Hans Peter Richter: Damals war es Friedrich

Der Roman „Damals war es Friedrich“ von Hans Peter Richter ist 1980 im dtv Verlag erschienen. Er hat 172 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von dem 1925 geborenem jüdischen Jungen Friedrich Schneider, der zusammen mit seinem Freund im gleichen Haus aufwächst.

„Genau eine Woche nach meinem Geburtstag wurde Friedrich Schneider geboren. Schneiders wohnten im gleichen Haus, eine Treppe höher.“ (S. 10)

Friedrichs Eltern haben keine großen Geldnöte, während die Eltern von Friedrichs Spielkameraden, der im Roman nicht namentlich genannt wird, große Probleme haben.

„Mein Vater war arbeitslos […]“ (S. 10)

Die beiden Familien helfen sich jedoch gegenseitig und das Verhältnis zwischen ihnen wird immer besser. Schon bald sind sie richtige Freunde.

„[…] nachdem Friedrich und ich so kurz nacheinander anrückten, kamen unsere Eltern sich näher.“ (S. 11)

Doch die Situation in Deutschland verschlimmert sich über die Jahre. Immer öfter wird Friedrich auf der Straße geärgert. Auch sein Freund muss sich einiges anhören, als er trotz dieser Umstände noch immer mit Friedrich spielt.

Aber das gute Verhältnis zwischen den beiden Jungen und ihren Eltern bleibt, sogar als Friedrichs Freund in das Deutsche Jungvolk, eine Jugendorganisation der Hitlerjugend für Jungen zwischen 10 und 14 Jahren, eintritt und sein Vater der NSDAP beitritt.

Dennoch wird das Leben für Friedrichs Familie immer schwieriger. Und auch der Hausbesitzer Herr Resch ist nicht erfreut darüber, dass Juden in seinem Haus leben.

„Herr Resch war nicht bloß Hausbesitzer […] Sein Haus war sein Herrschaftsbereich; Vertreter und Hausbewohner waren seine Untertanen.“ (S. 9/10)

So ist es auch nicht verwunderlich, als Herr Resch der Familie Schneider kündigt.

„‚Ich kündige ihnen zum Ersten!‘, brachte er […] hervor. Niemand sagte etwas […] Herr Schneider erkundigte sich: ‚Und darf ich sie fragen […] aus welchem Grund Sie uns kündigen?‘ Herr Resch schrie so laut, dass es durch das Haus schallte: ‚Weil sie Jude sind!‘“ (S. 55/56/57)

Wie wird es wohl mit der Familie Schneider weitergehen? Und wird Friedrich seinen Freund wirklich nicht verlieren…?

Im Laufe des Buches wird beschrieben, wie sich die Situation von Familie Schneider und generell für alle Juden in Deutschland weiter entwickelt. Es wird besonders auf das Verhältnis zwischen den beiden Familien eingegangen.

Mir gefällt der Roman ganz gut.

Es ist sehr interessant, dass das Buch über mehrere Jahre geht. So kann man die Entwicklung der Jungen und auch der Politik gut beobachten und das Geschehen nachvollziehen. Für einen besseren Überblick gibt es auch eine Zeittafel am Ende des Buches.

Mir gefällt es gut, dass der Roman nicht eine einheitliche Geschichte erzählt, sondern immer nur Abschnitte aus Friedrichs Leben erzählt.

Auch die Ich-Perspektive von Friedrichs Freund ist passend. Es ist interessant, die Geschichte aus einer anderen Perspektive als die der Hauptfigur zu hören.

Der Anhang, in dem Fachwörter und Hintergrundwissen erklärt werden, ist zwar spannend, aber auch etwas unnötig, da auf den jeweiligen Seiten, auf denen das Wort vorkommt, kein Hinweis auf die Erklärung am Ende des Romans vorliegt.

Manchmal wusste ich während des Lesens nicht, in welcher Zeit die Geschichte gerade spielt. Im Inhaltsverzeichnis steht zwar das jeweilige Jahr, in dem das Kapitel spielt, aber ich hätte trotzdem gerne das genaue Alter der beiden Jungen erfahren.

Insgesamt würde ich „Damals war es Friedrich“ weiterempfehlen, es gibt aber meiner Meinung nach auch bessere Romane über den 2. Weltkrieg.

Hinterlasse einen Kommentar