
Der Roman „Kurz vor dem Rand“ von Eva Rottmann ist 2023 im Jacoby & Stuart Verlag erschienen und wurde 2024 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Er hat 192 Seiten und eignet sich für Jugendliche ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von der siebzehnjährigen Arielle, genannt Ari. Sie lebt mit ihrem Vater Bob in einem kleinen Ort, ihre Mutter Fanni hat die Familie verlassen und meldet sich nur ab und zu bei Ari.
„Ziemlich bald nach meiner Geburt machte Fanni allerdings da weiter, wo sie vor der Schwangerschaft aufgehört hatte. Ich glaube, ihre Zeit mit mir und Bob war für sie nur eine Art Schnupperpraktikum im Erwachsenenleben.“ (S. 27)
Ari selbst macht eine Berufsausbildung zur Malerin, die restliche Zeit ihres Tages verbringt sie aber am liebsten mit ihren Freunden Yasin, Teddy und Lou im Skatepark. Ihr Skateboard bekam Ari zu ihrem neunten Geburtstag von Bob geschenkt, ab diesem Zeitpunkt wurde sie zu einer begeisterten Skaterin.
„Erst als ich anfing zu skaten, fing mein richtiges Leben an.“ (S. 9)
Im Park gilt Ari bei ihren Freunden wegen ihrer Kleidung eher als Junge, zudem möchte sie auf keinen Fall Arielle genannt werden, da sie ihr Name schon immer an die Disney-Prinzessin Arielle erinnert hat.
„Teddy sagt manchmal, ich würde nicht zählen als Mädchen.“ (S. 12)
Als Ari eines Tages wieder im Park ist, taucht plötzlich ein Junge auf, der sich als Tom vorstellt. Er ist mit seiner Mutter neu in den Ort gezogen und fällt zum einen dadurch auf, dass er unglaublich gut skaten kann, zum anderen nimmt er aber keine Rücksicht auf die anderen Skater und ist Ari sofort unsympathisch.
„Ich hätte diesem Tom tatsächlich gerne eine reingehauen. Irgendwas an ihm machte mich unglaublich aggressiv.“ (S. 17)
Ziemlich bald bemerkt Ari aber, dass sie Tom doch nicht so blöd findet, wie sie dachte und versucht, sich „mädchenhafter“ zu kleiden, um ihm zu gefallen.
Und nach und nach lernt sie Tom auch hinter seiner „coolen Maske“ kennen…
Mir gefällt der Roman nicht so gut.
Da ich das Buch schon mehrmals in Buchläden gesehen habe und es 2024 sogar mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, wollte ich „Kurz vor dem Rand“ nun ebenfalls eine Chance geben. Auch das schwarz-weiße Cover gefällt mir ganz gut und passt auch sehr zur Handlung.
Der Schreibstil wirkt eher locker und erinnert auch stark an den einer Jugendlichen, was ich sehr passend finde, da die Geschichte ja als Tagebuch aus Aris Perspektive erzählt wird.
Ari selbst war mir sofort sympathisch, da sie ihre ganz individuellen Charaktereigenschaften aufweist, die man als Leser gut erkennt. Beispielsweise steckt sie Menschen, unter anderem Tom, schnell in eine Schublade und bildet sich sofort eine feste Meinung von ihnen. An manchen Stellen hat mich Ari auch etwas an mich erinnert, weshalb ich sie als Protagonistin während des Lesens interessant fand 🙂
Auf mich wirkt der Roman allerdings sehr belehrend und es scheint mir persönlich, als hätte es sich die Autorin zum Ziel gesetzt, möglichst viele aktuelle Themen wie Sexualität, Geschlechtsidentität, Selbstfindung und psychische Gesundheit einzubringen und sich dabei weniger auf die eigentliche Geschichte zu konzentrieren.
Insgesamt empfehle ich „Kurz vor dem Rand“ dennoch weiter, da ich mir vorstellen kann, dass es andere Menschen nicht so stören wird wie mich. Besonders Lesern, die selbst skaten, wird die Geschichte sicher gefallen!