängnis zu besuchen, fühlt sich sehr seltsam für Joe an. Da er seinen Bruder seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat, hat er das Gefühl, ihn nicht mehr richtig zu kennen und weiß auch nicht wirklich, über was er mit ihm sprechen soll.

„‚Bist du…Ist dein…‘, fange ich an,
denke an seinen Prozess.
Aber noch bevor ich die Frage in Worte gefasst habe,
überlege ich es mir anders,
frage etwas Bedeutungsloses.
‚Wie ist das Essen?‘“ (S. 99)

Dennoch besucht Joe seinen Bruder in den nächsten Wochen regelmäßig und versucht, die Zeit mit ihm zu genießen, denn der Tag der Hinrichtung rückt immer näher…

Mir gefällt der Roman wirklich sehr gut.

Das Thema des Buches regt auf jeden Fall zum Nachdenken an und lässt sich auch nicht in vielen anderen Jugendbüchern finden, weshalb es mal etwas Neues ist.

Besonders interessant fand ich während des Lesens die Gefühle von Joe und wie er mit dem Ganzen umgeht. Da die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt wird, kann sich der Leser auch gut in ihn hineinversetzen.

Auch die Rückblenden, in denen man sozusagen die Vorgeschichte erfährt, gefallen mir gut, da man so mehr über die Familienverhältnisse erfährt.

Besonders passend finde ich, dass der gesamte Roman wie viele andere Bücher von Sarah Crossan in Versform geschrieben ist. Die Gefühle der einzelnen Personen und die Schwere des Themas werden in den kurzen Versen gut vermittelt und wirken sehr intensiv. Hätte die Autorin das Buch nicht in Versform verfasst, wäre das Thema meiner Einschätzung ganz anders rübergekommen und hätte den Leser nicht so stark gefesselt, wie es hier der Fall ist. Da sich das Buch so auch sehr schnell lesen lässt, wird man noch mehr von der Handlung eingenommen. Ich persönlich habe am Ende gar nicht mehr richtig aus der Geschichte „herausgefunden“ und musste noch lange über die Handlung nachdenken.

Auch das Ende gefällt mir persönlich sehr gut, ich möchte aber noch nichts verraten 🙂

Insgesamt hat mich „Wer ist Edward Moon?“ sehr beeindruckt, weshalb ich es auf jeden Fall weiterempfehle.

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