Kimberly Brubaker Bradley: Gras unter meinen Füßen. Das Jahr, als ich leben lernte

Der Roman „Gras unter meinen Füßen. Das Jahr, als ich leben lernte“ von Kimberly Brubaker Bradley ist 2024 in deutscher Übersetzung im dtv Verlag erschienen. Er hat 328 Seiten und eignet sich für Kinder ab 11 Jahren.

Das Buch handelt von einem zehnjährigen Mädchen namens Ada. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Jamie im Jahr 1939 in London.

Allerdings hat Ada noch nie die Wohnung verlassen, denn sie wurde mit einem Klumpfuß, einer Fehlstellung des Fußes, geboren und ihrer Mutter ist Adas Fuß zu peinlich, um sie nach draußen zu lassen.

„‚Du bist ´ne Schande, eine einzige Schande! […] Ein Monster, mit dem ekligen Fuß da. Soll denn die ganze Welt sehen, wie ich mich schämen muss?‘“ (S. 10)

Während Jamie zur Schule geht und draußen mit seinen Freunden spielt, kann Ada ihm nur auf ihrem Stuhl vor dem Fenster zusehen. Sie leidet sehr unter diesem Alleinsein und fühlt sich in der Wohnung eingesperrt.

„Für mich wurde das Zimmer zu einem Gefängnis. Ich konnte die Hitze, die Stille, die Leere kaum noch ertragen.“ (S. 12)

Deshalb beschließt Ada, sich das Laufen mit ihrem Klumpfuß heimlich beizubringen, in der Hoffnung, dass ihre Mutter sich nicht mehr für sie schämt.

„Wenn ich laufen könnte, würde sich Mam vielleicht nicht so sehr für mich schämen […] Vielleicht dürfte ich dann das Zimmer verlassen und bei Jamie sein […]“ (S. 13)

So übt Ada fleißig das Laufen. Doch eines Tages bekommt sie mit, wie ihre Mutter mit Jamie darüber spricht, ihn wegen der Bombenangriffe aufs Land zu schicken, wie es auch andere Eltern machen möchten.

„‚Weg aus London […] wegen diesem Hitler und seinen Bomben […] Angeblich wird die Stadt bald bombardiert, also sollen die Kinder raus aufs Land, wo keine Gefahr ist.‘“ (S. 20)

Allerdings möchte Adas Mutter nur Jamie wegschicken und Ada nicht, denn sie meint, dass niemand sie mit ihrem Klumpfuß haben möchte.

Ada und Jamie aber wollen sich auf keinen Fall trennen und beschließen, heimlich zusammen zu dem Treffpunkt zu gehen, an dem die Kinder mit dem Zug aufs Land gefahren werden.

„‚Find raus, wo wir hinmüssen und wann wir da sein sollen […] Du und ich, wir gehen zusammen von hier weg.‘“ (S. 21)

Der Weg zum Treffpunkt an Jamies Schule ist das erste Mal für Ada, dass sie die Wohnung verlassen kann. Das viele Lauftraining hat sich ausgezahlt, denn sie schafft es ohne Hilfe bis zur Schule. Von dort gehen die Kinder zusammen zum Bahnhof.

„Als wir endlich am Bahnhof ankamen, war alles voller Kinder. Ich hätte nie gedacht, dass es auf der Welt überhaupt so viele Kinder gab.“ (S. 28)

Und als der Zug schließlich losfährt, ist Ada sehr glücklich, denn sie fühlt sich nun frei, da sie der Wohnung entfliehen konnte.

„Wir waren entkommen. Hitlers Bomben und meinem Gefängnis. Verrückt oder nicht, ich war frei.“ (S. 29)

Doch Ada freut sich zu früh: Denn als sie und Jamie auf dem Land ankommen, möchte sie niemand von den Dorfbewohnern aufnehmen, weshalb die beiden schließlich einer alleinstehenden Dame, Miss Susan Smith, zugeteilt werden.

Diese möchte erst mal nichts von den Kindern wissen, hat aber keine Wahl und versucht, sich so gut es geht um Ada und Jamie zu kümmern.

„[…] sie verband meinen Fuß mit einem weißen Stück Stoff und gab uns zwei von ihren eigenen Hemden […] Sie kämmte unsere Haare und schnitt die verknoteten Stellen heraus, was ewig lang dauerte, und dann machte sie eine große Pfanne Rührei.“ (S. 48)

Ada und Jamie gefällt es bei Miss Smith sehr gut. Besonders Ada ist bei ihr sehr glücklich, denn sie bringt sich mit dem Pony namens Butter von Miss Smith das Reiten bei. Und für Ada ist es ganz neu, dass Miss Smith ihren Klumpfuß nicht als Schande ansieht und mit ihr sogar zum Arzt geht, bei dem sie Krücken bekommt, mit denen sie viel besser laufen kann.

„Krücken waren lange Holzdinger, die man sich unter die Achseln klemmte, dann konnte man mit dem guten Fuß und den Krücken laufen, ohne dass der schlimme Fuß auch nur den Boden berührte. Krücken taten nicht weh.“ (S. 58)

Langsam wachsen Ada, Jamie und Miss Smith zu einer Familie zusammen. Doch Adas und Jamies Mutter ist damit überhaupt nicht einverstanden…

Mir gefällt das Buch ganz gut.

Es ist in einer sehr einfachen Sprache geschrieben, sodass man der Geschichte folgen kann und auch Jüngere das Buch gut lesen können.

Einige Stellen, an denen die Grausamkeit von Adas Mutter beschrieben wird, fand ich während des Lesens traurig und sind mir auch sehr nahe gegangen. Umso schöner ist es, mitzuverfolgen, wie Ada bei Miss Smith aufblüht und, wie es schon im Titel heißt, leben lernt, allerdings immer noch unter ihrer Mutter leidet. So verliert Ada beispielsweise nie ganz die Angst, von Miss Smith geschlagen zu werden, obwohl diese ihr immer wieder beteuert, dass sie so etwas niemals tun wird.

Gegen Ende wird die Geschichte auch sehr spannend und man fiebert sehr mit Ada und Jamie mit.

Insgesamt empfehle ich „Gras unter meinen Füßen. Das Jahr, als ich leben lernte“ also weiter.

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