
Der Roman „Auch junge Leoparden haben Flecken“ von Andreas Brettschneider ist 2022 im Ueberreuter Verlag erschienen. Er hat 192 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.
Das Buch handelt von dem fünfzehnjährigen Geedi, der mit seiner Schwester Amina und seinen Eltern in Hafun, einem Fischerort in Somalia, lebt.
„Ich lebte an der Küste einer kleinen Insel im Norden Somalias.“ (S. 5)
Geedis großer Bruder Aayan ist vor vier Jahren verschwunden – er ist zu den Piraten gegangen und hat sich seitdem nicht mehr bei der Familie gemeldet. Geedi hat ihn über all die Jahre hinweg sehr vermisst, denn er fühlt sich besonders verbunden zu ihm.
„[…] solange ich denken konnte, hatten Aayan und ich uns immer blind verstanden […] mit Aayan war es immer etwas Besonderes gewesen.“ (S. 119)
Eines Tages hat Geedi auf dem Rückweg von der Schule einen seltsamen Tagtraum, in dem Aayan nach Hafun zurückkommt. Und als Geedi nach Hause kommt, ist Aayan wirklich da, auch wenn er sich sehr verändert hat.
„Stärker und größer war er. Er trug eine hellbraune Stoffhose, ein weißes, gebügeltes Hemd, und seine nackten Füße steckten in Leinenschuhen […] Das war nicht mein Bruder, wie ich ihn kannte, aber er war es. Er war tatsächlich zurück […]“ (S. 21)
Allerdings spürt Geedi sofort, dass Aayan nicht lange bleiben kann und dass er sich schon bald wieder von ihm trennen muss.
„Ich konnte es fühlen: Aayan war zu Besuch hier, er war nicht gekommen, um zu bleiben.“ (S. 29)
Und als Aayan in der nächsten Nacht von zwei fremden Männern in einem Geländefahrzeug abgeholt wird, beschließt Geedi spontan, ihnen zu folgen und schleicht sich heimlich auf die Ladefläche des Autos.
„Als der Wagen sich langsam in Bewegung setzte, lief ich gebückt auf die Straße und gerade bevor er beschleunigte, erreichte ich die Ladefläche. An einem großen Kanister zog ich mich auf den Wagen […]“ (S. 32)
Erst später begreift Geedi, was er getan hat. Doch da ist es bereits zu spät…
Mir gefällt der Roman gut.
Das Cover hat mich persönlich durch seine Schlichtheit sofort angesprochen, weshalb ich das Buch auch mitgenommen habe.
Der Roman ist von Anfang an sehr spannend und entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einer Art Abenteuergeschichte. Dass das Buch aus Geedis Perspektive geschrieben ist, macht das Ganze auch nochmal spannender, denn für Geedi ist alles sehr neu und er muss sich erst an den veränderten Aayan gewöhnen. Außerdem hat er keine große Vorstellung von den Piraten und ist anfangs noch etwas eingeschüchtert.
Generell kann der Leser sehr gut mit Geedi mitfühlen und fühlt sich schnell mit ihm verbunden.
Das Ende des Romans kommt meiner Meinung nach etwas überraschend. Ich hätte mir eine detailliertere Erzählung gewünscht und wurde etwas von der Handlung überrollt, da viele Fragen offen bleiben.
Ansonsten finde ich die Geschichte wirklich unterhaltsam und empfehle „Auch junge Leoparden haben Flecken“ weiter.