
Der Roman „Sommernachtserwachen“ von Meg Rosoff ist 2021 in deutscher Übersetzung im Fischer Verlag erschienen. Er hat 255 Seiten und eignet sich für Jugendliche ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von einer Familie, die wie jeden Sommer gemeinsam in den Urlaub ans Meer fährt. Neben dem Vater und der Mutter sind dies die sechzehnjährige Mattie, die vierzehnjährige Tamsin, der kleine Bruder Alex und die Erzählerin, deren Namen man nicht erfährt.
„Jedes Jahr, wenn die Ferien anfangen, stopfen wir das Auto mit unentbehrlichem Krempel voll, um ans Meer zu fahren […] Wir fahren ans Meer, seit wir geboren wurden […]“ (S. 11)
Auch die Cousine des Vaters, Hope, verbringt den Sommer jedes Jahr zusammen mit ihrem Freund Mal in einem kleinen Haus, nur wenige Meter vom Ferienhaus der Familie entfernt.
„Hope ist Dads viel jüngere Cousine […] Seit Mal und Hope ein Paar sind, verbringen sie jeden Sommer gemeinsam in dem kleinen Haus. Es ist nur hundert Meter am Strand entlang von unserem entfernt […]“ (S. 21/22)
Die Kinder verbringen ihre Zeit meist mit Schwimmen, Tennis spielen, Reiten oder Segeln, doch in diesem Jahr wird außerdem die Hochzeit von Hope und Mal vorbereitet, die am Ende der Ferien heiraten wollen.
„‚Die Hochzeit ist am letzten Sommerwochenende, nichts Großes […] Eingeladen wird nur die unmittelbare Verwandtschaft und ein paar enge Freunde, es gibt gutes Essen […]“ (S. 29)
Und in diesem Jahr gibt es noch eine Besonderheit: Die Schauspielerin Florence Godden, Hopes Patentante, möchte ihre beiden Söhne Kit und Hugo für den Sommer bei der Familie unterbringen, da sie einen wichtigen Termin im Ausland hat.
„‚Florence dreht einen Film in Ungarn, und der Termin ist kurzfristig vorverlegt worden. Deshalb kommen ihre Jungs aus L.A. und bleiben den Sommer über bei uns.“ (S. 31)
Doch als die beiden Jungen ankommen, wird schnell klar, wie unterschiedlich die zwei sind. Während Hugo eher mürrisch wirkt und so wenig Zeit wie möglich mit den anderen verbringen will, zieht der sportliche, schöne und charmante Kit sofort jeden in seinen Bann – auch die Erzählerin, die sich sofort in ihn verliebt.
„Ich schaute ihm in die Augen, und ich spürte es sofort.“ (S. 9)
Doch Mattie geht es ähnlich wie ihrer Schwester und schon bald sind sie und Kit ein Paar, was sie der gesamten Familie auch deutlich zeigen.
„Sie gingen zusammen überallhin, saßen bei den Mahlzeiten eng aneinandergepresst, hielten Händchen, während sie lasen oder aßen, und gingen allen anderen auf die Nerven.“ (S. 125)
Schnell wird aber klar, dass es Kit mit Mattie nicht wirklich ernst ist, dennoch weiß niemand genau, was er will. Dies wird noch verstärkt, da er anfängt, mit der Erzählerin zu flirten und ihr Aufmerksamkeit zu schenken.
„Nichts Konkretes, kein Fummeln in der Speisekammer […] Doch wann immer ich aufblickte, begegnete ich seinem Blick, und wann immer ich eine leise Bemerkung von mir gab, hörte nur er sie und quittierte sie mit einem kurzen Lachen.“ (S. 135)
Doch zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, was passieren wird. Und auch Hugos Warnungen werden überhört, bis es schließlich zu spät ist…
Mir gefällt der Roman gut.
Das schwarz-weiße Titelbild hat mich persönlich sofort angesprochen, da es sehr sommerlich aussieht und daher gut zum Titel passt.
Der Einstieg erfolgt sehr locker und man findet schnell in die Geschichte hinein. Generell konnte ich mich während des Lesens sehr entspannen, da der Schreibstil eher einfach und auch unaufgeregt wirkt. Obwohl in der Geschichte nicht sonderlich viel passiert, habe ich mich während des Lesens keineswegs gelangweilt, im Gegenteil, es war, besonders gegen Ende, sehr spannend und unterhaltsam. Auch die Beschreibungen kleiner Dinge, wie Spaziergängen oder Ausflügen in die Stadt, finde ich absolut nicht eintönig beschrieben, was mir sehr gefallen hat und der Geschichte eine gewisse Ruhe und Entspannung, aber auch Alltäglichkeit verleiht.
Etwas gestört hat mich, dass man als Leser nicht wirklich erfahren hat, wie alt die Erzählerin ist, ich hätte sie auf siebzehn oder achtzehn Jahre geschätzt, sicher weiß man dies aber nicht.
Das Ende finde ich persönlich nicht wirklich gelungen. Die zuvor entspannte Geschichte wird plötzlich eher dramatisch und nimmt eine unerwartete Wendung, die meiner Meinung nach auch etwas albern und nicht sehr realistisch ist.
Den Ausblick, in dem die Erzählerin einige Jahre später von ihrem Leben in London berichtet, hätte man meiner Meinung nach auch weglassen können, da er nicht wirklich relevante Informationen beinhaltet.
Insgesamt empfehle ich „Sommernachtserwachen“ aber weiter, auch wenn ich finde, dass das Ende die Geschichte etwas kaputtmacht.