Andrej Bulbenko, Marta Kajdanowskaja: Elektrizität und Himmelsfische

Der Roman „Elektrizität und Himmelsfische“ von Andrej Bulbenko und Marta Kajdanowskaja ist 2024 in deutscher Übersetzung im dtv Verlag erschienen. Er hat 191 Seiten und eignet sich für Jugendliche ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von der vierzehnjährigen Marzia, die mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester Tonja, genannt Toni, zusammen lebt. Eines Tages, als die Familie gerade das neue Kinderbett aufbauen will, wird plötzlich ihre Stadt bombardiert.

„Ich hatte noch nicht verstanden, wer wohin ballert, aber mir war schon klar, dass das Universum uns offenbar daran hindern wollte, unser Bett aufzubauen.“ (S. 56)

Im vollgepackten Auto des Großvaters, der einzige aus der Familie, der Auto fahren kann, flüchten Marzia, Toni, Eltern und Großeltern aus der Stadt Richtung Grenze.

„Noch einmal zwei Stunden später saßen wir alle schon wie die Sardinen im Auto und versuchten, uns in den Stau einzureihen. Es krachte auf allen Seiten […]“ (S 62)

Auf der Fahrt schreibt Marzia Tagebuch auf den Rückseiten der Bauanleitung für das Kinderbett und schildert die Erlebnisse der Flucht; sie schreibt über Straßensperren, Staus, Überfälle und besonders über die Auseinandersetzungen zwischen ihrer Familie, die eingepfercht im kleinen Auto sitzt und fast ununterbrochen streitet.

„Die falsche Richtung allein ist noch nicht die Hölle. Okay, wir sind falsch abgebogen, haben uns ein bisschen angebrüllt […] Man müsste einfach aussteigen. Mir nichts, dir nichts, einfach raus hier.“ (S. 31/32)

Schließlich erreichen sie an der Grenze ein Motel namens „Ruhebank“, Marzia nennt es „Ruhe sanft“, in dem sie einige Tage bleiben. Dort trifft Marzia auf den Schriftsteller Andrej Bulbenko und übergibt ihm ihre Aufzeichnungen.

„Die Kajdanowskis blieben eine knappe Woche, sie warteten, dass der Beschuss am Ruppigon nachließ. Er ließ nicht nach, und sie entschieden, trotzdem zu fahren. Vor der Abreise übergab Marzia mir zwei Umschläge.“ (S. 7)

Mir gefällt das Buch nicht sehr gut.

Das eher schlichte Cover aus dem zerknickten Papier, das vermutlich eine Rückseite der Bauanleitung darstellen soll, finde ich ganz schön und der Titel hat mich auf jeden Fall neugierig gemacht.

Auch den Hintergrund der Geschichte finde ich interessant, im Roman befinden sich nämlich einige Hinweise, dass es sich bei den Angriffen um den Beginn des Krieges in der Ukraine (Februar 2022) handelt.

Als ich begonnen habe, das Buch zu lesen, hatte ich zunächst Probleme, in die Geschichte hineinzufinden. Im Verlauf des Romans wurde dies dann etwas besser, ich habe mich aber trotzdem eher schwer getan.

Auch der Schreibstil gefällt mir nicht sehr gut. Dass er oft durcheinander wirkt, ist ja vermutlich der Tatsche geschuldet, dass Marzia ihr Tagebuch auf der Flucht schreibt. Diese Idee finde ich auch sehr passend, mich hat vieles während des Lesens aber total verwirrt und an manchen Stellen fand ich es sehr schwierig, herauszufinden, was überhaupt passiert. Auch im Nachhinein habe ich das Gefühl, viele Dinge nicht verstanden zu haben, sodass mich das Buch eher unzufrieden zurücklässt.

Die Idee mit den Ausschnitten der Bauanleitung, die immer wieder im Buch zu finden sind, gefällt mir sehr gut. Auch, dass die Blätter nicht chronologisch geordnet sich, ergibt Sinn. Allerdings hat mich die Geschichte wie bereits gesagt etwas zu sehr verwirrt, weshalb ich vieles etwas klarer dargestellt hätte.

Gestört hat mich auch, dass sehr oft zwischen Präsens und Präteritum gewechselt wird. Anfangs dachte ich, es steckt irgendein Sinn dahinter. Wenn dies so sein sollte, habe ich ihn allerdings nicht verstanden.

Insgesamt lässt mich „Elektrizität und Himmelsfische“ also mit vielen Fragen zurück, weshalb ich es nicht weiterempfehle.

Hinterlasse einen Kommentar