Dita Zipfel: Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte

Der Roman „Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte“ von Dita Zipfel mit Illustrationen von Rán Flygenring ist 2019 im Carl Hanser Verlag erschienen und 2020 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden. Er hat 193 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von einem zwölfjährigen Mädchen namens Lucie Schmurrer. Sie lebt zusammen mit ihrem elfjährigen Bruder Janni, ihrer Mutter und dem neuen Freund ihrer Mutter namens Michi.

Lucie mag Michi nicht besonders und oft ist sie genervt von ihm, auch, weil sie seinetwegen seit neuestem in Jannis Zimmer schlafen muss, damit Michi einen Platz zum Arbeiten hat.

„Der Michi ist […] ständig hier. Liedchen auf den Lippen, Grinsen im Gesicht, Tässchen grüner Tee in der Hand. Seit Mama mit ihm zusammen ist, wird die Wohnung ständig auf 30 Grad geheizt […] und während wir alle rote Köpfe und keine Luft kriegen, rennt der Michi in Norwegerpulli und Schlabberhose rum, darunter mindestens drei Lagen Skiunterwäsche.“ (S. 13)

Generell ist Lucie sehr genervt von ihrer Familie, sogar mit Janni unterhält sie sich immer weniger, obwohl sich die beiden vor einigen Jahren noch sehr gut verstanden haben.

„Ich weiß nicht, wann sich das mit Janni verändert hat […] Kann sein, dass wir uns fast jeden Tag gestritten haben, aber wir haben uns eben auch fast jeden Tag vertragen. Wir hatten immer einen gemeinsamen Plan.“ (S. 54)

Und auch die vielen unterschiedlichen Männer, die regelmäßig bei Lucies Mutter ein- und wieder ausziehen werden Lucie lästig.

Dies trifft allerdings nicht auf Bernie zu. Bernie, mit vollem Namen eigentlich Bernhardine, lebte auch einmal bei Lucie, Janni und ihrer Mutter. Mit ihr verstand sich Lucie sehr gut – bis Bernie nach Berlin zog.

„Als Bernie bei uns gewohnt hat, war die Wohnung voller Gefühle. Aber echte. Nicht irgendwelche Postkartengefühle. Mit Bernie hat Mama viel geweint. Und gelacht […] Echte Tränen, wildes Geschrei, lautes Lachen. Irgendwie haben die beiden nichts anderes gemacht, als zu fühlen […] Und dann ist sie nach Berlin gezogen.“ (S. 28)

So möchte Lucie Bernie unbedingt besuchen und vielleicht auch etwas länger bleiben. Denn Bernie ist die einzige Person, mit der Lucie wirklich zurechtkommt.

Schnell hat Lucie einen Plan, wie sie an das Fahrgeld nach Berlin kommen kann: Sie möchte Hunde in der Nachbarschaft ausführen. Und als sie einen Aushang im Supermarkt sieht, ergreift Lucie ihre Chance sofort.

„Gestern habe ich es gefunden, das goldene Ticket in ein besseres Leben. Es ist aus Pappe und hing am Schwarzen Brett eines Supermarktes […] Ich werde diesen Hund so was von Gassi führen, ich werde seinen Kopf tätscheln – egal wie hässlich er ist -, ich werde mit ihm um den Block gehen, bis ihm schwindelig ist.“ (S. 9)

Schon am nächsten Tag begibt sich Lucie auf den Weg zum Besitzer des Hundes. Doch als sie bei seiner Wohnung angekommt, weist er sie sofort ab.

„ ‚Bah! Ein Mädchen!‘ Der Mann schiebt die Tür, die er nur einen Spalt geöffnet hatte, wieder zu. ‚Wie bitte? Entschuldigen Sie Mal! Hallo?‘ Ich klingele noch mal, höre gar nicht mehr auf, ein nervender Rhythmus, ein spitzes Stochern im Gehörgang. ‚Geh weg, Mädchen!‘, ruft er von drinnen.“ (S. 5)

Doch Lucie lässt nicht locker und schließlich lässt der Mann, der sich übrigens mit Herrn Klinge vorstellt, sie endlich in seine Wohnung.

„Die Tür geht auf, und ich sehe ihn an. Ein dünner, sehr gerader, alter grüner Mann ohne Schuhe. Ein barfüßiger Opa in Outdoor-Uniform.“ (S. 6)

Schnell merkt Lucie, dass Herr Klinge nicht alle Tassen im Schrank hat. Denn er besitzt gar keinen Hund! Stattdessen diktiert er Lucie seltsame Kochrezepte.

Als Lucie von seinem Liebestrankrezept mitbekommt, beschließt sie sofort, den Trank an einem ihrer Mitschüler zu testen. Funktionieren Klinges Rezepte wirklich…?

Ich finde das Buch ganz in Ordnung.

Das Titelbild und auch der Titel sehen sehr interessant aus. Auch die Illustrationen von Rán Flygenring gefallen mir sehr gut, da sie die Geschichte lustiger und spannender machen. Generell sind viele Punkte der Handlung sehr lustig formuliert, sodass man oft lachen muss. Obwohl auch viel über Lucies Probleme geschrieben wird, sind sie nicht sehr übertrieben oder mitleiderregend, wie es in vielen anderen Büchern ist, dargestellt, was mir persönlich sehr gut gefällt.

Die gesamte Geschichte ist jedoch sehr unvorstellbar und unwahrscheinlich. Manche Leute finden das vielleicht spannend, mir gefällt es hier aber nicht sehr gut.

Ich würde „Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte“ also nur denen empfehlen, die gerne erfundene und etwas komische Geschichten mögen.

Ein Kommentar zu “Dita Zipfel: Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte

  1. Ich finde das Buch schon allein deshalb lesenswert, weil Bernie darin erklärt, dass die „Freaks“, die in der Schule ausgegrenzt werden, weil sie zu viel lesen, zu wenig sprechen, die falsche Musik hören, Vegetarier sind,… später zu den Coolen gehören. „Im echten Leben will niemand mehr was mit der Klassenprinzessin zu tun haben. Deswegen heiratet sie mit zwanzig ihre Jugendliebe, kriegt fünf Kinder und ist mit dreißig depressiv.“ (S. 77)
    Hätte mir das mal jemand früher gesagt! 😉

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