Susan Kreller: Schneeriese

Der Roman „Schneeriese“ von Susan Kreller ist 2014 im Carlsen Verlag erschienen und wurde 2015 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Er hat 206 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von Adrian, der mit vierzehn Jahren bereits 1,94 Meter groß ist. Seine Mutter möchte ihn dazu bringen, eine Hormontherapie zu machen, um zu verhindern, dass er weiter wächst. Adrian lehnt dies allerdings ab.

„Adrian waren diese Diskussionen so verhasst wie Lakritz, Kapern und zu kurze Bettdecken zusammen.“ (S. 26)

Wenn Adrian seiner Mutter aus dem Weg gehen will, besucht er meist das Nachbarsmädchen Stella Maraun, die seine Größe keineswegs stört und ihn nur liebevoll „Einsneunzig“ nennt.

„Stella hatte ihn nie wieder anders angesprochen, seit einem Jahr nicht, und wer weiß, wahrscheinlich konnte man sagen, dass genau das […] Stellas Art war, Adrian mitzuteilen, dass er in Ordnung und kein Freak war […]“ (S. 19)

Obwohl Adrian schon immer mit Stella befreundet war, merkt er, dass sich seine Beziehung zu ihr in der letzten Zeit verändert hat und schließlich muss er sich eingestehen, dass er in Stella verliebt ist. Das verrät er ihr allerdings nicht, da er Angst hat, dass sie seine Liebe nicht erwidert.

„Ich hab immer an Stella gedacht. Ich weiß nicht, wann das losgegangen ist, vor zwei Jahren vielleicht […] Ich bin verliebt in Stella Maraun.“ (S. 189)

Eines Tages zieht eine Familie in das Haus ein, das Stella von ihrem Fenster aus beobachten kann. Im Dorf wird es nur „Dreitotenhaus“ genannt, weil bereits drei Menschen darin gestorben sind.

„Innerhalb von sechs Jahren hatte das Haus drei Menschen verschluckt […] auf dem Dreitotenhaus lag ein einwandfreier Fluch, darüber war man sich im ganzen Ort einig.“ (S. 16/17)

Adrian und Stella haben sofort den Verdacht, dass die Familie eine Leiche besitzt und mit ihr in das neue Haus zieht, da sie vom Fenster aus einen Menschen auf einer Bahre gesehen haben. Die beiden beschließen, die Familie weiter zu beobachten, um herauszufinden, was es mit der vermeintlichen Leiche auf sich hat. Ihr Plan sieht vor, im Dreitotenhaus, inzwischen sogar Viertotenhaus, nach Zucker zu fragen und so Zugang zu der Wohnung zu erhalten.

„Fragen wir nach Zucker. Und wenn wir das fragen, merkst du auf einmal, dass du aufs Klo musst. Total dringend. Und dann guckst du dich da drinnen um, im Fernsehen klappt das auch immer.“ (S. 32)

Doch als ein Junge, der sich mit Dato vorstellt, die Tür aufmacht, hat Stella den Zucker sofort wieder vergessen. Stattdessen willigt sie ein, mit der Familie gemeinsam zu essen, da Datos Mutter Tamar bereits gekocht hat. Während des Essens versucht Adrian, Stella an den Plan zu erinnern, aber sie ignoriert ihn nur und ist vielmehr an Dato interessiert, was Adrian auch merkt.

„Und doch hätte er später schwören können, dass das die Sekunden waren, in denen Stella Maraun […] den Eissplitter ins Auge bekam, die Sekunden, in denen Adrians Leben zu wackeln anfing.“ (S. 34)

Nach und nach wendet sich Stella immer mehr von Adrian ab und verbringt stattdessen Zeit mit Dato. Und Adrian gerät in eine große Krise…

Ich finde den Roman nicht sehr gut.

Das eher schlichte Cover gefällt mir persönlich noch ganz gut und auch der Titel „Schneeriese“, der sehr passend zur Geschichte gewählt wurde, weckt sofort das Interesse des Lesers.

Anfangs kann man gut in die Geschichte eintauchen und lernt schnell die Charaktere, also Adrian und Stella, und deren Beziehung zueinander kennen, sodass man sich von Anfang an gut in der Geschichte „zurechtfinden“ kann.

Besonders Adrians Entwicklung und seine Beziehung zu Stella fand ich während des Lesens sehr interessant, an manchen Stellen konnte ich mich allerdings nicht richtig in Adrian hineinversetzen, weil ich seine Gefühle nicht wirklich verstanden habe und manchmal auch als etwas übertrieben dargestellt empfunden habe. Das Ganze hätte vielleicht mehr auf mich gewirkt, wenn Adrian, der erst in der achten Klasse ist, etwas älter gewesen wäre, da ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass ein Achtklässler wirklich so empfindet und in eine so tiefe Krise wie Adrian gerät.

Generell ist der Schreibstil eher poetisch und sehr ausdrucksstark, was ich zwar sehr schön finde, aber auch eher weniger zu einem Achtklässler passt.

Durch das Geheimnis um das Dreitotenhaus, das bereits am Anfang des Romans vorgestellt wird, wird sofort Spannung aufgebaut und man möchte erfahren, was es mit der Leiche auf sich hat. Mich hat dabei allerdings gestört, dass es im Laufe des Buches vielmehr um die Beziehung zwischen Stella und Adrian geht und weniger um das Geheimnis des Totenhauses, das dadurch eher wieder verdrängt wird. Generell sind im Buch viele verschiedene Themen vermischt, einmal die Geschichte der neu eingezogenen Familie, dann die Liebesgeschichte zwischen Adrian und Stella und zudem Adrians Problem mit seiner Größe und die Bemühungen seiner Mutter, eine Hormontherapie zu machen. Während des Lesens habe ich mich manchmal etwas überfordert gefühlt, ich persönlich hätte mich vielleicht eher auf ein Thema beschränkt, auch wenn am Ende das Geheimnis des Dreitotenhauses natürlich gelüftet wird und auch einen großen Einfluss auf Adrians Geschichte hat.

Insgesamt empfehle ich „Schneeriese“ eher nicht weiter, auch wenn mich die anderen Romane von Susan Kreller immer sehr überzeugt haben.

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