
Der Roman „Die perfektesten 1440 Minuten meines Lebens“ von Shaun David Hutchinson ist 2012 in deutscher Übersetzung im Arena Verlag erschienen. Er hat 288 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.
Das Buch handelt von dem fünfzehnjährigen Oliver Aaron Travers, genannt Ollie. Er lebt gemeinsam mit seinen Eltern, seinen zwei kleinen Schwestern Edith und Angela und seiner Großmutter in Moriville.
Ollies bester Freund ist Shane Grimsley. Die beiden kennen sich schon ihr Leben lang.
„Shane und ich sind schon seit den grauen Tagen vor unserer Geburt beste Freunde […] Meine Mutter und Shanes Mom lernten sich beim Frauenarzt kennen.“ (S. 28)
Früher war Ollie auch mit einem Mädchen aus seiner Schule befreundet: Veronica Dittrich, genannt Ronnie. Die beiden waren für eine Woche zusammen, dann trennte sich Ronnie von Ollie. Seitdem reden die beiden nicht mehr miteinander.
„Ronnie, Shane und ich waren eng befreundet; wir sind praktisch zusammen aufgewachsen […] Für kurze Zeit gingen wir miteinander. Dann machte sie Schluss.“ (S. 35)
Eines Tages erhält Ollie einen Todestagbrief, einen Brief, den man kurz vor seinem Tod bekommt, damit man genug Zeit hat, sich von seiner Familie zu verabschieden.
Ollie denkt zuerst, der Brief sei für seine Großmutter bestimmt, bald bemerkt er aber, dass er selbst bald sterben wird.
„Mister Oliver Aaron Travers
Es ist unsere Pflicht, Sie zu informieren, dass Ihr Tod planmäßig in den frühen Morgenstunden des 17. Oktober eintreten wird. Wir wären Ihnen für Ihre uneingeschränkte Mitwirkung in dieser Angelegenheit dankbar. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Todestag!“ (S. 17)
Ollie ist sofort klar, dass er seinen letzten Tag nicht zu Hause verbringen will, denn er möchte nicht von seiner Familie daran erinnert werden, dass er bald stirbt.
„‚[…] ich habe keine Lust, an meinem letzten Tag hier im Haus hocken zu bleiben, während ihr mich alle anstarrt und heulend darauf wartet, dass ich tot umkippe.‘“ (S. 23)
Deshalb geht Ollie wie an jedem anderen Tag in die Schule. Und als er dort Shane von seinem Todestagbrief erzählt, beschließt Shane, den Unterricht zu schwänzen und mit Ollie einen schönen letzten Tag zu verbringen.
„‚Bin zu allem bereit, Travers. Du sagst, wie du deinen letzten Tag verbringen willst, und ich sorge dafür, dass es genau so abläuft.‘“ (S. 44)
Shane entscheidet sogar, dass Ronnie bei Ollies letztem Tag dabei sein soll und holt sie aus dem Unterricht.
Als die drei dann überlegen, was sie den ganzen Tag unternehmen sollen, fallen Shane die Listen ein, die sie vor drei Jahren geschrieben haben und auf denen alles steht, was sie in ihrem Leben machen wollen: von einer Brücke springen, ein Tattoo stechen lassen und vieles mehr.
„‚[…] wisst ihr noch, wie wir alle damals Listen aufstellten mit allem Zeug, das wir noch machen wollten, wenn wir einen Todestagbrief bekämen?‘“ (S. 62)
Ollie und Ronnie sind einverstanden. Und so beginnt der beste Tag ihres Lebens…
Ich finde den Roman ganz in Ordnung.
Das Thema finde ich wirklich interessant und während des Lesens überlegt man selber, was man machen würde, wenn man nur noch einen Tag lebt. Der Autor ruft also dazu auf, etwas aus seinem Leben zu machen und es mehr wahrzunehmen.
Der Schreibstil wirkt locker und einfach, was mir persönlich auch gefällt, da man sich dadurch mehr auf die Handlung konzentrieren kann.
Das Buch ist insgesamt lustig geschrieben und es gibt immer mal wieder spaßige Szenen. Allerdings gibt es auch ernste Begegnungen der einzelnen Charaktere, beispielsweise merkt man immer mal wieder, dass Shane der Tod seines besten Freundes mehr beschäftigt als er zugibt.
Diese Mischung finde ich eigentlich ganz gelungen.
Mir gefällt außerdem, dass Ollie am Ende des Buches wirklich stirbt. Das hört sich zunächst etwas grausam an, aber ich finde es gut, wenn es nicht immer ein Happy End gibt 😉
Was mich am Roman extrem stört, sind die häufig obszönen Gedanken Ollies. Es mag zwar sein, dass Fünfzehnjährige so denken (ob das wirklich so ist, weiß ich nicht), aber mich haben diese Anspielungen von Anfang an genervt. Ollie wurde mir dadurch auch schon auf der ersten Seite des Buches unsympathisch. Aus diesem Grund finde ich den Roman für zwölfjährige Leser auch eher unangemessen.
Insgesamt empfehle ich „Die perfektesten 1440 Minuten meines Lebens“ dennoch weiter, weil ich denke, dass es andere Leser nicht so stören wird wie mich.