
Der Roman „Eine Weile bleibt die Zeit für uns stehen“ von Jacqueline Woodson ist 2023 in deutscher Übersetzung im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag erschienen. Er hat 192 Seiten und eignet sich für Jugendliche ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von den beiden Jugendlichen Elisha, genannt Ellie, und Jeremiah, genannt Miah. Sie gehen beide auf die Percy, eine Privatschule in New York und begegnen sich das erste Mal auf dem Schulflur, als Ellie ihre Bücher fallen lässt und Miah ihr hilft, sie aufzuheben. Die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen und spüren eine starke Verbindung.
„Ich […] wollte sein Gesicht berühren […] Etwas an ihm kam mir vertraut vor, etwas, das ich schon mal gesehen hatte.“ (S. 21)
Nach dieser Begegnung müssen die beiden immer wieder aneinander denken, bis Miah schließlich in Ellies Geschichtskurs kommt und sich auf den Platz neben sie setzt.
„‚Ich bin von Ms Trousseaus Kurs hierhergeschickt worden. Mein Name ist Jeremiah‘ […] Da stand er – vorne vor der Klasse – schön – so, wie ich ihn in Erinnerung hatte.“ (S. 78)
Nach und nach kommen die zwei ins Gespräch und als sie eines Tages beschließen, während der Schulzeit zusammen in den Park zu gehen, kommt es zu ihrem ersten Kuss.
„Mein Magen hob und senkte sich, hob und senkte sich, bis Miahs Lippen auf meinen lagen, zart und warm wie seine Hand. Dann wurde alles ganz still und vollkommen.“ (S. 115)
Für das junge Paar ist es allerdings nicht sehr einfach: Denn Miah ist schwarz und Ellie ist weiß. Die beiden werden immer wieder komisch angeschaut und müssen sich blöde Sprüche anhören.
„‚Glaubst du, dass es immer so sein wird, Miah? […] Diese Blicke und die dummen Bemerkungen? Ich hasse das. Wirklich, ich hasse es von ganzem Herzen.‘“ (S. 132/133)
Besonders Miah spürt, dass er anders als die anderen Schüler der Percy ist und fühlt sich in seinem Basketballteam nicht sonderlich wohl.
„[…] er hasste es, jetzt für Percy zu spielen, diese superweiße Privatschule. Beim Training vor der Spielsaison hatte er sich manchmal umgesehen – nichts als weiße Gesichter!“ (S. 16)
Und sogar Ellies große Schwester Anne akzeptiert die Liebe zwischen den beiden nicht: Als Ellie ihr am Telefon von Miah erzählt, freut sie sich erst einmal, als Ellie allerdings erwähnt, dass er schwarz ist, verhält sich Anne plötzlich seltsam.
„‚Er ist Schwarz, Anne.‘ Keine Reaktion. Ich spürte, wie die Atmosphäre zwischen uns seltsam wurde. Es verging eine Minute, vielleicht sogar zwei.“ (S. 60)
Miah und Ellie lassen sich davon allerdings nicht beirren. Doch zu diesem Zeitpunkt weiß Ellie noch nicht, was Miah zustoßen wird…
Ich finde den Roman ganz okay.
Der Schreibstil wirkt einfach und locker, sodass sich das Buch sehr flüssig lesen lässt und man sich nicht sonderlich anstrengen muss.
Die Geschichte ist abwechselnd aus Ellies Sicht in der Ich-Form und Miahs Sicht in der Er-Form erzählt, was mir während des Lesens geholfen hat, zu unterscheiden, wer gerade spricht. So ganz verstehe ich nicht, warum die Autorin dies gemacht hat, schlimm finde ich es aber nicht.
Obwohl ich Liebesgeschichten nicht besonders mag, hat es mich hier nicht gestört, da der Fokus eher auf dem Rassismus liegt, den Miah und Ellie erfahren. Mir persönlich gefällt das ganz gut, da es ein wichtiges Thema ist, dem man sich manchmal nicht bewusst ist, und man auch nach dem Lesen noch darüber nachdenkt.
Die Handlung empfinde ich allerdings als etwas langweilig und die ganze Geschichte zieht sich sehr in die Länge, obwohl fast gar nichts passiert. Erst gegen Ende wird es kurz spannend, anfangs finde ich die Geschichte dagegen eher lustlos.
Einige Stellen und Ausdrücke im Roman finde ich persönlich auch etwas dramatisch und übertrieben, andere nehmen das aber vielleicht anders wahr.
Insgesamt empfehle ich „Eine Weile bleibt die Zeit für uns stehen“ eher nicht weiter, für jemanden, der etwas tragische Liebesgeschichten mag und sich mit Rassismus beschäftigen will, ist der Roman aber perfekt.