Martin Schäuble: Cleanland

Der Roman „Cleanland“ von Martin Schäuble ist 2020 im Fischerverlag erschienen. Er hat 205 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von einem Mädchen namens Schilo, die gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter in Cleanland – dem Land der Reinen – lebt.

In Cleanland sind die Menschen nach der großen Pandemie sehr geschützt, denn alle tragen einen Protector am ganzen Körper, eine Art Schutzanzug, und einen Controller am Handgelenk, der ihren Herzschlag, den Blutdruck, den Aufenthaltsort und vieles mehr misst.

„[…] alle tragen […] am Handgelenk einen Controller – damit jeder weiß, dass es dir gut geht©. Abziehen kann man ihn nicht, denn nur so können wir uns gegenseitig vertrauen.“ (S. 9)

Es gibt jedoch auch viele andere Gesetze, die die Menschen schützen sollen, so darf Schilo beispielsweise keinen direkten Kontakt zu ihrer Großmutter haben.

„Die Hygienescheibe trennt die Küche vom Saferoom – dem Raum der Einsicht©. In diesem Raum hinter der Glaswand lebt meine Oma, also die Mutter von meiner Mum. Schließlich gehört sie mit ihrem hohen Alter zur Risikogruppe.“ (S. 23/24)

Zudem muss man in Cleanland eine Person, die nicht im gleichen Haushalt lebt, die man aber dennoch in seiner Freizeit treffen möchte, als Kontaktperson registrieren. Schilo hat sich in diesem Fall für ihre Freundin Samira entschieden, die mit ihren Eltern und ihrem kleineren Bruder Oscar zusammenlebt.

„Wir sind schon ewig Freundinnen, sie ist meine offiziell registrierte Kontaktperson bei Social Health – zu viel macht krank©.“ (S. 9)

Gemeinsam mit Samira lernt Schilo auch, denn die Kinder gehen nicht in die Schule, sondern arbeiten von zu Hause aus. Nur für Tests kommen die beiden ausnahmsweise in die Schule.

„Seit der fünften sitzen wir im Prüfungsraum in derselben Reihe, so haben wir uns kennengelernt. Sonst sieht man sich in der Schulbasis ja nicht. Wir machen Homelearning – mehr Abstand ist schlauer©.“ (S. 17)

Während Samira öfters mal die Regeln der „fünf Gesetze der absoluten Reinheit“ (GaR) bricht, bei denen es darum geht, viel Abstand zu anderen zu halten und keine Gegenstände oder Menschen zu berühren, ist Schilo sehr vorsichtig, was auch daran liegt, dass ihre Mutter im Ministerium für Reinheit arbeitet und sich so strikt an die vorgegeben Regeln hält.

„[…] meine Mutter […] hält sich an alle Gesetze. Sonst hätte sie es nicht ins Ministerium für Reinheit geschafft.“ (S. 21)

Schon bald ändert sich dies jedoch, denn Schilo wacht eines Nachts plötzlich auf und sieht den Cleaner Toko, der jeden Tag kommt, um die Wohnung zu desinfizieren.

„Als ich aufwache, ist es noch dunkel in meinem Zimmer. Aber ich bin nicht allein im Raum, eine Gestalt steht in einer Ecke […] Ich mache das Licht an. Auf dem Protector der Person ist ein C für Cleaner zu lesen.“ (S. 36)

Ab dieser kurzen Begegnung denkt Schilo immer wieder an Toko und versucht, wachzubleiben, um ihn wieder zu sehen. Schon bald verstehen sich Schilo und Toko sehr gut, doch eigentlich dürfen sich die beiden gar nicht sehen, nicht tagsüber und auch nicht nachts.

„Samira nickt. Sie weiß so gut wie ich, dass Beziehungen mit Cleanern verboten sind. Ich dürfte nicht einmal ein Probetreffen mit ihm beantragen.“ (S. 39)

Dennoch treffen sich Schilo und der Cleaner nach Tokos Putzstunden immer wieder und schon bald müssen die zwei eine Entscheidung treffen…

Mir gefällt das Buch ganz gut.

Ich finde es sehr interessant, zu lesen, was Schilo nach der großen Pandemie für Regeln befolgen muss, um eine neue Krankheitsausbreitung zu verhindern. Zudem ist dieses Thema ja sehr aktuell und viel von unserem jetzigen Leben konnte ich im Roman auch wiederfinden. Dabei ist es interessant zu hören, wie weit man die Verbote und Regeln ausarbeiten kann, da die Situation für Schilo in „Cleanland“ ja nochmal sehr viel extremer ist. Martin Schäuble hat das Buch ja auch während der Coronapandemie geschrieben und so einige Aspekte unserer Zeit verarbeitet.

Das Ende kam etwas kurz und plötzlich, während sich die Mitte des Romans sehr zieht. Meiner Meinung nach hätte man den Schluss noch etwas ausbauen sollen und dafür die restliche Handlung kürzen sollen.

Ich würde „Cleanland“ also weiterempfehlen, da es einfach sehr spannend ist, sich in Schilos strenges Leben hineinzuversetzen. Besonders in der Quarantäne könnte man sich mit dem Roman aufmuntern – es kann noch schlimmer kommen. 😉

Ein Kommentar zu “Martin Schäuble: Cleanland

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