Der kleine Bäcker verschläft
An einem schönen Morgen kitzelten ein paar Sonnenstrahlen auf die Nase des Bürgermeisters Bratkartoffel und er musste niesen. Das machte er so laut, dass die Oma Inge, die neben ihm wohnte auch wachwurde. Und als die beiden sich angezogen hatten, gingen sie zusammen zum kleinen Bäcker, um sich ihre warmen Brötchen abzuholen. Aber es waren keine warmen Brötchen da. Das wunderte die beiden sehr und der Bürgermeister kratzte sich hinter dem linken Ohr. So etwas war nämlich noch nie vorgekommen und auch die Oma Inge wunderte sich sehr. Aber sie dachten, dass sie vielleicht etwas zu früh dran waren und gingen wieder nach Hause. Genauso erging es dem kleinen Uwe und dem Herrn Nimmersatt. Und der Bürgermeister sagte nach einer Stunde und 23 Minuten: „So kann es nicht weitergehen!“ Das wussten die anderen Dorfbewohner auch und leider brachte es sie nicht weiter. Und als noch einmal eine Stunde vergangen war und die Mägen der Dorfbewohner nur so um die Wette knurrten, beschloss der Bürgermeister zum kleinen Bäcker zu gehen, um nachzuschauen ob alles in Ordnung war. Er hatte zwar keinen Schlüssel, kletterte aber einfach durchs Fenster, wobei er fast steckenblieb. Und als er heil in der kleinen Wohnung angekommen war, war er auch sehr zornig. Denn der kleine Bäcker lag friedlich schlummernd in seinem Bett und sah sehr glücklich aus.
Zuerst wollte der Bürgermeister ihn wecken, brachte es aber nicht über sich. Er stellte sich vor, wie ER jede Nacht Brötchen backen müsste und fühlte sich gleich ganz elend. Also beschloss er, dass die Leute heute eben selber ihre Brötchen machen mussten. Also fingen sie gleich an. Und als nach einer Stunde fünf kleine, eckige und schleimige Brötchen im Backofen lagen, wussten die Dorfbewohner nicht, ob diese Brötchen genauso gut schmecken würden, wie die des kleinen Bäckers. Trotzdem waren sie sehr stolz. Doch als die Brötchen fertig waren und die Leute sie probierten, musste der Herr Nimmersatt gleich auf die Toilette und die Oma Inge musste sich hinlegen. Und da traf der Bürgermeister schon wieder eine Entscheidung. Er ging zum kleinen Bäcker und weckte ihn auf. So konnte es schließlich nicht weitergehen. Und als der kleine Bäcker sich angezogen hatte und die Brötchen begutachtete, erklärte er den Leuten was sie falsch gemacht hatten. „Ihr habt das Mehl vergessen. Deshalb sind sie auch so schleimig“, erklärte er ihnen. Und er backte fünf goldgelbe, knusprige Brötchen für die Dorfbewohner. Sie schmeckten hervorragend. Und an diesem Tag merkte der kleine Bäcker, dass er für die Dorfbewohner sehr wichtig war
Der kleine Seiltänzer und die weiße Maus
An einem schönen Morgen schaute der kleine Seiltänzer einmal aus dem Fenster, um den Vögeln beim Singen zuzuhören. Er hörte der Amsel, dem Specht und dem Rotkehlchen zu. Und als es ihm zu langweilig wurde, wollte er gerade seiner Tulpe, die auf der Fensterbank stand, beim Wachsen zuschauen. Doch dazu kam er gar nicht. Denn die Oma Inge kam herbeigelaufen und schrie dem kleinen Seiltänzer entgegen: „Oh große Not! Der Bürgermeister Bratkartoffel vermisst seine weiße Maus! Das ganze Dorf ist schon auf den Beinen. Zieh dich schnell an, wenn du mitsuchen möchtest.“ Und das tat der kleine Seiltänzer dann auch. Er zog sich so schnell an wie es nur möglich war, trank schnell eine Tasse Kaffee und aß ein Marmeladenbrot mit Honig. Dann eilte er heraus und half suchen. Sie suchten unter jedem Blumentopf, im Gras, in Büschen, in allen Backöfen und in dem linken Pantoffel des Bürgermeisters. Doch sie fanden die weiße Maus nicht. Und da waren sie natürlich sehr traurig. Der Bürgermeister weinte sogar eine winzige Träne und die Frau Pfannenstiel brachte ihm sogleich ein Spitzentaschentuch. Danach suchten sie weiter. Die Oma Inge hatte sich hingelegt. Sie war ja schon eine sehr alte Frau und konnte nicht mehr alles so gut verkraften, wie sie es früher getan hatte. Der Rest der Dorfbewohner suchte weiter. Insgesamt 1 Stunde und 12 Minuten. Und als sie noch immer nichts fanden, gingen sie ihren eigenen Beschäftigungen nach. Die Oma Inge hielt ihr Nachmittagsschläfchen, die Frau Pfannenstiel goss ihre Blumen, der kleine Uwe spielte mit seinen Murmeln und der Herr Nimmersatt sortierte seine Krawatten nach Farbe und Größe. Und ratet mal was der kleine Seiltänzer machte! Er spannte sein Seil zwischen dem Dach der Frau Pfannenstiel und dem Bürgermeister Bratkartoffel und fing an zu tanzen. Er machte 4 Handstände, einen 17-fachen Salto und ein paar Räder. Dann setzte er sich hin, um zu verschnaufen. Doch dazu hatte er nicht viel Zeit. Denn plötzlich juckte etwas an seinem Fuß. Und als er hinunterschaute, saß da die weiße Maus des Bürgermeisters. Er nahm sie auf den Schoß und gab ihr etwas von seinem Zwieback ab, den er mitgenommen hatte. Der Maus schien es zu schmecken. Der kleine Seiltänzer stand auf, um der Maus etwas vorzutanzen. Es würde ihr sicher gefallen. Und als er sich erhob, machte es die Maus ihm einfach nach. Sie konnte zwar nur einen 3-fachen Salto, aber für den Anfang war das schon ganz gut. So tanzten sie gemeinsam bis in die Nacht hinein. Und der kleine Seiltänzer und die Maus waren an diesem Abend sehr glücklich.
Der kleine U-Bahnfahrer und der Schnee
In dieser Nacht war es sehr kalt gewesen und der kleine U-Bahnfahrer musste mitten in der Nacht aufstehen, um sich warme Socken zu holen. Auch den anderen Dorfbewohnern ging es so und sie alle freuten sich gar nicht darüber aufzustehen. Besonders der kleine U-Bahnfahrer. Denn er musste wieder den halben Tag lang in seiner U-Bahn hocken, die natürlich keine Heizung hatte. Aber er musste es trotzdem tun und eigentlich fand er seine Arbeit auch ganz spannend. Also briet er sich zum Frühstück erst einmal ein paar Spiegeleier und trank heißen Kakao dazu. Dann zog er sich an, machte sich auf den Weg zu seiner U-Bahn und stieg ein. Als erstes stieg die Oma Inge ein und danach der Herr Nimmersatt. Und als alle saßen, wollte der kleine U-Bahnfahrer losfahren. Doch oh große Not! Es ging nicht! „Liebe Dorfbewohner!“, rief er „Die U-Bahn fährt nicht los!“ und so stiegen alle aus, um zu sehen, ob etwas auf den Gleisen lag. Und wirklich! Überall lag Schnee, Schnee und nochmals Schnee. Deshalb war es in der Nacht auch so kalt gewesen. Darüber freuten sich die Leute natürlich gar nicht. Wie sollten sie denn jetzt in die Stadt kommen? Zu ihrer Arbeit, um Geld zu verdienen. In diesem Moment kam auch der Bürgermeister. Er war so spät dran, weil er sich einfach nicht überwinden konnte, aus seinem kuscheligen Bett zu steigen. Er war froh als er die U-Bahn sah. Denn er dachte schon, er würde den Frühzug verpassen. Doch als die Leute ihm schilderten, was passiert war, fand er das gar nicht mehr gut. Und er als Bürgermeister hatte ja auch die Verantwortung für alles! Da raufte er sich die Haare, zupfte sich den Bart zurecht und sagte schließlich: „Liebe Dorfbewohner. Es bleibt uns nichts anderes übrig als uns Schaufeln zu holen und uns mal gründlich an die Arbeit zu machen.“ So gingen sie alle in ihre kleinen Häuser und holten alles, was ihnen nützlich zum Schneeschippen erschien. Der Herr Nimmersatt brachte einen Besen mit. Und die Oma Inge sogar einen Kochlöffel. Dann fingen sie an und machten einfach das Beste aus den Werkzeugen, die sie hatten. Und nach 2 Stunden waren sie fertig! Der Oma Inge lief die Nase und der kleine Uwe hatte sich einen Schnupfen geholt. Und als der kleine U-Bahnfahrer sah, wie kaputt sie waren, lud er sie alle zu einer Tasse Tee ein. Also saßen sie alle beim ihm in der Wohnung und tranken zusammen Tee. Und in diesem Moment war ihnen die Arbeit völlig egal.
Die kleine Yogalehrerin und Corona
„Corona-Zahlen schießen in die Höhe!“, hieß es schon seit Tagen in der Zeitung, die die kleine Yogalehrerin jeden Morgen an dem Zeitungsladen an der Ecke las, bevor sie zu ihrem Unterricht ging. Und jeden Tag überlegte die kleine Yogalehrerin, ob sie ihren Kurs nicht schließen sollte. Nicht, dass es noch mehr Fälle gäbe und sie war schuld. Und an einem schönen Morgen, an dem die Vögel um die Wette zwitscherten, beschloss sie, es wirklich zu tun. Sie würde für eine Zeit lang ihren Yogakurs schließen. Und als sie das gleich ihren Schülern erzählte, wurden alle sehr traurig. Aber insgeheim freute sich die kleine Yogalehrerin etwas. Denn sie musste so oft unterrichten und oft war es auch sehr anstrengend. Da würde ihr eine kleine Pause guttun. Und fröhlich hüpfte sie den Weg zu ihrem Haus, so schnell sie nur konnte. Denn sie hatte viel vor. Sie wollte die Blumen gießen, ein Kreuzworträtsel lösen, einen Mittagsschlaf machen und ein Stück Schokolade essen. Und als sie all das getan hatte und zufrieden auf der Ofenbank saß, überlegte sie, was sie als nächstes tun sollte. Sie überlegte lange und nach 13 Minuten und 34 Sekunden beschloss sie, aus dem Fenster zu schauen. Aber als es ihr nach 20 Minuten zu langweilig wurde, musste sie wieder überlegen. Und das wurde ihr zu bunt. „Ich frage einfach jemand anderen, was ich tun soll!“, dachte sie sich. Und vergnügt ging sie auf die Straße und klingelte zuerst bei Herrn Nimmersatt. Doch der wollte nicht mit ihr sprechen, denn er aß gerade ein Kotelett und dabei wollte er nicht gestört werden. Also ging sie zur Frau Pfannenstiel, die gerade Pfannkuchen backte und als die kleine Yogalehrerin tüchtig zugegriffen hatte, fragte sie die Frau Pfannenstiel. Doch die wusste es nicht, weil sie selber nicht wusste, was sie machen sollte. Danach ging die kleine Yogalehrerin zum Bürgermeister Bratkartoffel, der sich gerade seine Schuhe putzte. Und als sie ihn fragte, was man machen könne, sagte er, dass sie doch auch ihre Schuhe putzen sollte. Aber das wollte die kleine Yogalehrerin nicht. Sie wollte viel lieber etwas tun, was Spaß machte und einem weiterhalf. Wenn die Schuhe dreckig waren, war das ja nicht so schlimm. Jetzt blieb ihr nur noch der kleine Uwe übrig und der sagte, sie solle mit ihm Murmeln spielen. Das tat sie dann auch, aber nach einer Weile wurde der kleinen Yogalehrerin wieder langweilig. Sie ging nach Hause und setzte sich auf ihre Gartenbank. Und sie war traurig. Eigentlich würde sie jetzt gerade unterrichten, dachte sie. Aber sie hatte ja beschlossen, den Kurs zu schließen. Bis zum Abend kletterte die kleine Yogalehrerin auf einen Apfelbaum und schaute auf die Leute herunter. Sie alle hatten etwas zu tun. Die einen kauften ein, die anderen tranken einen Kaffee und wieder andere fegten ihre Gärten. Und da fasste die kleine Yogalehrerin einen Entschluss. Sie wollte den Yogakurs wieder öffnen. Sie könnten sich ja mit genügend Abstand im Stadtpark treffen. Hauptsache, ihr war nicht mehr langweilig. Also unterrichtete die kleine Yogalehrerin am nächsten Tag wieder. Und sie beschloss, ihren Kurs nie wieder zu schließen, nur weil sie einmal Urlaub machen wollte.
Der kleine Bibliothekar und der Einbrecher
An einem Abend saß der kleine Bibliothekar noch immer in seiner Bibliothek, weil er noch unbedingt sein Buch zu Ende lesen wollte. Es war ein sehr spannendes Buch und der kleine Bibliothekar wollte es noch vor dem Schlafengehen zu Ende lesen. Und als er das getan hatte, schloss er alle Fenster, machte das Licht aus und verschloss die Tür. Dann ging er in sein kleines Haus, das neben seiner Bibliothek lag und machte sich bettfertig. Er putzte sich die Zähne, scheuchte die Fliegen hinaus und ging auf die Toilette. Und als er das alles getan hatte, legte er sich in sein schönes Bett und kuschelte sich fest in seine Decke ein. Dann schlief er langsam ein und war schon fast weggeschlummert, als er ein komisches Geräusch hörte. Es kam von draußen und der kleine Bibliothekar dachte, es wäre ein Dorfbewohner, der noch schnell einen Abendspaziergang machte. Aber er hörte keine bekannte Stimme. Das wusste er sofort. Es war eine dunkle, unbekannte Stimme die leise rief: „Miesepetriger Mist. Ich muss doch diese Tür aufbekommen.“ Und weil der kleine Bibliothekar jedem Menschen helfen wollte, der in seine Bibliothek kam, weil das nicht besonders viele waren, stand er auf und ging langsam auf seine Bibliothek zu. Dort sah er einen Mann, der verzweifelt versuchte, seine Tür aufzubekommen. Er schaffte es aber einfach nicht und machte auch einen ziemlichen Lärm. Und der kleine Bibliothekar fragte sich, warum dieser Mensch nicht einfach tagsüber kam, wenn die Tür offen war. Und er ging zu diesem merkwürdigen Mann und sagte zu ihm: „Hallo, möchtest du ein Buch ausleihen? Du hättest auch tagsüber kommen können. Da hätte ich dir gleich aufgemacht.“ Der Mann bekam einen großen Schreck und hüpfte etwas in die Luft. Das wunderte den kleinen Bibliothekar sehr und schnell schloss er die Tür auf. Dann trat der Mensch ein und schaute auf die große Geldkasse auf dem Tisch, in der der kleine Bibliothekar all sein Geld aufbewahrte. Doch dann bemerkte der Mann, dass der kleine Bibliothekar ihn die ganze Zeit beobachtete und ihm blieb nichts anderes übrig, als sich das erstbeste Buch aus dem Regal zu ziehen. Ein Pixibuch für den kleinen Uwe. „Das möchtest du nehmen?“, fragte der kleine Bibliothekar. Und er druckte dem Mann den Zettel aus, auf dem stand, wann er das Buch wieder zurückbringen sollte. Doch dann überlegte er es sich anders. „Weißt du, du darfst das Buch behalten. Ich schenke es dir.“, sagte er. Der Einbrecher bejahte und verschwand schnell mit dem Buch. Er kam nie wieder, um etwas zu stehlen. Und der kleine Bibliothekar schlief in dieser Nacht besonders gut. Ohne eine Ahnung zu haben, wer dieser Mensch wohl war und was er vorhatte.
Der kleine Fensterputzer lernt stricken
An einem kalten Mittag klopfte es an die Tür des kleinen Fensterputzers. Und als er aufmachte, stand dort der kleine Uwe dick in Schal und Mütze eingewickelt. Er kam gerade von der Schule zurück und wollte ihm von seinen Erlebnissen erzählen. Zuerst erzählte er von dem Streit mit Liese-Lotte, einem Mädchen aus seiner Klasse. Danach hatten sie wohl Mathe gehabt und der kleine Uwe hatte das kleine Einmaleins gleich gekonnt. Er zählte es ihm auch gleich auf und der kleine Fensterputzer war sehr beeindruckt. Er konnte so etwas nicht und er fragte den kleinen Uwe ob er es ihm beibringen könne. Das machte der kleine Uwe sogar sehr gerne und sie übten jeden Nachmittag. Aber immer vergaß der kleine Fensterputzer etwas. Meistens dachte er 7mal7 wäre 51 und eines Tages sagte er: „Ich glaube, ich bin nur für das Fensterputzen gemacht. Das Einmaleins ist ja nicht so wichtig.“ Das sagte der kleine Uwe auch und der kleine Fensterputzer ging das Fenster des Bürgermeisters Bratkartoffel putzen und der kleine Uwe ging nach Hause, um Deutsch zu üben. Aber als der kleine Fensterputzer dann so schrubbte und wischte, dachte er, dass es doch ganz schön wäre, wenn er etwas außer dem Putzen könne. Natürlich konnte er Wäsche aufhängen, Kaffee machen und Spiegeleier braten. Aber das konnte ja fast jeder. Und er ging erst einmal zu der Oma Inge, weil sie immer eine Sahnetorte im Kühlschrank hatte. Als sie dann beide dasaßen und Torte mampften, erzählte der kleine Fensterputzer ihr dann auch über sein Problem und die Oma Inge erzählte ihm, dass sie immer zu viel Salz auf die Spiegeleier machte und sie also auch nicht alles konnte. Aber sie hätte trotzdem eine Idee, was er lernen könne. Sie wollte ihm das Stricken beibringen. Und das fand er erst einmal gar nicht gut. Aber er stimmte trotzdem zu, weil er auch sehr neugierig war, was ihn so erwartete. Und als die Oma Inge ihm alles erklärte, war er wirklich sehr neugierig. Nach 2 Wochen hatte er schon einen zerknitterten Schal zu Stande gebracht und die Oma Inge war sehr stolz auf ihn. So ging es immer weiter und bald konnte er es fast so gut wie sie selber. Die Oma Inge sagte immer wieder, dass er ein Naturtalent wäre und der kleine Uwe war sehr beeindruckt. Und so kam es, dass der kleine Fensterputzer doch noch etwas anderes als das Fensterputzen lernte. Und er war sehr glücklich.
Der kleine Gärtner und der Sommertag
Als der kleine Gärtner an diesem Morgen aufwachte, hatte er die Decke fast ganz weggestrampelt und in seinem kleinen Zimmer war es so stickig, dass er gleich das Fenster aufmachte. Dann zog er sich erst einmal an, nahm seine Sommermütze aus dem Regal, goss seine Blumen und machte sich auf den Weg zur Oma Inge. Er musste ihr nämlich jeden Samstag helfen, ihren Garten zu gießen, Unkraut zu entfernen und Blätter zu harken. Das machte ihm eigentlich sehr großen Spaß, nur heute leider nicht. Schon bald schwitzte er so sehr, dass sich um seine Füße eine kleine Pfütze bildete und die Oma Inge sagte: „Das Unkraut ist ja nicht so wichtig. Ich mache uns eine Zitronenlimonade. Und das ließ sich der kleine Gärtner nicht zweimal sagen. Als die beiden die Limonade ausgetrunken hatten, ging der kleine Gärtner wieder in sein Haus zurück und legte sich in seine Hängematte. Fast hätte er einen Sonnenbrand bekommen doch er bemerkte es noch rechtzeitig und setzte sich wieder in seine Wohnung. Er schaute etwas aus dem Fenster, machte sich etwas Kaffee und ging dann zum Bürgermeister Bratkartoffel. Der kleine Gärtner war nämlich ein wirklich freundlicher Mensch und half deshalb nicht nur der Oma Inge, sondern auch dem Bürgermeister. Heute musste er ihm helfen, seine Krawatten nach Farbe und Größe zu sortieren. Das war nicht leicht, weil der Bürgermeister der festen Meinung war, dass gelb dunkler als schwarz war. Der kleine Gärtner war anderer Meinung, sagte es aber nie, weil der Bürgermeister sonst etwas böse wurde. Und das wollte der kleine Gärtner nicht. Als er wieder zu Hause war, wusste er, dass er heute niemandem mehr helfen musste. Alle waren in ihren Häusern im kühlen Schatten. Doch da fiel ihm etwas ein. Die Blumen mussten jetzt gerade in der Sonne sitzen und würden wahrscheinlich gebraten werden, wenn der kleine Gärtner ihnen nicht half. Und er hatte auch schon eine Idee. Er holte einen Stuhl und einen Sonnenschirm aus seinem Keller hervor, zog ein Buch aus seinem Bücherschrank heraus, füllte Wasser in die Gießkanne und stellte alles neben seine Blumen. Dann setzte er sich auf den Stuhl, spannte den Schirm über sich und den Blumen auf und las ihnen vor. Immer wenn er ein Kapitel gelesen hatte, goss er etwas Wasser über die Blumen und rückte den Sonnenschirm zurecht. Und an diesem Tag waren alle sehr glücklich. Auch die Blumen.
Der kleine Kinokartenverkäufer wird Eisverkäufer
An diesem Tag war der kleine Kinokartenverkäufer sehr traurig, als er von seiner Arbeit heimfuhr. Sein Chef hatte nämlich gesagt, das Kino müsse im Sommer schließen. Es würde erst im Winter wieder aufmachen, wenn den Leuten kalt und langweilig war. Denn mitten im Sommer wollten die Leute lieber draußen sein und keine Filme anschauen. Und wenn das Kino schloss, würde das heißen, dass der kleine Kinokartenverkäufer in diesem Sommer keine Arbeit haben würde. Natürlich war es auch schön, mal wieder frei zu haben. Aber der Sommer dauerte ja und ihm würde sicher sehr langweilig werden. In dieser Nacht träumte er davon, dass er Karten verkaufen will, aber niemand sie haben möchte. Alle Leute schreien nur immer und immer wieder: „Wir wollen ein Eis haben!“ Und als der kleine Kinokartenverkäufer an diesem Morgen erwachte, fühlte er sich sehr elend. Er mochte noch nicht einmal Kaffee trinken und deshalb ging er zum Bürgermeister Bratkartoffel. Der war ja schließlich für Probleme da. Als er dem alles erzählt hatte, fühlte er sich schon besser. Und der Bürgermeister versprach ihm, sich Gedanken zu machen. Da war der kleine Kinokartenverkäufer wieder glücklich und er trank zwei ganze Tassen mit Kaffee aus. Am Nachmittag ging er wieder zum Bürgermeister, um ihn zu fragen, ob er schon eine Idee hatte, die gegen Langeweile half. Und wirklich. Er hatte eine Idee. Als der kleine Kinokartenverkäufer eintrat, rief er gleich. „Ich habe eine Idee. Du könntest über den Sommer doch einfach den Beruf wechseln. Und ich habe auch schon eine Idee. Du hast mir doch etwas über deinen Traum erzählt. Da wollten die Leute doch Eis haben. Werde doch einfach Eisverkäufer!“ Das fand der kleine Kinokartenverkäufer sehr gut und er und der Bürgermeister fingen gleich mit der Zubereitung an. Sie machten natürlich Erdbeereis und Vanilleeis. Dann machten sie noch Bananen-Joghurteis, Basilikumeis und ein Quark-Honig-Eis. Und als sie alles fertig hatten und genug Waffeln besorgt hatten, stellte sich der kleine Kinokartenverkäufer an den Straßenrand und rief so laut er konnte: „Eis zu verkaufen!“ Und schon bald kamen Leute. Der kleine Uwe kaufte sich gleich 3 Kugeln von seinem Taschengeld und der Herr Nimmersatt eine Kugel Vanilleeis. Bald war das Eis leer und der Geldbeutel vom kleinen Kinokartenverkäufer voll. Und an diesem Tag waren alle sehr glücklich.
Der kleine Bäcker und die Japaner
Eines Morgens wurde der kleine Bäcker von einem ungeheuren Lärm geweckt. Er kam von der Straße und er wunderte sich sehr. Es war erst 7 Uhr und um diese Uhrzeit schliefen die meisten Dorfbewohner noch. Der kleine Bäcker dachte also nicht weiter darüber nach. Vielleicht war es ja auch der kleine Uwe, der mit seinem kleinen Fahrrad den Berg hinuntersauste. Doch als der kleine Bäcker eine halbe Stunde später in den Laden ging, sah er, wer den Lärm verursacht hatte. Es waren sogar mehrere Personen. Vor seinem Laden standen fünf Japaner. Der kleine Bäcker kannte dieses Land und schätzte es sehr. Als er noch etwas jünger war, flog er einmal mit dem Flugzeug hin und fand es dort auch sehr schön. Deshalb begrüßte er die Menschen auch freundlich, holte sein Japanisches Wörterbuch aus dem Regal und fragte die Besucher was sie wollten. Sie antworteten, sie würden sich nur einmal etwas die Stadt anschauen und wollten nachher zum Mittagessen bei einem kleinen Bäcker essen und wer das denn sei. Der kleine Bäcker erklärte, dass er der kleine Bäcker war und sie freuten sich sehr. Danach lief alles wie immer ab. Die anderen Dorfbewohner kamen, kauften sich ihre Brötchen und verschlangen sie schnell, weil sie die Japaner etwas herumführen wollten. Verlaufen konnte man sich hier nicht, aber sicher war sicher. Der kleine Uwe zeigte ihnen sein Fahrrad und die Japaner staunten sehr. Dann wurden sie dem Bürgermeister Bratkartoffel vorgestellt und sie fanden alles sehr aufregend. Dann durften sie alle die weiße Maus vom Bürgermeister streicheln und die fünf Leute erzählten dem kleinen Uwe etwas über das Essen, das sie mit Stäbchen aßen. Und weil alle hungrig geworden waren, gingen sie zum kleinen Bäcker. Sogar die weiße Maus kam mit. Die Japaner bestellten sich einige belegte Brötchen, der Bürgermeister wollte ein Schnitzel haben, die Frau Pfannenstiel einen hauchdünnen Salat, die Oma Inge nahm ein Stück Kuchen, der Herr Nimmersatt aß ein Stück Rindsroulade und der kleine Uwe wollte ein Eis haben. Eigentlich war der kleine Bäcker ja nur ein Bäcker, aber er konnte auch sehr gut kochen. Und schon bald hatten alle das, was sie haben wollten. Sie aßen also alle zusammen und den Japanern schmeckten die Brötchen außerordentlich gut. Und weil auch der kleine Bäcker das bemerkte, machte er einen Plan. Jede Woche würde er ein großes Paket mit leckeren Brötchen verpacken und nach Japan schicken. So könnten die fünf Japaner jeden Sonntag frische Brötchen essen. Den Japanern verriet er seine Überlegungen noch nicht. Und der kleine Bäcker freute sich schon auf ihre verwunderten Gesichter, wenn sie das Paket auspacken würden.
Der kleine Seiltänzer und der Lehrling
Eines Morgens einmal (der kleine Seiltänzer zog gerade seine Vorhänge auf) klopfte es an seiner Tür. Und als er aufmachte stand da ein junger Mann. Er mochte 19 Jahre alt sein und war dem kleinen Seiltänzer gleich sympathisch. „Ich möchte gerne Seiltänzer werden!“, sagte er ohne Umschweife. Das freute den kleinen Seiltänzer sehr und er fragte ihn sogleich: „Das finde ich sehr gut. Aber weißt du denn, wo du es gerne lernen möchtest? Ein Zirkus wäre da sehr passend.“ „Natürlich bei dir. Ich dachte du bist Seiltänzer. Oder etwa nicht? Wenn du mich nicht unterrichten möchtest, kann ich natürlich auch wieder gehen.“ erwiderte der junge Bursche etwas beleidigt. Er war wohl ein sehr empfindsamer Mensch. Etwas erschrocken bat der kleine Seiltänzer gleich: „Ach, du willst bei MIR das seiltanzen lernen. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Oh große Not! Ich wollte dich doch nicht kränken.“ Und so fing das Training an. Schon nach 2 Tagen konnte er ein Rad auf dem Seil, nach 4 Tagen einen Handstand, nach 7 Tagen einen Salto, nach 9 Tagen einen 3-fachen Salto, nach 10 Tagen einen 5-fachen Salto, nach 12 Tagen einen 8-fachen Salto, nach 14 Tagen einen 12-fachen Salto und nach 15 Tagen sagte der kleine Seiltänzer: „Nun hast du genug gelernt. Du sollst eine Prüfung ablegen. Wenn du diese schaffst, darfst du in die große Welt ziehen und ein richtiger Seiltänzer werden. Morgen wird die große Prüfung stattfinden. Am besten wir machen heute einmal keinen Unterricht. So kannst du dich noch ein bisschen ausruhen.“ Damit war der Bursche einverstanden. Fröhlich hüpfte er den Weg entlang und freute sich sehr. Man wird ja nicht alle Tage ein richtiger Seiltänzer. Währenddessen verbreitete sich die Botschaft, dass der Lehrling des kleinen Seiltänzers eine Prüfung ablegen muss, wie im Flug. Alle Leute wollten etwas dazu beitragen. Die Frau Pfannenstiel backte einen großen Kuchen, der Herr Nimmersatt zog seine beste Krawatte an und die Oma Inge strickte ein Banner, auf dem mit großen Buchstaben geschrieben war: DU SCHAFFST DAS. NUR MUT!!! Am nächsten Tag trafen sich alle Leute vor dem Rathaus. Denn natürlich wollten sie zuschauen und den Mann anfeuern. Als erstes musste er ein Rad machen. Gleich danach einen Handstand. Danach kamen die Saltos. Vom 1-fachen bis zum 12-fachen. Der junge Mann stellte sich sehr gut an und die Dorfbewohner waren begeistert. Der kleine Seiltänzer überlegte am Ende auch nur kurz, ob der junge Mann die Prüfung bestanden hatte und entschied sich für ein Ja. Da waren alle Dorfbewohner sehr froh und der Bursche natürlich besonders. Er hüpfte vor Freude in die Luft und machte einen 10-fachen Salto auf dem Boden. Das war ja einfach. Danach gingen alle zur Frau Pfannenstiel und ihrem Sahnekuchen. Und als sich alle die Mägen vollgeschlagen hatten, tranken sie zusammen Tee aus Indien, den der Herr Nimmersatt einmal von einer Geschäftsreise mitgebracht hatten. Alle waren sehr fröhlich und heiter. Und ratet mal wer am Glücklichsten war! Der kleine Seiltänzer. Ohne ihn hätte der Bursche schließlich nie und nimmer das Seiltanzen gelernt.
Der kleine U-Bahnfahrer und die kaputte U-Bahn
Immer öfters, wenn der kleine U-Bahnfahrer in seine U-Bahn steigt, ist etwas kaputt. Heute ist es ein Fenster. „Ach kleiner U-Bahnfahrer!“, seufzt heute die Oma Inge „Das Fenster neben meinem Platz ist schon wieder kaputt. Der kleine Uwe hat einen Ball hineingeworfen. Sicher bekomme ich jetzt einen Schnupfen.“ Doch auch der kleine U-Bahnfahrer kann nichts dagegen unternehmen. Denn er hat wenig Geld. Genau wie die anderen Dorfbewohner auch. Also muss er meistens sagen: „Ich kann auch nicht zaubern. Hier, du kannst meinen Schal haben.“ Doch heute sagt er: „So kann es nicht weitergehen. Ich rede einmal mit dem Bürgermeister.“ Und an diesem Abend ging er (nachdem er seine Spiegeleier gegessen hatte) zum Bürgermeister Bratkartoffel und sagte zu ihm: „So kann es nicht weitergehen. Wir müssen die U-Bahn reparieren. Sie wird langsam immer kaputter. Entweder alle müssen zusammenlegen, um neue Fenster und Türen zu kaufen oder wir lassen die U-Bahn so wie sie ist. Aber wenn wir sie so lassen, wird sie bald völlig zerfallen.“ Der Bürgermeister versprach also, sich etwas zu überlegen. Und am nächsten morgen wusste er eine Lösung. Er sprach: „Liebe Dorfbewohner. Ich habe zwei Möglichkeiten gefunden. Wir können uns an die Arbeit machen und die U-Bahn ordentlich putzen oder wir können lange, lange sparen und uns dann neue Sachen zulegen. Das wird aber etwas dauern.“ Da waren die Leute sehr froh. Denn wenn der Bürgermeister Bratkartoffel eine Lösung wusste, konnte es bestimmt nicht so schwer sein. Und sie entschieden sich einfach beide Möglichkeiten auszuprobieren. Also machten sie sich mit Schwämmen und Besen auf den Weg und nach 2 Stunden und 35 Minuten sah die U-Bahn wirklich sauberer aus als zuvor. Und auch am nächsten Tag machten sie weiter. Fleißig hängten sie die Vorhänge auf und räumten in der U-Bahn die Getränke-dosen und leeren Schokopapiere weg. Und als sie fertig waren, waren sie müde, aber auch stolz. Denn sie hatten es zusammen geschafft, die U-Bahn wieder ordentlich zu machen. Ab diesem Tag sparten die Dorfbewohner auch für neue Fenster. Der kleine U-Bahnfahrer hatte extra seinen linken Schuh ausgezogen und ihn vor das Rathaus gestellt. Und nach 5 Monaten hatten sie wirklich so viel Geld zusammen, dass sie sich eine neue Tür und ein neues Fenster kaufen konnten. Da war der kleine U-Bahnfahrer sehr glücklich und zum Dank pflückte er für jeden Dorfbewohner eine Blume und legte sie vor die Tür. Und immer, wenn die Leute die Blume anschauen, sind sie sehr glücklich.
Der kleine Zirkusdirektor und der große Auftritt
An einem ganz normalen Morgen wachte der kleine Zirkusdirektor auf und freute sich sehr. Denn heute hatte der Zirkus Minimus, in dem er der Direktor war, einen großen Auftritt. Alle Artisten führten etwas vor. Eine Frau balancierte auf einem dünnen Seil hoch oben in der Luft, Akrobaten schwangen sich auf dem Trapez in die Luft, Jongleure warfen so viele Bälle in die Luft, dass dem kleinen Zirkusdirektor ganz schwindelig wurde, Männer, Frauen und Kinder fuhren mit dem Einrad durch die Manege und andere balancierten auf Kugeln und hüpften von einer zur anderen. Der kleine Zirkusdirektor mochte den Zirkus sehr. Und während die Artisten den Zuschauern zeigten, was sie so alles konnten, verkaufte der kleine Zirkusdirektor Popcorn, schrieb Eintrittskarten für die nächste Vorführung und zählte das Geld, das an diesem Tag in der großen Kasse gelandet war. Diese Arbeit machte ihm Spaß und so war es schon immer gewesen. Heute aber, sollte es anders kommen. Zuerst einmal aß der kleine Zirkusdirektor seine Spiegeleier, wie jeden Morgen, und zog sich seine Krawatte an. Dann ging er in das blaue, große Zirkuszelt und schaute, ob alles an seinem richtigen Platz war. Das war es und zufrieden trat er wieder hinaus. Er setzte sich auf eine Bank und streckte seine Zehen in die Sonne. Und als er das getan hatte, wollte er gerade wieder hinausgehen, da hörte er von der anderen Richtung ein lautes Niesen und Stöhnen. Er drehte sich um und da standen alle Artisten in ihren Schlafanzügen und husteten dem kleinen Zirkusdirektor ins Gesicht. Und danach sagten sie: „Kleiner Zirkusdirektor. Es ist etwas schlimmes passiert. Wir sind alle krank und haben uns gegenseitig angesteckt. Heute können wir nicht auftreten.“ Das fand der kleine Zirkusdirektor gar nicht gut. Und er schickte alle Artisten wieder in ihre Betten. Dann setzte er sich auf die Treppe seines Wohnwagens und überlegte, was jetzt zu tun wäre. Er grübelte lange und nach genau 7 Minuten und 55 Sekunden hatte er eine Lösung gefunden, die ihm selber leider gar nicht gut gefiel. Er war zu dem Entschluss gekommen, dass nur er auftrittsfähig war. Alle anderen waren ja krank. Und so musste er heute alle Artisten ersetzen, bis sie wieder gesund waren. Er musste auf einem dünnen Seil in der Luft balancieren, er musste sich auf einem Trapez in die Luft schwingen, er musste furchtbar viele Bälle in die Luft werfen, er musste auf dem Einrad durch die Manege fahren und er musste auf Kugeln balancieren und von einer zur anderen hüpfen. Schon bei der Vorstellung, das alles zu tun wurde ihm sehr schlecht und er dachte, dass er ja vielleicht auch krank wäre. Aber dann verwarf er diesen Gedanken wieder und ging lieber schnell ins Zirkuszelt, um schon mal etwas zu üben. Das tat er dann auch und nach einer halben Stunde, 9 Minuten und 2 Sekunden kamen die ersten Gäste. Sie kauften Popcorn und setzten sich in die Reihen und bald war das ganze Zelt mit schwatzenden und fröhlichen Menschen besetzt. Und dann ging es los. Zuerst hielt der kleine Zirkusdirektor eine kurze Rede und erklärte den Menschen das Problem mit den Artisten. Sie verstanden das und waren noch gespannter als davor, weil sie sehen wollten was der kleine Zirkusdirektor nun vorführen würde. Als erstes musste er auf einem Seil balancieren. Vorsichtig, Schritt für Schritt, stieg er die Leiter hinauf, welche zum Anfang des langen Seiles führte. Und als er oben war, begann er zu balancieren. Aber schon nach 3 Schritten fiel er in das große Trampolin, das unter ihm aufgebaut war und alle Zuschauer riefen: „OOOHHH!“ Dann ging es mit dem Trapez weiter und der kleine Zirkusdirektor hatte Mühe, überhaupt hochzukommen. Als er endlich oben war, versuchte er etwas zu schaukeln. Aber schon nach kurzer Zeit lag er auf der weichen Matte. Nach dem Trapez kam das jonglieren an die Reihe. Das konnte er gar nicht gut, dass wusste er schon. Deshalb machte er es nur mit einem Ball. Als er das geschafft hatte, versuchte er auf das Einrad zu kommen, was leider gar nicht funktionierte und der kleine Zirkusdirektor gab es schnell wieder auf. Und als letztes kamen die Kugeln dran. Er hüpfte auf eine große Kugel drauf und fiel sofort wieder herunter. Das fanden die Zuschauer gar nicht gut, weil sie sehr viel Geld bezahlt hatten und dafür nichts gesehen hatten. Also versteckte sich der kleine Zirkusdirektor lieber hinter dem Vorhang und wartete dort, bis alle Zuschauer wieder draußen waren. Dann ging er vorsichtig in seinen Wohnwagen und legte sich in sein weiches, kuscheliges Bett. Denn nach so einem Erlebnis sollte man sich erst einmal ausruhen. Und als sein Kopf das große Kissen berührte, schlief der kleine Zirkusdirektor sofort ein. Es war ja auch sehr anstrengend gewesen. Morgens weckten ihn die ersten Sonnenstrahlen auf und er setzte sich in seinem Bett auf. Dann musste er erst einmal gehörig niesen und sein Kopf tat ihm danach auch noch weh. Und der kleine Zirkusdirektor dachte: Ich glaube ich bin krank. Sicher haben mich die Artisten gestern angesteckt. Und schnell zog er sich die Decke wieder über den Kopf. Aber, dachte er sich, ich habe ja auch etwas gelernt. Ich habe gelernt, dass das balancieren, das turnen auf dem Trapez, das jonglieren und das Einradfahren gar nicht so leicht sind wie ich dachte.
Der kleine Bibliothekar und die kaputten Bücher
An diesem Tag saß der kleine Bibliothekar an seinem Schreibtisch in der Bibliothek und ordnete die Bücher. Er stapelte alle Kochbücher in ein Regal, sortierte die Kinderbücher nach dem Autor und stellte die Zeitschriften wieder richtigrum in das Regal ein. Diese Arbeit tat er sehr gerne und schon bald war alles wieder so ordentlich wie nie zuvor. Das freute den kleinen Bibliothekar und er aß zur Belohnung sein Käsebrot, das er mitgenommen hatte, auf. Und als er das getan hatte, las er einen Roman. Das konnte er aber leider nicht mehr lange tun, weil schon bald der kleine Uwe kam und ein Buch über Ameisen lesen wollte. Und da musste der kleine Bibliothekar es ihm heraussuchen. Danach kam die Oma Inge und schmiss alle Kochbücher wieder um, obwohl der kleine Bibliothekar sie erst vor kurzem sortiert hatte. Doch die Oma Inge interessierte das gar nicht. Und als der Bürgermeister Bratkartoffel den Umschlag von einem Buch über den ersten Weltkrieg zerfledderte, hatte er es nicht einmal bemerkt. Auch die Frau Pfannenstiel riss die Zeitschriften so fest aus dem Regal, dass sie gleich kaputtgingen. Und der Herr Nimmersatt ließ einen riesigen Bücherstapel auf den Boden fallen. Der kleine Bibliothekar war damit gar nicht einverstanden. Und er sagte zu den Dorfbewohnern: „Warum behandelt ihr die Bücher denn so? Ich habe sie doch gerade erst einsortiert!“ Da schämten sie sich und räumten alles wieder in die Regale. Leider machten sie das nicht gerade vorsichtig und fast stürzte der Oma Inge das ganze Regal mit den Kochbüchern auf den Kopf. Und weil der kleine Bibliothekar seine Bücher nicht im Stich lassen wollte, rief er zu den Leuten: „Kommt einmal alle zu mir her. Ich werde euch erklären, wie man die Bücher neu bindet und alles schön ordentlich in die Regale zurücktut.“ Damit waren alle einverstanden und der kleine Bibliothekar erklärte alles, so gut er konnte. Schon bald hatten die Dorfbewohner alles drauf und fleißig fingen sie an zu binden. Und der kleine Bibliothekar half auch mit. Schon nach einer ganzen Weile, waren sie fertig und freuten sich schon auf die ordentlichen Regale. Schnell räumten sie also alles ein und danach aßen alle zusammen einen Kuchen. Und an diesem Tag waren alle Dorfbewohner sehr glücklich, etwas gelernt zu haben.
Der kleine Fensterputzer und der Drache
Eines Tages einmal klopfte es an seine Tür und die Oma Inge trat ein. Sie hatte sich etwas einsam gefühlt und war deshalb zu ihm gekommen. Der kleine Fensterputzer stellte schnell etwas Teewasser auf und holte die frisch gebackenen Plätzchen aus dem Ofen. Die Oma Inge freute sich und mampfte gleich los, während der kleine Fensterputzer ihr über seine Arbeit erzählte. Er erzählte ihr, dass er früher einmal mit anderen zusammen gearbeitet hatte. Dort hatte er viel Geld bekommen, musste aber immer auf Hochhäuser klettern und durfte sich nicht ausruhen. Deshalb hatte er irgendwann die Nase voll und putzte nur noch die Fenster der Dorfbewohner. Das war viel schöner und oft wurde er dort, wo er gerade die Fenster putzte, auf eine Tasse Kaffee eingeladen. Danach erzählte ihm die Oma Inge über ihre Rückenprobleme und ihre Adern und rollte sogar ihren Strumpf runter, um es ihm zu zeigen. Aber da hörten sie beide das Schluchzen eines Kindes und weil es in diesem Dorf nur ein Kind gab, musste es der kleine Uwe sein. Die Oma Inge rollte ihren Strumpf wieder hoch und dann trippelten die beiden auf das Geweine zu. Die Frau Pfannenstiel stand auch schon beim kleinen Uwe und der kleine Fensterputzer sah gleich, was passiert war. Der Drache hatte sich im Baum verfangen und der kleine Uwe kam nicht mehr heran. Es war sogar ein sehr schöner Papierdrache. Er hatte orangene Flügel und lächelte breit. Der Oma Inge war er wohl auch sympathisch, denn sie vergaß ihre Adern und den Rücken und hüpfte hoch, um den Drachen zu erreichen. Sie schaffte es aber nicht. Ebenso der Herr Nimmersatt, die Frau Pfannenstiel und der Bürgermeister Bratkartoffel. Das wurmte sie sehr und dem Bürgermeister rutschte sogar die Hose runter. Das fanden die anderen sehr lustig aber der Bürgermeister ging in sein Bett und interessierte sich nicht mehr für das Problem. Obwohl er Bürgermeister war. Die Leute aber gaben noch nicht auf. Sie versuchten es nochmal mit springen und Räuberleiter. Aber keiner schaffte es. Da sagte der Herr Nimmersatt: „Oh große Not!“ Und sie waren alle sehr betrübt. Doch endlich hatte der Herr Nimmersatt eine Idee. „Der kleine Fensterputzer soll es versuchen“, sagte er. Das fanden alle eine gute Idee. Schließlich war er hohe Sachen gewohnt. Also hüpfte er zuerst ein bisschen, schaffte es aber nicht. Dann versuchte er zu klettern und er schaffte es sogar. Es war sehr mühsam aber schließlich saß er oben und pflückte noch ein paar Äpfel mit. Zum Dank schenkte der kleine Uwe ihm ein Spielzeugauto und die Frau Pfannenstiel lud alle zum Kuchenessen ein. Erst danach merkten die Dorfbewohner, dass sie ja auch einfach eine Leiter hätten holen können und für den Rest des Tages lachten sie nur noch und waren sehr glücklich.