
Der Roman „Esther und Salomon“ von Elisabeth Steinkellner ist 2021 in der Verlagsanstalt Tyrolia erschienen. Er hat 334 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von zwei vierzehnjährigen Jugendlichen namens Esther und Salomon.
Esther lebt mit ihren Eltern und ihrer fünfjährigen Schwester Flippa zusammen. Sie kümmert sich oft um ihre kleine Schwester, ist jedoch auch genervt von ihren Eltern. Denn irgendwas stimmt zwischen ihnen nicht und immer öfter streiten sich die beiden.
„Nichts stimmt hier. Papa und Mama haben ein Zimmer mit Doppelbett, aber Papa schläft auf der Couch daneben.“ (S. 7)
Esther fühlt sich dadurch sehr unbeachtet, da sie nicht genau weiß, was zwischen ihren Eltern los ist und diese auch nicht mit ihr über ihr neues Verhalten reden.
„Wenn sie es mir wenigstens erklären könnten: Gab es einen großen Knall, einen erbitterten Streit? Hatte Papa was mit einer anderen Frau oder Mama was mit einem anderen Mann?“ (S. 17)
Esther lenkt sich von all dem oft mit Flippa ab. Die zwei halten zusammen und ihre Bindung wird besonders durch den Streit ihrer Eltern immer enger.
„[…] wir zwei sind ein gutes Team. Jeder Streit zwischen Mama und Papa hat die beiden weiter auseinander und Flippa und mich näher zusammen gebracht.“ (S. 20)
In diesem Sommer macht die Familie zwei Wochen Urlaub am Strand. Meist spielen Esther und Flippa am Meer, während ihre Eltern im Hotel streiten und schlechte Laune verbreiten. Esther gefällt der Urlaub überhaupt nicht und am liebsten würde sie wieder nach Hause fahren.
„Wie übersteht man zwei Wochen, wenn man sich schon nach zwei Stunden genauso verschrumpelt fühlt, wie manche der Gäste hier aussehen [...]“ (S. 10)
Am gleichen Ort lebt Salomon gemeinsam mit seiner Mutter, die als Angestellte in einer Hotelküche arbeitet, Christoph, dem neuen Freund von Salomons Mutter und seiner kleinen Schwester Aisha.
Salomon sehnt sich nach seiner alten Wohnung zurück und fühlt sich im Hotel unwohl.
„[…] weil ich mich zurück in mein Zuhause sehne, in die Dämmrigkeit unserer kleinen Wohnung, in der es nach Mamas Essen riecht [...]“ (S. 170)
Auch Christoph kann Salomon nicht gerade aufheitern. Im Gegensatz zu Aisha mag er den neuen Freund seiner Mutter nämlich gar nicht.
„[…] Aisha hat ihm längst ihr Herz geschenkt. Offenbar bin ich hier der einzige, der die Notbremse ziehen will.“ (S. 177)
Auch Salomons Vergangenheit ist nicht schön. Als Salomon sechs Jahre alt war, wurde sein Vater erschossen. Wenig später musste er mit seiner Mutter aus seiner Heimat fliehen.
„Wir saßen in Bussen, auf den Ladeflächen von Pick-ups und nachts auf Motorrädern ohne Licht. Wir schliefen auf dem nackten Boden, […]“ (S. 193)
Auf dem Weg nahmen sie das Baby ihrer Freundin Halima, die sie auf der Flucht kennenlernten, auf: Aisha.
Seitdem lenkt sich Salomon oft von seinen Gedanken ab, indem er zeichnet.
„Ich zeichne, um nicht zu vergessen. Damit mir nie mehr passieren kann, was mir ein Mal passiert ist, ein entscheidendes Mal: dass mir ein Gesicht verloren geht. […] Das Gesicht meines Vaters.“ (S. 201)
Als Aisha und Flippa eines Tages gemeinsam am Strand spielen, lernen sich auch Salomon und Esther kennen.
Nach den ersten Blicken treffen sich die beiden immer öfter nachts, wenn ihre Eltern schlafen. Doch dann muss Esther wieder zurück nach Hause. Werden sich die beiden jemals wiedersehen…?
Im Laufe des Buches wird beschrieben, wie sich Esther und Salomon kennenlernen und sich von Tag zu Tag mehr mögen. Gegen Mitte des Buches wird erzählt, wie die beiden über Briefe in Kontakt bleiben.
Mir gefällt der Roman gut.
Besonders toll finde ich den Schreibstil. Durch das Schreiben in Versform liest sich das Buch zwar schnell, es ist aber auch mal etwas anderes, als eine „normale“ Erzählung zu lesen. Trotz der etwas anderen Schreibweise erfährt man viel über die einzelnen Personen und die Geschichte lässt sich sehr flüssig und angenehm lesen. Zudem sind die Sätze verständlich und in nur wenigen Zeilen erfährt man viel über das jeweilige Thema.
Obwohl ich Liebesgeschichten nicht gerne mag, war es dieses Buch trotzdem wert. Da man auch viel drumherum erfährt, stört die Beziehung zwischen Esther und Salomon nicht.
Gut gefällt mir auch die Beschreibung aus zwei Perspektiven: in der ersten Hälfte von Esther, in der zweiten von Salomon. Ich persönlich würde eher die gleiche Geschichte, also das Kennenlernen der zwei, aus beiden Perspektiven beschreiben. Stattdessen ging es nach dem ersten Teil ganz normal weiter, was ich aber auch in Ordnung finde.
Auch das Design des Romans finde ich gelungen. Kleine Polaroidbilder der Autorin und Zeichnungen von Michael Roher machen die Geschichte noch mal interessanter.
Das Ende würde ich persönlich auch anders kommen lassen, vielleicht etwas offen, sodass man sich den Ausgang der Beziehung selber vorstellen kann. Der Schluss ist meiner Meinung nach zu übertrieben und plötzlich.
Trotzdem empfehle ich „Esther und Salomon“ besonders wegen des Schreibstils weiter.