
Der Roman „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel ist 1998 im Carlsen Verlag erschienen. Er hat 336 Seiten* und eignet sich für Kinder ab 13 Jahren.
Das Buch handelt von dem siebzehnjährigen Phil, der gemeinsam mit seiner alleinerziehenden Mutter Glass und seiner Zwillingsschwester Dianne in einer alten Villa namens Visible lebt.
„Das von einem weitläufigen Grundstück umgebene Haus stand […] auf einer Anhöhe am äußersten Rand einer winzigen Stadt, jenseits des Flusses.“ (S. 15)
Glass selbst kam mit der Geburt der Zwillinge aus den USA nach Europa, um ihre ältere Schwester Stella in Visible zu besuchen. Diese starb jedoch kurz vor Glass‘ Ankunft bei einem Sturz aus dem Fenster.
„Drei Tage bevor Glass auf Visible ankam, war meiner Tante der weite Blick auf die Welt zum Verhängnis geworden. Beim Fensterputzen war sie aus dem zweiten Stock des Hauses auf die Auffahrt gestürzt, wo tags darauf der Briefträger sie entdeckte“ (S. 16/17)
Darauf erbte Glass das Haus von Stella.
Die Familie hat nicht viel Kontakt zu den Dorfbewohnern und gilt als komisch. Phil und Dianne werden als „Hexenkinder“ bezeichnet, Glass wegen ihrer häufig wechselnden Partner als „Schlampe“.
„Wir haben nie ein gutes Verhältnis zu den Kleinen Leuten gehabt.“ (S. 40)
Gleichzeitig nennen Phil, Dianne und Glass die Dorfbewohner nur „die kleinen Leute“ oder „die Jenseitigen“.
„Sie nennt die Bewohner der Stadt die Jenseitigen, weil sie auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses leben. Für mich sind sie die Kleinen Leute […]“ (S. 40)
Das einzige Kind aus dem Dorf, zu dem Phil Kontakt hat, ist Kat, die Tochter des Schuldirektors, die er schon seit seiner Kindheit kennt. Auch wenn Kats Eltern ihr früher verboten, sich mit Phil zu treffen, überredete Kat sie im Laufe der Jahre.
„Kat hatte sich schon damals […] in den Kopf gesetzt, mich zum Freund zu wollen, und sie ließ nie locker. Sie wurde älter und im Lauf der Jahre kämpfte sie ihre Eltern müde.“ (S. 35)
Dianne dagegen ist sehr zurückgezogen und lässt niemanden an sich ran. Phil hat oft das Gefühl, sie gar nicht richtig zu kennen.
„Normalerweise bewegt Dianne sich durch die Welt wie ein Nebelstreif, unsichtbar und so gut wie gewichtslos, als wolle sie dort, wo sie auftritt, keine Abdrücke hinterlassen.“ (S. 61)
Auch zu ihrer Mutter hat Dianne kein gutes Verhältnis. Sie reden kaum miteinander und die Stimmung ist sehr angespannt, wenn die beiden aufeinandertreffen.
„Die Atmosphäre zwischen ihr und Glass war gespannt, ihr Umgang miteinander beinahe frostig, auf Förmlichkeiten beschränkt.“ (S. 149)
Eines Tages erzählt Kat Phil, dass nach den Sommerferien ein neuer Schüler in ihre Klasse kommen wird, der von einem Jungeninternat geflogen ist.
„‚Übrigens hat Daddy neulich erzählt, wir bekämen einen Neuen […] Vom Internat geflogen.‘“ (S. 33/34)
Am ersten Schultag lernt Phil den Neuen kennen, der sich als Nicholas vorstellt. Nicholas ist wegen seiner Sportlichkeit und seines guten Aussehens beliebt, ansonsten aber eher schweigsam.
„Nicholas muss niemanden ansprechen, die anderen gehen von selbst auf ihn zu.“ (S. 85)
Phil ist sehr von Nicholas fasziniert und verliebt sich schon bald in ihn. Allerdings spricht er ihn nicht auf seine Gefühle an, sondern beobachtet ihn nach dem Sportunterricht bei seinem Lauftraining.
„In den folgenden drei Wochen gehe ich nach dem Unterricht nicht direkt vom am Stadtrand gelegenen Sportplatz nach Hause, sondern bleibe eine Stunde länger dort.“ (S. 84)
Als Phil eines Tages in der Bibliothek ist, trifft er dort Nicholas, der ihn dazu einlädt, das nächste Mal auf dem Sportplatz auf ihn zu warten.
Nach Nicholas Training haben die beiden schließlich in der Umkleide Sex.
Obwohl Phil danach immer wieder versucht, die Beziehung zu vertiefen und Nicholas besser kennenzulernen, scheint es so, als wäre Nicholas nicht an seinen Versuchen interessiert. Phil möchte mehr und wird unsicher.
„Doch genauso wenig habe ich damit gerechnet, dass Nicholas sich so plötzlich von mir abwenden würde, wie er es dann getan hat; als sei der Sex für ihn nur ein Pausenfüller gewesen […]“ (S. 143)
Wie geht es zwischen Phil und Nicholas weiter…?
Mir gefällt der Roman nicht sehr gut.
Insgesamt war das ganze Buch etwas zu heftig. Im Laufe der Geschichte passieren viele Dinge, die mich als Leser schockiert und überrascht haben: Unfälle mit Pfeil und Bogen, angeschossene Augen und vieles mehr. Daher würde ich das Buch auch nicht ab 13 Jahren empfehlen.
Im gesamten Roman gibt es sehr viele Rückblenden aus Diannes und Phils Kindheit. Diese waren zwar interessant und wichtig für die Geschichte, mich haben sie aber verwirrt, weil ich mir manchmal nicht sicher war, in welcher Zeit die jeweilige Erzählung gerade spielt.
Die Beziehung zwischen Phil und Nicholas hat mich persönlich nicht sehr ergriffen und ich konnte nicht so richtig daraus schlau werden.
Insgesamt bin ich etwas enttäuscht, weil ich die restlichen Romane von Andreas Steinhöfel wirklich sehr gut finde und „Die Mitte der Welt“ nicht gerade meinen Erwartungen entsprochen hat.
Ich würde „Die Mitte der Welt“ also nicht weiterempfehlen.
*Ich habe mich auf die Seitenanzahl im E-Book bezogen