
Der Roman „Sie mussten nach links gehen“ von Monica Hesse ist 2020 in deutscher Übersetzung im cbj Kinder- und Jugendbuch Verlag erschienen. Er hat 443 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von der achtzehnjährigen Jüdin Zofia Ledermann, die das inzwischen befreite Konzentrationslager Groß-Rosen überlebt hat.
„Die Russen hatten […] Groß-Rosen befreit […] ‚Es ist vorbei‘, sagten die Soldaten zu uns […]“ (S. 18)
Von einem russischen Soldat namens Dima wurde Zofia bei der Befreiung in ein Krankenhaus gebracht.
„Dima ist der Soldat, der mich ins Krankenhaus gebracht hat […] Dima fand mich halb bewusstlos in einer Frauenbaracke, erzählte er mir später in dem gebrochenen Polnisch seiner Mutter.“ (S. 17/18)
Zofia ist von ihren Erlebnissen sehr traumatisiert und verbringt mit vielen anderen, denen es genauso geht wie ihr, einige Wochen im Krankenhaus.
„Wir wiegen nichts, wir fühlen nichts, wir haben über Jahre von nichts gelebt. Auch unsere Seelen sind nichts. Das ist das größte Nichts und der Grund, warum wir immer noch im Krankenhaus sind.“ (S. 14)
Eigentlich möchte Zofia aber so schnell wie möglich aus dem Krankenhaus raus in ihr Heimatland Polen nach Sosnowiec, um ihren Bruder Abek zu finden, von dem sie hofft, dass er überlebt hat. Dies ist ihr einziges Ziel.
„Ich weiß nicht, ob ich monatelang warten kann […] Ich lebe eigentlich nur noch, weil ich mich dazu gezwungen habe. Weil ich Abek finden muss.“ (S. 110)
Denn Abek wurde außer Zofia als einziger an der Rampe nach rechts geschickt. Zofias Eltern, ihre Tante Maja und ihre Großmutter Baba Rose wurden mussten nach links, zu den Gaskammern.
„Wer Glück hatte, wurde zur Schwerstarbeit eingeteilt. Wer Pech hatte – wir konnten den Rauch sehen […] In dieser Schlange wurden Abek und ich nach rechts geschickt […] wie die meisten Menschen aus Sosnowiec mussten alle anderen: Papa, Mama, Baba Rose, die schöne Tante Maja – sie alle, alle – nach links gehen.“ (S. 27)
Zusammen mit Dima, der als Soldat zu einem neuen Posten muss, macht sich Zofia auf den Weg nach Sosnowiec. Denn sie kann sich erinnern, dass sie mit Abek ausgemacht hat, sich dort an ihrem alten Haus zu treffen, wenn alles vorbei wäre.
„Das war mein Plan, dass Abek und ich uns dort treffen. Das habe ich ihm gesagt.“ (S. 34)
Doch als sie in Sosnowiec ankommt, muss sie feststellen, dass dort keine Spur von Abek ist. Niemand hat etwas von ihm gehört oder weiß, wo er sein könnte.
„Wenn Abek hier gewesen wäre, hätte er mir hier […] etwas hinterlassen – einen Brief oder irgendein Zeichen. Davon bin ich überzeugt.“ (S. 42)
Zofia ist sehr enttäuscht, aber sie möchte die Suche auf keinen Fall aufgeben. Von Dimas Kommandanten Kusnezow erfährt sie, dass einige Häftlinge in Lager nach Deutschland gebracht wurden.
„‚Soweit wir wissen, wurden die Häftlinge […] bei Kriegsende hauptsächlich in zwei Lager überführt: Bergen-Belsen und Dachau‘“ (S. 71)
Zofia erfährt außerdem, dass es in der Nähe von München nun ein großes Flüchtlingslager gibt, in dem viele Häftlinge nach dem Krieg untergebracht wurden. Darunter könnte möglicherweise auch Abek sein.
„‚Ein großes Flüchtlingslager der Vereinten Nationen. Es gibt mehrere davon. Für Juden, die nicht mehr nach Hause können oder ihre Familien nicht ausfindig machen konnten.‘“ (S. 73)
Zofia hat neue Hoffnung und macht sich auf den Weg nach Deutschland. Wird sie Abek jemals wiedersehen…? Und was ist, wenn er nicht mehr lebt…?
Mir gefällt der Roman nicht so gut.
Die Geschichte ist sehr emotional und ergreifend. Man fühlt mit den Figuren mit und kann Zofias Gefühle und Gedanken gut nachvollziehen.
Ich finde es interessant, dass das Buch erst nach dem Krieg spielt und nicht, wie viele andere Romane über den 2. Weltkrieg, von der Zeit in Konzentrationslagern berichtet. Das macht deutlich, dass die Zeit nach dem Kriegsende immer noch sehr schlimm war und viele Menschen auch später noch beispielsweise an Erschöpfung gestorben sind.
Der Schreibstil ist nicht besonders anspruchsvoll. Das Buch lässt sich locker und einfach lesen und erfordert nicht viel Konzentration.
Mir sind sehr viele Rechtschreibfehler aufgefallen, meist wurde einfach ein Buchstabe vergessen. Mich hat das etwas gestört, für die Geschichte macht es aber natürlich keinen Unterschied.
An einigen Stellen hat sich die Handlung meiner Meinung nach etwas gezogen und es gab keine Spannung mehr. Ich hätte das Buch lieber etwas kürzer gehalten und wäre dafür mehr auf den Punkt gekommen.
Das Ende finde ich etwas verwirrend. Man versteht die Handlung schon, wenn man noch mal darüber nachdenkt, aber meiner Meinung nach passt dieser unerwartete Schluss nicht ganz.
Insgesamt würde ich „Sie mussten nach links gehen“ nicht weiterempfehlen.