
Der Roman „Schwarze Lügen“ von Kirsten Boie ist 2014 im Friedrich Oetinger Verlag erschienen. Er hat 416 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.
Das Buch handelt von der fünzehnjährigen Melody, die gemeinsam mit ihrem großen Bruder Amadeus, ihrer kleinen Schwester Soppy, ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in einer kleinen Wohnung in Norddeutschland lebt. Ursprünglich kommt die Familie aus Afrika.
„Sie drückte auf den Fahrstuhlknopf. In der Kabine stand die warme Luft, aber es stank nicht mehr als sonst nach Dingen, über die sie nicht nachdenken wollte. Außerdem war der Weg in den siebten Stock nicht lang.“ (S. 9)
Die Geschwister nennen ihren Stiefvater nur „den Arsch“, denn als Melodys Vater starb, musste ihre Mutter nachweisen, dass sie ihre Kinder alleine ernähren kann, um in Deutschland zu bleiben. Mit ihrem Gehalt als Putzfrau war das allerdings nicht möglich, weshalb sie einen Deutschen, „den Arsch“, heiratete. Er ist jedoch Alkoholiker und verbringt die meiste Zeit des Tages schlafend im Wohnzimmer.
„Der Arsch hatte nicht einmal den Kopf durch die Küchentür gesteckt, er war gleich im Wohnzimmer verschwunden. Durch die dünne Wand hörten sie den Fernseher […] das Fernsehprogramm war nach den Besäufnissen mit den Kumpels am U-Bahnhof einfach nur sein Schlaflied.“ (S. 14)
Trotz der schwierigen Umstände zuhause sind Melody und Amadeus sehr gut in der Schule. Die beiden gehen auf ein Gymnasium, Melody spielt im Schulorchester Klarinette und Amadeus jobbt als Nachhilfelehrer.
Am Tag vor dem Schulkonzert, auf dem Melody im Orchester ein Solo spielt, kommt sie mittags nach Hause. Sie beschließt vor der Probe am Nachmittag nochmal zu üben.
„Allmählich merkte sie, dass sie aufgeregt war. Das Sommerkonzert war das wichtigste Konzert der Schule […]“ (S. 14)
Doch als Melody anfängt zu spielen, kommt „der Arsch“ ins Zimmer und beschwert sich über die Musik.
„‚Was-soll-er-Scheiß?!‘, schrie der Arsch. ‚Kann-einer-in-iesem-Kral-nicht-mal-in-Ruhe-schlafen?‘“ (S. 15)
Und kurzerhand packt er die Klarinette und zieht so lange daran, bis sie schließlich in zwei Hälften zerbricht.
Für Melody ist das natürlich der ungünstigste Moment für eine kaputte Klarinette, denn am gleichen Abend muss sie ja das Solo spielen. Zusammen mit Amadeus versucht sie, das Instrument zu kleben, dennoch hört man beim Spielen einen unangenehmen Pfeifton.
„Der Ton kam wie immer warm und tief und dunkel, aber daneben ein verwischtes Pfeifen, als hätte das Instrument Asthma.“ (S. 16)
Als Melody ihrer Musiklehrerin bei der Probe am Nachmittag erzählt, was mit ihrer Klarinette passiert ist, darf sie das Solo nicht mehr spielen.
„‚Du bist nicht unsere einzige Klarinette, Melody […] Ich bin sicher, Heinrich – traust du dir das zu, Heinrich? Bis heute Abend?‘“ (S. 22/23)
Nach dieser Enttäuschung möchte Melody auf keinen Fall nach Hause gehen und Amadeus und ihrer Mutter davon erzählen.
„Was würde Amadeus sagen, wenn sie ihm erzählte, dass sie das Solo nun heute Abend doch nicht spielen würde? Vor allem: Was würde Mama sagen?“ (S. 42)
Deshalb schlendert Melody noch ein bisschen durch die Straßen. Doch als sie nicht aufpasst, stößt sie plötzlich mit einem Fahrradfahrer zusammen, der um die Ecke rast.
„Den Jungen auf dem Fahrrad sah sie erst, als es zu spät war, und auch da nur aus dem Augenwinkel […] er […] versuchte zu bremsen, auszuweichen, stürzte, riss sie mit.“ (S. 35/36)
Melody ist bei dem Zusammenstoß zwar nichts passiert. Was sie aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: der Junge auf dem Fahrrad hat gerade eine Bank überfallen und beim Sturz haben die beiden ihre Taschen vertauscht. Und ohne dass Melody es weiß, trägt sie plötzlich eine Tasche voller Geld mit sich herum….
Mir gefällt das Buch nicht gut.
Die unterschiedlichen Perspektiven sind zwar interessant, allerdings bringt dieser schnelle Wechsel den Leser besonders am Anfang des Buches durcheinander. Man fühlt sich sehr in die Geschichte hineingeworfen und wird mit so vielen Namen konfrontiert, dass man sich anfangs etwas verloren fühlt.
Die Geschichte ist anfangs noch spannend, gegen Ende zieht sie sich aber sehr und man will eher, dass es endlich vorbei ist. Am Ende ist das Buch auch nicht mehr so spannend, weil man ja weiß, dass für Melody und ihre Familie am Ende sowieso alles gut ausgeht.
Insgesamt empfehle ich „Schwarze Lügen“ nicht weiter.