
Der Roman „Dieser wilde Ozean den wir Leben nennen“ von Elisabeth Steinkellner ist 2018 im Beltz & Gelberg Verlag erschienen. Er hat 236 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von der sechzehnjährigen Antonia und dem sechzehnjährigen Simon.
Antonia lebt mit ihren Eltern zusammen. Ihr älterer Bruder Joel allerdings ist verschwunden, die Suche nach ihm wurde aufgegeben. Er war Antonia sehr wichtig und seit seinem Verschwinden treibt sie ziellos im Leben herum.
„Äußerlich haben wir uns eigentlich nie ähnlich gesehen. Aber in mir drinnen hatte ich immer das Gefühl, dass ich mit niemandem in dieser Familie so eng verwandt bin wie mit ihm.“ (S. 55)
Auch vor seinem Verschwinden hatte sich Antonia große Sorgen um ihren Bruder gemacht. Er nahm Drogen und rutschte nach und nach in eine Psychose hinein. So dachte er beispielsweise, er wäre der Gott Poseidon; sogar seine Fachbereichsarbeit hat er mit diesem Namen unterschrieben.
„Joel hat die mündliche Prüfung total versaut, weil er auf keine Frage normal geantwortet, sondern nur wirres Zeug geredet hat. Spätestens da haben alle gewusst, dass er ernsthaft durchgedreht ist.“ (S. 134)
Seit Joels Verschwinden geht es auch Antonia nicht gut und sie hat Probleme, ihr Leben halbwegs normal weiterzuführen.
„‚[…] von dieser Antonia von früher ist nicht mehr viel übrig geblieben.‘“ (S. 211)
Simon reist in den Sommerferien in eine fremde Stadt, um sich auf die Suche nach Paulus zu machen. Ihn hat Simon vor einiger Zeit im Zug kennengelernt und sich in ihn verliebt. Da er weiß, in welcher Stadt Paulus studiert, verbringt er einige Tage in einem Hotel, in der Hoffnung, ihn bei seinen Streifzügen durch die Stadt zufällig wiederzutreffen.
„Woran erinnere ich mich?
An die braunen, zusammengebundenen Locken. An deinen fragenden Blick – Ist hier noch frei? – und mein Nicken.“ (S. 27)
Bis jetzt hat Simon Paulus allerdings noch nicht getroffen und irrt weiter durch die Stadt. Dort trifft er eines Tages auch Antonia, die ihn anspricht, weil er sie an Joel erinnert.
„‚Es ist nur… Du schaust einfach meinem Bruder so ähnlich.‘“ (S. 50)
Nach und nach kommen die beiden ins Gespräch und sprechen über Dinge, die sie sonst für sich behalten…
Mir gefällt der Roman sehr gut.
Das Cover hat mich sofort angesprochen und passt auch gut zum Titel des Buches.
Es wird abwechselnd aus Antonias und Simons Perspektive erzählt, was, wie ich finde, sehr passend ist. Nach und nach erfährt man so mehr über die einzelnen Personen und bekommt als Leser einen guten Einblick in ihre Gedanken und Gefühle.
Generell gefallen mir die Figuren des Buches sehr gut. Ich persönlich konnte mich schnell in Antonia und Simon hineinversetzen und in ihre Geschichte eintauchen.
Auch der Schreibstil hat mich begeistert. An vielen Stellen wirkt er sehr poetisch, ist aber trotzdem flüssig zu lesen. Besonders kleine Details wie die Überschriften haben mich beeindruckt: Ist das Kapitel aus der Perspektive von Simon geschrieben, ist die Überschrift rechtsbündig ausgerichtet und beschreibt eine Farbe, wie beispielsweise „bonbonbunt“ (S. 18) oder „tintenschwarz“ (S. 13). Erzählt Antonia, ist die Überschrift linksbündig ausgerichtet und hat etwas mit Wasser zu tun, beispielsweise „Abwasch“ (S. 12) oder „Tränen“ (S. 16). Diese kleinen Details sind mir erst nach und nach aufgefallen.
Anfangs ist das Buch sehr schwierig zu lesen. Auf den ersten Seiten habe ich nicht bemerkt, dass die Geschichte aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird und war dementsprechend verwirrt. Da man anfangs nur sehr wenig über die einzelnen Personen weiß, ist der Einstieg also nicht gerade leicht. Nach und nach findet man aber in die Geschichte hinein.
Insgesamt empfehle ich „Dieser wilde Ozean den wir Leben nennen“ aber auf jeden Fall weiter.