Josefine Sonneson: Stolpertage

Der Roman „Stolpertage“ von Josefine Sonneson ist 2022 im Carlsen Verlag erschienen und wurde 2023 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Er hat 174 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von der dreizehnjährigen Jette, die mit ihrer Mutter und ihrer großen Schwester Emma, die dieses Jahr ihr Abitur macht, zusammenlebt.

In Jettes Leben ist gerade viel los: Ihre Eltern haben sich getrennt und nun kommt Hannes, der neue Freund ihrer Mutter, immer öfter mit zu ihnen nach Hause, worüber Jette nicht gerade froh ist.

„Ich habe gar keinen Bedarf, ihn zu mögen. Er interessiert mich irgendwie nicht. Hannes ist nicht mein Papa und auch nicht so was Ähnliches.“ (S. 37)

Auch die Eltern von Walli, Jettes alter bester Freundin, sind getrennt. Walli musste vor einiger Zeit in eine andere Stadt ziehen, weil der neue Freund ihrer Mutter dort arbeitet. Seitdem sehen sich Jette und Walli nicht mehr, inzwischen schreiben oder telefonieren die beiden auch nicht mehr miteinander.

„[…] irgendwie haben wir uns dann langsam kennenverlernt […] Jetzt gucke ich nur manchmal, was sie für Bilder postet, und fühle mich ganz stumm dabei.“ (S. 47)

Doch das ist nicht der einzige Umzug: Auch Jette wird mit ihrer Mutter in eine andere Wohnung ziehen: ohne Emma. Denn diese hat vor, nach ihrem Abitur ganz auszuziehen und selbstständig zu werden. Emma leidet sehr darunter. Sie vermisst nicht nur ihre Schwester, sondern möchte auch nicht aus dem Haus ausziehen, in dem sie geboren wurde und an das sie viele schöne Erinnerungen hat.

„[…] alles geht viel zu schnell, ich will nicht ausziehen, ich will nicht, aber es passiert doch eh, und dir macht es gar nichts aus oder wie, du bist eh bald weg, alle gehen einfach weg, genau wie Papa […] und Walli, ja, es ist nur ein blödes, altes, zu teuer gewordenes Haus, aber ich hab da drin schon immer gelebt, ich steck da ganz drin in dem Haus, alles von mir steckt da drin.“ (S. 21)

Und dann ist da auch noch Jettes Opa, dem es immer schlechter geht und den Jette gar nicht mehr wiedererkennt.

„Opa verwechselt Hannes manchmal mit Papa. Aber Hannes verbessert ihn nicht. Er tut einfach so, als wäre alles in Ordnung.“ (S. 51)

Und Jette würde gerne etwas festhalten; die Zeit vor der Trennung und Wallis Umzug und die Erinnerungen an ihren Opa…

Mir gefällt der Roman wirklich sehr gut.

Schon das Cover und der Titel des Buches haben mich sehr angesprochen und man war vor dem Lesen gespannt, was die einzelnen Dinge bzw. Tiere wie die Motte oder die Kamera zu bedeuten haben.

Auf den ersten Blick scheint es so, als würde nicht viel in der Geschichte passieren, doch in Jette selbst geschieht sehr viel und im Laufe des Buches findet sie einen Weg, mit den Veränderungen um sich herum umzugehen. Diesen Prozess als Leser mitzuverfolgen fand ich persönlich sehr spannend und interessant.

Auch der Schreibstil hat mich sehr angesprochen. Die Autorin beschreibt die Gefühle und Gedanken Jettes eher ruhig und beiläufig, schafft es aber trotzdem, den Leser stark davon einzunehmen, was mich sehr beeindruckt hat. Dieser Schreibstil hat mich an einigen Stellen auch an Tamara Bach erinnert, die ähnlich schreibt.

Auch kleine Dinge, die einem zunächst unwichtig erscheinen, machen meiner Meinung nach viel von der Geschichte aus, beispielsweise die Motte, die am Anfang des Buches ins Feuer fliegt und die Jette daraufhin in einer Überraschungseibox aufhebt.

Insgesamt empfehle ich „Stolpertage“ also auf jeden Fall weiter.

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