
Der Roman „Reise mit Kaktus“ von Kari Ehrhardt ist 2009 im Carlsen Verlag erschienen. Er hat 288 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.
Das Buch handelt von der fünfzehnjährigen Maja, die zusammen mit ihren Eltern lebt. Ihre Mutter ist Krankenschwester in der Notaufnahme, ihr Vater arbeitet bei einer Versicherung und wertet dort Unfallstatistiken aus. Deshalb ist es kein Wunder, dass Maja sich immer bemüht, nichts Gefährliches zu tun. Sie hat sogar ihren eigenen Ratgeber geschrieben, in dem verschiedene Gefahren aufgelistet sind.
„Bei der Recherche für dieses Buch habe ich extra über Jahre eine lange Liste angefertigt – mit sämtlichen Gefahrenquellen, die einem das Leben schwer machen können.“ (S. 25)
Weil die anderen Kinder sie deswegen manchmal auslachen, versucht Maja, sich so gut es geht zu verstecken und nicht aufzufallen.
„Ich tue […] mein Bestes, um in der Schule meinen Status der Unsichtbarkeit aufrechtzuerhalten.“ (S. 10)
Richtige Freunde hat sie deshalb nicht, allerdings trifft sie sich oft mit vier alten Damen zu Kaffeekränzchen. Bei ihnen hat sie keine Angst, ausgelacht zu werden.
„Obwohl zwischen mir und meinen Freundinnen ein Altersunterschied von etlichen Jahrzehnten liegt, fühle ich mich bei ihnen viel wohler als unter Gleichaltrigen.“ (S. 17)
Und oft redet Maja auch mit ihrem Kaktus namens Arthur. Ihm erzählt sie von ihren Ängsten und Sorgen.
„Arthur ist ein Kaktus, den ich von Mutti und Vati zum zehnten Geburtstag geschenkt bekommen habe […] er strahlt eine angenehme Ruhe aus […] und irgendwem muss man ja von seinen Sorgen erzählen können!“ (S. 24)
Eines Tages meldet sich die Mutter ihres ehemaligen besten Freundes Shawn-Frederik Gerdis-Northbottom. Mit ihm war Maja bis zur fünften Klasse befreundet und die beiden haben sogar eine Blutsbrüderschaft geschlossen. Auf der neuen Schule hat sich Shawn-Frederik allerdings sehr verändert, weshalb die Freundschaft bald ein Ende hatte.
„Shawn-Frederik wurde zunächst betont cool, dann sehr beliebt, irgendwann merkwürdig und schließlich genauso berühmt wie berüchtigt.“ (S. 11)
Deshalb wundert sich Maja auch sehr, als seine Mutter Sybille bei ihr anruft. Sie erzählt Maja, dass Shawn-Frederik einen Unfall hatte: Er ist mit einem Auto gegen eine Wand gefahren und hat die letzten Monate komplett vergessen. An Maja kann er sich aber noch gut erinnern, weshalb Sibylle sie zu ihnen nach Hause einlädt.
„‚Er braucht Gesellschaft. Vielleicht nicht gerade die von den Jungs, aber er braucht jugendliche Gesellschaft, um sich nicht so allein zu fühlen. Jemand Ruhiges, Ausgeglichenes täte ihm sehr gut.“ (S. 15)
Maja erklärt sich dazu bereit, Shawn-Frederik zu besuchen. Denn sie ist zu höflich, um Sibylle ihren Wunsch abzuschlagen.
Glücklicherweise kann sie nach kurzer Zeit wieder gehen, da Shawn-Frederik Kopfschmerzen bekommen hat.
„Zum Glück hat Shawn-Frederik nach gut fünfundvierzig Minuten Kopfschmerzen bekommen. Daraufhin habe ich mich (total erleichtert über diesen Ausweg) schnell verabschiedet.“ (S. 43)
Nach diesem Besuch ist sich Maja sicher, Shawn-Frederik nie wieder sehen zu wollen. Doch plötzlich bittet Sibylle sie, auf einem Musikfestival, das er besuchen möchte, auf ihn aufzupassen. Und das kann Maja natürlich nicht ablehnen….
Mir gefällt der Roman ganz gut.
Das interessante Cover ist mir sofort ins Auge gestochen, weshalb ich das Buch auch mitgenommen habe, denn es sieht etwas anders aus als andere Bücher.
Anfangs habe ich mich mit der Geschichte etwas schwergetan. Ich habe mich nicht richtig in die Handlung hineingefunden und konnte mich weder in Maja noch in Shawn-Frederik hineinversetzen. Nach einigen Kapiteln fand ich die Geschichte dann aber ganz unterhaltsam und am Ende hat es sich doch gelohnt, das Buch gelesen zu haben.
Besonders Maja wurde mir trotz ihrer panischen Art bald viel vertrauter; an einigen Stellen hat sie mich aber trotzdem genervt, beispielsweise als sie wegen der vielen Bakterien nicht auf die Zugtoilette gehen will.
„Anschließend decke ich den Sitz mit Klopapier ab. Ein paar Blatt segeln leider zu Boden, als der Zug in eine Kurve geht. Schade, dass ich kein Tesafilm dabeihabe!“ (S. 119)
Allerdings ist Maja natürlich wirklich so ängstlich, an manchen Stellen war es mir dann trotzdem zu dramatisch.
Der Schreibstil wirkt sehr einfach und das Buch lässt sich flüssig lesen. Besonders die Ausdrucksweise unter den Jugendlichen ist gut gelungen, bei Shawn-Frederik beispielsweise merkt der Leser schnell, dass er gerne und viele Schimpfwörter benutzt.
Man kann außerdem sehr gut Majas Entwicklung beobachten. Während sie anfangs auf keinen Fall das Konzert besuchen möchte, gefällt es ihr gegen Ende sogar.
Insgesamt empfehle ich „Reise mit Kaktus“ weiter, weil die Geschichte mal anders ist, als in anderen Jugendbüchern.