Svenja K. Buchner: Bis die Zeit verschwimmt

Der Roman „Bis die Zeit verschwimmt“ von Svenja K. Buchner ist 2020 im Thienemann Verlag erschienen. Er hat 320 Seiten und eignet sich für Kinder ab 13 Jahren.

Das Buch handelt von der fünfzehnjährigen Helene, die ihre Freundin Cassie bei einem Amoklauf an ihrer Schule verloren hat.

Helene selbst hat überlebt, doch nach der Tat ist sie noch im Ungewissen darüber, wo Cassie ist und ob sie überhaupt lebt.

„Es ist laut. Menschen um mich herum, überall. Sie schreien, weinen, versuchen, einander zu beruhigen. ‚Wo ist sie?‘, schreie ich, springe auf, schlage die Hand der Sanitäterin an meiner Schulter weg […]“ (S. 8/9)

Aber schon in der Nacht des gleichen Tages erhält Helene die Nachricht von Cassies Tod.

„Es dauert unerträglich lang, bis ich nachts um halb zwölf erfahre, dass Cassie tot ist.“ (S. 27)

In den darauffolgenden Tagen verlässt Helene ihr Zimmer nicht, isst nicht, trinkt nicht und weint viel; sie ist wütend und traurig zugleich.

„Ich schreie, weil ich nichts anderes tun kann, während es mein Herz zerfetzt, ich schreie, so laut ich kann […] Ich weine. Nie zuvor habe ich so geweint. Schlage auf den Boden ein.“ (S. 29)

Schließlich besucht Erik sie, ein Freund von Helene und Cassie aus ihrer Klasse. Auch er ist tief betrübt, geht aber im Vergleich zu Helene anders mit seiner Trauer um. Statt die Zeit in seinem Zimmer zu verbringen, hilft er seinem Vater mit der Arbeit im Wald und geht sogar wieder in die Schule.

„‚Weißt du, mir tut es gut, draußen zu sein. Wenn die Hände etwas tun. Es befreit den Kopf von ätzenden Gedanken.‘“ (S. 45)

Schließlich ist es Erik, der Helene wieder ins Leben zurückholen will. Doch Helene will davon vorerst nichts wissen. Lieber setzt sie sich mit dem Amoklauf auseinander und immer wieder fragt sie sich, warum der Täter Peter Damm dies getan hat und warum nur acht Kinder gestorben sind.

„Fast alle sind durchgekommen. Fast alle leben noch, ich lebe noch. Also warum nur acht Kinder, die es nicht geschafft haben?“ (S. 51)

Schon bald kommt Helene zu dem Entschluss, dass die acht Kinder gezielt erschossen wurden. Und natürlich möchte sie herausfinden, warum eines der Opfer ausgerechnet Cassie war.

„‚Wir könnten doch mal zusammen recherchieren, du und ich […] Über den Täter, sein Leben, die Opfer – ich bin sicher, dass wir eine Antwort finden, Zusammenhänge […]‘“ (S. 53)

Doch was Helene noch nicht weiß: in der nächsten Zeit findet sie plötzlich einen ganz anderen Zugang zu Erik. Doch dazu muss sie Cassie verraten…

Mir gefällt das Buch gut.

Amoklauf ist ein ganz neues Thema, mit dem ich mich bis jetzt noch nicht viel auseinandergesetzt habe, außer in „Was wir dachten, was wir taten“, einen Roman, den ich auch sehr gelungen finde. Durch „Bis die Zeit verschwimmt“ habe ich eine ganz neue Sichtweise auf dieses schwierige Thema bekommen.

Da der Roman in der Ich-Perspektive von Helene geschrieben ist, kann man sich als Leser gut in sie hineinversetzen. Ihr Schmerz und ihre Verzweiflung sind sehr gut beschrieben und auch Helenes Suchen nach den Antworten auf ihre vielen Fragen kann man gut verstehen.

Auch die Mischung aus der Gegenwart und der Vergangenheit, die der Leser aus einzelnen Textpassagen über Helenes und Cassies Kindheit mitbekommt, gefällt mir sehr gut. Anfangs hat es etwas gedauert, bis ich verstanden habe, dass Helene an manchen Stellen aus ihrer Vergangenheit erzählt, aber das liegt vermutlich an mir 😉.

Insgesamt empfehle ich „Bis die Zeit verschwimmt“ besonders wegen des interessanten Themas weiter.

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