
Der Roman „Nimm mich mit dir, wenn du gehst“ von David Levithan ist 2023 in deutscher Übersetzung im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag erschienen. Er hat 352 Seiten und eignet sich für Jugendliche ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von den Geschwistern Bea und ihrem jüngeren Bruder Ezra, die mit ihrer Mutter Anne und ihrem Stiefvater Darren zusammen in Indiana leben. Beas und Ezras leiblicher Vater hat die Familie vor vielen Jahren verlassen, da er laut der Aussage Annes keine Lust auf seine Kinder hatte. Bea und Ezra erzählen seitdem jedem, der fragt, er sei bei dem Versuch, eine Familie aus dem Feuer zu retten, gestorben.
„Mom erzählte uns danach immer wieder, er habe mit uns nichts mehr zu tun haben wollen […] und später haben wir allen Menschen […] weisgemacht, er sei bei einem Brand […] ums Leben gekommen […]“ (S. 72)*
Bea und Ezra können den neuen Freund ihrer Mutter – Darren – nicht ausstehen. Denn dieser behandelt die beiden sehr schlecht; er beschimpft sie nicht nur täglich, sondern schlägt und bedroht die beiden auch.
„Darrens merkwürdige Erziehungsmethoden, dass er uns nur angebrüllt hat, dass er uns ständig fies behandelt hat, dass er mich regelmäßig am Sonntag verprügelt hat […] Ich werde Darren bis an mein Lebensende hassen.“ (S. 283/284)
Bea hat es mit Darren nicht mehr ausgehalten: Eines Tages haut sie ohne Vorwarnung von Zuhause ab. Ezra trifft dies hart, denn Bea hat ihm nichts von ihrer Flucht erzählt und sich auch nicht von ihm verabschiedet. Allerdings findet Ezra auf einem Zettel in seinem Zimmer eine Mailadresse, die Bea für ihn hinterlassen hat, weswegen er Bea ihr plötzliches Verschwinden verzeiht.
„Wenn du verschwunden wärst, ohne mir diese Möglichkeit zu geben, hätte ich dir das nie verziehen. Niemals. Aber so, wie es jetzt ist, ist es für mich okay.“ (S. 9)
Ezra nimmt sofort Kontakt zu Bea auf und verspricht, dass er niemandem davon erzählt, noch nicht mal Beas Freund Joe. Bea schreibt auch zurück, bittet Ezra aber darum, keine Mails an sie zu schicken und meint, sie würde nicht mehr auf diese reagieren.
„Dies wird für eine Weile die letzte Nachricht sein, die du von mir bekommst […] Es hat nichts mit dir zu tun oder mit Joe […] nicht einmal mit Darren und Mom. Es hat nur mit mir zu tun.“ (S. 35)
Allerdings bereut Bea ihre Entscheidung schon bald und nimmt wieder Kontakt zu Ezra auf, da sie merkt, dass er ihre Unterstützung braucht.
„Ich weiß, dass ich dir gesagt habe, du sollst mir nicht mehr schreiben. Aber um ehrlich zu sein, hätte ich nicht erwartet, dass du dich daran hältst […] Bestraf mich nicht mit Schweigen.“ (S. 37)
Die beiden schreiben sich täglich und berichten von ihrem Leben, ihren Gefühlen und Ängsten. Und eines Tages enthüllt Bea auch, warum sie plötzlich verschwunden ist: Denn ihr Vater hat sich bei ihr gemeldet und schlägt ein gemeinsames Treffen vor…
Ich finde den Roman ganz gut.
Das schlichte Cover finde ich persönlich sehr schön und hat mich auch sofort angesprochen
Die Geschichte ist spannend und hat mich persönlich während des Lesens sehr gefesselt. Bea und Ezra waren mir bald sympathisch, weshalb ich gut mit ihnen mitfiebern konnte und wissen wollte, wie das Ganze ausgeht.
Auch das Ende finde ich gelungen, da die Zukunft der beiden Protagonisten eher offen bleibt und ein perfektes Ende auch nicht sehr realistisch gewesen wäre.
Dass der gesamte Roman in Emails zwischen Bea und Ezra verfasst ist, finde ich ebenfalls stimmig. Anfangs habe ich befürchtet, dass die Geschichte dadurch eher gebremst wird, konnte mich während des Lesens aber vom Gegenteil überzeugen, da die einzelnen Emails lang genug waren, um wirklich in die Geschichte abzutauchen. Meiner Meinung nach ist es allerdings nicht sehr realistisch, dass man sich mehrere Seiten lange Emails in Form einer Erzählung schreibt, hier hat mich das aber nicht gestört.
Auch das Thema des Romans – physische und psychische Gewalt in der Familie – wird meiner Einschätzung nach gut behandelt. Einige Beschreibungen haben mich persönlich sehr getroffen und zum Nachdenken angeregt, da es überall Familien gibt, in denen ähnliches passiert.
Insgesamt empfehle ich „Nimm mich mit dir, wenn du gehst“ also weiter.
*Ich habe mich auf die Seitenzahlen des E-Books bezogen