Manuela Inusa: Vor uns das Leben

Der Roman „Vor uns das Leben“ von Manuela Inusa ist 2023 im Rowohlt Verlag erschienen. Er hat 285 Seiten und eignet sich für Jugendliche ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von der siebzehnjährigen Alice, genannt Al, die im Laufe der Geschichte achtzehn wird. Sie lebt gemeinsam mit ihrer dreizehnjährigen Schwester Mika und ihrem Vater in Kalifornien. Ihre Mutter hat die Familie vor vielen Jahren verlassen, weil sie laut Als Vater keine Mutter sein wollte. Sowohl Al als auch Mika denken aber nicht oft an sie und genießen lieber die Zeit mit ihrem Vater.

„[…] manchmal finde ich es gar nicht mal so schlimm, keine Mutter zu haben, weil Dad reicht. Weil er genug ist. Weil er der coolste Dad ist, den man nur haben kann.“ (S. 8/9)

Al gefällt ihr Leben gut; sie liebt es, Musik zu machen und spielt Gitarre in einer Band mit drei anderen Mädchen.

„Meine Gitarre ist wie mein dritter Arm, ich glaube, ohne sie würde ich mich fühlen, als wäre mir was amputiert worden.“ (S. 8)

Al´s Leben verändert sich jedoch schlagartig: Als die Familie eines Tages einen Ausflug ins Schwimmbad macht, verletzt sich Al´s Vater bei einem Sprung ins Wasser und stirbt später im Krankenhaus. Al und Mika werden von ihrer Tante April aufgenommen, da die beiden sonst niemanden mehr haben.

„Wir wohnen jetzt in Elk Grove, einem Vorort von Sacramento. Tante April, Dads ältere Schwester, lebt und arbeitet hier als Life Coach.“ (S. 21)

Während sich Mika relativ schnell von ihrem Verlust erholt hat, versinkt Al in ein tiefes Loch. Sie verlässt das Haus nicht mehr, hört nur noch traurige Musik und verliert den Kontakt zu all ihren Freunden.

„Ich habe mich völlig zurückgezogen, nehme nicht mehr am Leben teil. Ich weiß, das macht alles nur noch schlimmer, aber ich kann einfach nicht anders. Kann nicht sein wie Mika, die einfach weitermacht wie vorher […]“ (S. 30)

Eines Tages führt April mit Al ein Gespräch über ihre Mutter und erzählt, dass ihr Vater sie all die Jahre angelogen hat. Ihre Mutter hat die Familie nämlich nur verlassen, weil sie krank war. Sie litt an einer bipolaren Störung und war daher nicht in der Lage, sich um die Kinder zu kümmern. Außerdem bekommt Al von April alte Briefe überreicht, die ihre Mutter nach ihrem Auszug an Al´s Vater geschickt hat.

„Was ich aus der manchmal wirren Sprache der Briefe entziffern konnte, ist, dass unsere Mutter Mika und mich verlassen hat, weil sie es nicht geschafft hat, die Mutter zu sein, die sie so gern sein wollte. Und weil sie Angst um uns hatte, große Angst sogar […]“ (S. 53)

Al beschließt, ihre Mutter zu kontaktieren und zu versuchen, wieder Kontakt mit ihr aufzubauen. Sie schreibt zunächst einen Brief an die Adresse, die als Absender angegeben ist – allerdings erfolglos.

„Am nächsten Tag kommt Moms Brief zu mir zurück. Er trägt einen Stempel: Empfänger verzogen.“ (S. 71)

Daher beschließt Al, mit dem Auto alleine eine Reise anzutreten, auf der sie ihre Mutter sucht. Da sie keinerlei Anhaltspunkte hat, möchte sie zunächst zu der Adresse, die auf den Briefen angegeben ist, in der Hoffnung, dort weitere Hinweise zu bekommen.

„Ich werde nach Sedona fahren. Ich war mir noch nie so sicher.“ (S. 73)

Doch noch weiß Al nicht, dass sie auf ihrer Reise vielleicht nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihre erste große Liebe finden wird…

Mir gefällt das Buch ganz gut.

Das Cover spricht mich persönlich nicht sehr an, der Titel passt meiner Meinung aber umso besser zur Geschichte.

Als Leser wird man gut in die Handlung hineingeführt und die Geschichte ist von Anfang an spannend, sodass man sich nie langweilen muss.

Der Schreibstil wirkt sehr einfach und ist gut verständlich, man muss sich während des Lesens also nicht sonderlich anstrengen.

Besonders interessant finde ich die Beschreibungen der Reise, die Al antritt. Als Leser erfährt man viel über die einzelnen Städte, in die Al kommt und kann ihrer Reiseroute gut folgen. Ich hätte mir vielleicht noch eine Karte am Ende des Buches gewünscht, auf der ihr Weg genau eingezeichnet ist.

Auch Al´s Gefühle, sowohl vor als auch während ihrer Reise, werden gut beschrieben und der Leser weiß durch die Erzählung in der Ich-Perspektive immer, wie sich Al gerade fühlt.

Mich stört etwas, dass schon von Anfang an klar ist, dass sich Al auf ihrer Reise verliebt und die Beziehung zwischen den beiden oft etwas kitschig wirkt. Ich weiß also schon, dass ich den zweiten Band „Vor uns die Liebe“ eher nicht lesen werde.

Insgesamt empfehle ich „Vor uns das Leben“ weiter, meiner Meinung nach ist das Buch aber nicht wirklich etwas Besonderes.

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