
Der Roman „Wie Spucke im Sand“ von Klaus Kordon ist 1987 im Beltz Verlag erschienen. Er hat 322 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von der dreizehnjährigen Munli, die mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf in Indien lebt.
„Das Dorf, aus dem ich stamme, liegt im Grenzgebiet zwischen Uttar Pradesh und Madhya Pradesh, direkt am Fuß der Berge. Es ist sehr arm, nicht mal einen Brunnen gibt es dort.“ (S. 5)
Munli geht nicht in die Schule, sondern arbeitet jeden Tag auf dem Feld oder hilft beim Straßenbau. Dafür kriegt sie nur wenig Geld, von dem die Familie kaum leben kann. Und jedes Jahr muss sich das Dorf erneut Sorgen um die Felder machen, denn oft gibt es Überschwemmungen oder lange Dürreperioden.
„Kein Kind in unserem Dorf ist je zur Schule gegangen […] Wir Mädchen arbeiteten ja alle auf den Feldern mit, wir hätten gar keine Zeit gehabt, zur Schule zu gehen.“ (S. 6/7)
Eines Tages bekommt Munli mit, dass sie an Adoor Ram verheiratet werden soll. Adoor Ram hat einen schlechten Ruf im Dorf, weil er seine frühere Frau Näini umgebracht haben soll. In Indien ist es üblich, dass die Mädchen früh heiraten und ihren Männern untertan sind, sie bedienen und von ihnen geschlagen werden.
„Adoor Ram war erst vor wenigen Wochen Witwer geworden, und im Dorf hieß es, er habe seine junge Frau Näini umgebracht […] Kaum ein Knochen in ihrem Körper, den er nicht schon gebrochen hatte […] weil es ihm Spaß machte draufzutreten, wenn Näini ihm zu langsam war.“ (S. 25)
Munli hat große Angst vor Adoor Ram, doch sie hat keinerlei Rechte, sich gegen die Heirat zu wehren. Deshalb beschließt sie gemeinsam mit ihrer Freundin Lata aus dem Dorf zu fliehen – zu Meera, der Anführerin der Rebellen.
„Meera, die Anführerin einer Horde von Banditen, die in den Bergen hausten, Dörfer überfielen, raubten, mordeten und plünderten, wurde Mutter der Wölfe genannt.“ (S. 37)
Zuerst zögert Munli, doch die Flucht erscheint ihr besser als Adoor Ram, weshalb sie zusammen mit Lata flieht. Anfangs fühlt sie sich noch sehr schlecht und muss oft an ihre Familie denken. Schon bald legt sich das aber und sie ist aufgeregt, wie es bei Meera zugehen wird.
„Irgendwann an diesem Tag erstickte ich die Gewissensbisse in mir und begann mich umzuschauen, die Umgebung wahrzunehmen: Dörfer, Felder, Bewässerungskanäle, staubige Landstraßen, Büffelpfade.“ (S. 51)
Nach einigen Tagen Wanderung kommen Munli und Lata schließlich bei Meera an und werden von ihr aufgenommen. Doch das neue Leben unterscheidet sich stark vom früheren Dorfleben, das die beiden gewohnt sind. Und auch die Überfälle, die die Gruppe unter Führung von Meera planen, sind neu für sie.
„Wenn wir sie überfielen und bestahlen, handelten wir da nicht gegen den Willen der Götter? Würden sie uns nicht dafür bestrafen?“ (S. 111/112)
Besonders Munli fühlt sich unter den Banditen nicht wohl und beschließt, ein zweites Mal zu fliehen…
Mir gefällt der Roman sehr gut.
Die Geschichte ist spannend und fesselt einen sehr, weshalb es schwierig ist, mit dem Lesen aufzuhören. Besonders die Gefühle Munlis werden deutlich beschrieben. Sie ist einem sofort sympathisch und man fühlt sich sehr vertraut mit ihr, fast so, als würde man sie wirklich kennen. Am meisten fasziniert hat mich aber der Handlungsort der Geschichte – Indien. Während des Lesens erfährt man viel über dieses Land und ich persönlich habe gemerkt, dass sich Klaus Kordon sehr intensiv mit der Kultur beschäftigt hat (im Nachwort schreibt er auch, dass er selber Reisen nach Indien unternommen hat). Dadurch habe ich viel über dieses Land gelernt, manches hat mich auch sehr erschreckt, beispielsweise die schlimmen Arbeitsbedingen, unter denen viele Inder, darunter auch Kinder, leiden. Man setzt sich also sehr mit der Kultur Indiens auseinander; die Worterklärungen am Ende des Buches helfen einem auch dabei.
Insgesamt empfehle ich „Wie Spucke im Sand“ auf jeden Fall weiter.