Meg Rosoff: was wäre wenn

Der Roman „was wäre wenn“ von Meg Rosoff ist 2016 in deutscher Übersetzung im S. Fischer Verlag erschienen und wurde 2008 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Er hat 255 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von dem fünfzehnjährigen David Case, der mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder Charlie, der erst wenige Monate alt ist, in Luton, einer Stadt in England, lebt.

Eines Tages klettert Charlie beim Spielen auf das Fensterbrett eines offenen Fensters – David kann seinen Bruder gerade noch vor dem Sturz retten.

„Mein Gott, dachte David. Wäre ich zwei Sekunden langsamer gewesen, dann wäre er tot. Mein Bruder wäre tot, aber ich wäre vor Schuld und Scham erledigt und am Boden zerstört […]“ (S. 8)

Durch diesen Vorfall wird David plötzlich bewusst, wie schnell es in seinem Leben zu einer Katastrophe kommen kann, wenn es das Schicksal auf ihn abgesehen hat.

„Plötzlich sah er überall Katastrophen, Blutvergießen, den Untergang des Planeten, das Ende der menschlichen Rasse […]“ (S. 9)

Daher beschließt David, sich eine neue Identität zuzulegen und hofft, dass das Schicksal ihn so vergisst und sich ein anderes Opfer sucht. Beginnen möchte er damit, einen neuen Namen anzunehmen.

„Seine einzige Chance bestand darin, sich Schritt für Schritt neu zu erfinden, und mit seinem Namen musste er anfangen. Wenn es ihm gelänge, vollkommen anders zu sein, vielleicht würde das Schicksal dann David Case vergessen […]“ (S. 14)

Von nun an nennt David sich also nicht mehr David, sondern Justin. Da ihm dies noch nicht reicht, um sich vor dem Schicksal sicher zu fühlen, möchte er auch sein Äußeres ändern. Dazu geht er in einen Second-Hand-Shop, um sich neue Kleidung zu kaufen.

„Um seine Verwandlung praktisch umzusetzen, hatte er einen nahe gelegenen Secondhandladen gewählt, in dem es Tausende von abgelegten Sachen aus anderen Leben gab.“ (S. 17)

Dort trifft er die neunzehnjährige Agnes, die sofort durch ihren ungewöhnlichen Kleidungsstil auffällt. Justin erzählt ihr von seinem Problem mit dem Schicksal und sie berät ihn, welche Kleidung er tragen soll und fotografiert ihn ständig mit ihrer Kamera.

„Sie brachte ihm ein türkisfarbenes geblümtes Hemd, eine dünne braune Strickjacke, die vermutlich für eine Frau gedacht war, und eine weiße Leinenhose, die mit einem Gürtel gehalten wurde.“ (S. 22)

Seine Eltern verstehen Justins Veränderung nicht wirklich und weigern sich, ihn mit seinem neuen Namen anzusprechen. Als er sich auch noch einen imaginären Windhund namens Boy zulegt, wissen sie endgültig nicht mehr, was mit ihm los ist.

„Justin fand den Gedanken an ein Tier, und sei es auch nur ein eingebildetes, ziemlich tröstlich. Auf dem kurzen Schulweg blieb er mehrmals im Nieselregen stehen, damit sein Hund an Laternenpfählen, Bäumen und toten Vögeln schnuppern konnte.“ (S. 29)

Doch trotz Justins Versuch, eine neue Identität anzunehmen, ist ihm das Schicksal auf den Fersen…

Ich finde das Buch ganz in Ordnung.

Die Beschreibung auf dem Buchcover hat sich sehr interessant angehört, weshalb ich den Roman auch mitgenommen habe. Besonders die Idee mit dem imaginären Hund finde ich klasse!

Zu Beginn hat mir das Buch auch sehr gut gefallen. Als Leser findet man gut in die Geschichte hinein, da sie direkt mit Davids Rettungsaktion beginnt. Auch die Beschreibungen seines Versuches, eine neue Person zu werden, finde ich noch sehr gelungen und ich war während des Lesens überzeugt, dass mir das Buch gefallen wird.

Ungefähr ab Seite 50 hat mir die Geschichte dann allerdings nicht mehr so gut gefallen. Einerseits passiert nicht mehr wirklich viel Neues. Andererseits finde ich auch Agnes nicht wirklich gelungen dargestellt, da sie meiner Meinung nach die ganze Handlung etwas verwirrt. Dies liegt vor allem daran, dass man als Leser nicht wirklich viel von ihr erfährt und ich daher nicht richtig schlau aus ihr werden konnte.

Im Laufe des Buches artet Justins Versuch, dem Schicksal zu entkommen, ziemlich aus und man hat eher das Gefühl, dass er stark psychisch krank wird. Diese Wende der Geschichte gefällt mir ehrlich gesagt auch nicht gut; ich hätte mir gewünscht, dass die weitere Handlung eher lustig geschrieben wird und Justin nicht solche Probleme bekommt. Auch auf den ersten Seiten wirkt das Ganze noch ziemlich witzig und ich musste während des Lesens oft lachen. Im Laufe der Geschichte tut Justin einem aber ziemlich leid.

Außerdem denke ich, dass das Buch nicht für Kinder ab 12 Jahren, sondern eher ab 14 Jahren geeignet ist, da ich manche Beschreibungen als etwas verstörend empfunden habe.

Insgesamt empfehle ich „was wäre wenn“ eher nicht weiter, auch wenn ich die Idee hinter der Geschichte gelungen finde.

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