Alice Oseman: Nothing Left for Us

Der Roman „Nothing Left for Us“ von Alice Oseman ist 2022 in deutscher Übersetzung im Loewe Verlag erschienen. Er hat 445 Seiten und eignet sich für Jugendliche ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von der siebzehnjährigen Schülerin Frances Janvier. Sie ist Schulsprecherin, Jahrgangsbeste und bekannt für ihre perfekten Noten. Ihr Ziel ist es, nach der Schule auf der Cambridge University Englische Literatur zu studieren.

„Ich würde nach Cambridge gehen, einen super Job an Land ziehen und einen Haufen Geld verdienen. Ich würde glücklich werden.“ (S. 14)

Frances hat nicht besonders viele Freunde, und die Mädchen, mit denen sie sich in der Mittagspause unterhält, sehen Frances nur als die Streberin mit den perfekten Noten.

„[…] sie hatten ein klares Bild von mir – Frances aus der Schule, Schülersprecherin […] Lernmaschine.“ (S. 32)

Außer Lernen und der Vorbereitung ihrer Bewerbung für Cambridge macht Frances außerhalb der Schule tatsächlich nicht besonders viel und hat oft das Gefühl, gute Noten zu haben sei das einzige, was sie wirklich kann.

„Ich musste lernen, als ich nach Hause kam. Eigentlich musste ich fast immer lernen […] ich wollte auch immer ein Hobby haben […], doch ich war nur in einem gut: im Bestehen von Prüfungen.“ (S. 29)

Allerdings gibt es nicht nur die Schul-Frances, die ihre Lehrer und Freundinnen kennen, sondern auch die Frances, die gerne zeichnet, bunte und abgefahrene Kleidung liebt und ein großer Fan des Podcasts Universe City ist.

Universe City war eine Podcast-Show auf YouTube über einen Studierenden, der einen Anzug trug und als Detektiv einen Ausweg aus einer monsterverseuchten Sci-Fi-Universität suchte.“ (S. 17)

Frances gefällt der Podcast so gut, dass sie auf der Blogging-Plattform Tumblr regelmäßig Fanart, Skizzen von Szenen oder Personen aus Universe City postet.

Als sie eines Tages vom anonymen Produzenten des Podcasts auf Twitter gefragt wird, ob sie Interesse hat, die nächsten Folgen des Podcasts zu illustrieren, freut sich Frances entsprechend und sagt sofort zu.

„Ich liebte Universe City. Vielleicht war das ja mein Hobby, Zeichnen für Universe City.“ (S. 29/30)

Wenig später lernt Frances einen Jungen namens Aled, den Zwillingsbruder ihrer früheren Freundin Carys, bei einer Party kennen und erfährt durch Zufall, dass er hinter Universe City steckt, was Frances natürlich sehr überrascht.

„[…] ich wusste nicht, wie ich ihm erklären sollte, dass ich seit zwei Jahren von einer Podcast-Show auf YouTube besessen war […] und ich ausgerechnet jetzt […] erfuhr, dass jemand, dessen Zwillingsschwester zeitweise meine beste Freundin gewesen war […] diesen Podcast erstellte.“ (S. 54)

Nachdem Frances einige Male mit Aled geschrieben hat und sich die beiden getroffen haben, merkt sie, dass sie sich bei ihm sehr wohl fühlt und sie das Gefühl hat, sie könnten Freunde werden.

„In Gegenwart meiner Schulfreundinnen war ich langweilig. Ich war die stille, lernbesessene und langweilige Schul-Frances. Mit Aled war ich anders.“ (S. 108)

Doch zu diesem Zeitpunkt ahnt Frances nicht, was passieren wird…

Mir gefällt der Roman nicht so gut.

Der Schreibstil ist eher schlicht und einfach und die Sätze wirken unkompliziert und sind gut verständlich.

Besonders aufgefallen ist mir, wie klar und realistisch die Autorin die Gefühle und die Verzweiflung der Figuren darlegt, sodass man als Leser genau weiß, wie die jeweilige Person empfindet.

Zudem dachte ich anfangs noch, dass sich das Buch mit Frances und Aled zu einer Liebesgeschichte entwickelt, was glücklicherweise nicht der Fall ist. Dies gefällt mir persönlich sehr, da es nicht den typischen Erwartungen entspricht und sich in diesem Punkt eher von anderen Jugendbüchern, in denen sich die Hauptfiguren meist ineinander verlieben, abhebt.

Das Buch greift außerdem verschiedenste Themen wie Freundschaft und Selbstfindung, aber auch Leistungsdruck und gesellschaftliche Erwartungen auf. Diese Mischung finde ich persönlich sehr gelungen.

Leider hat mich die Geschichte nicht wirklich gefesselt und während des Lesens habe ich diese auch nicht als sehr spannend empfunden, weshalb ich eigentlich schnell mit dem Buch fertig werden wollte.

An einigen Stellen hat es mich etwas genervt, dass sich Frances so viel Stress wegen der Schule und ihrer Noten macht. Einerseits kann ich sie auch verstehen und ihre Gefühle gehören natürlich auch zur Geschichte dazu, öfter war ich von dieser Übertreibung aber eher genervt, beispielsweise als Frances ihre Noten abholt und so getan wird, als wäre ihr ganzes Leben zerstört, wenn sie keine A+ Note bekommt: „Vermutlich hätte sie gern etwas gesagt, doch es gibt wirklich nichts zu sagen, wenn man gleich vier Buchstaben zu sehen bekommt, die über den Rest des eigenen Lebens bestimmen werden.“ (S. 151)

Mir ist klar, dass sich dies für Frances wirklich so anfühlt, mir wurde sie dadurch allerdings sehr schnell unsympathisch. Das Thema Leistungsdruck finde ich an sich auch wichtig, ich hätte alles aber nicht so übertrieben dargestellt.

Insgesamt empfehle ich „Nothing Left for Us“ eher nicht weiter.

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