Martin Schäuble: Sein Reich

Der Roman „Sein Reich“ von Martin Schäuble ist 2020 im Fischer Verlag erschienen. Er hat 237 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von dem fünfzehnjährigen Juri, der mit seiner Mutter in Stuttgart lebt. Sein Vater hat sie schon vor vielen Jahren verlassen und ist in ein kleines Dorf im Schwarzwald gezogen.

„Papa kenne ich nur von Fotos. Auf denen liege ich im gestreiften Strampler im Kinderwagen.“ (S. 21)

Der neue Freund von Juris Mutter, Hauke, ist kein großer Ersatz für seinen Vater. Die meiste Zeit ist er betrunken und liegt schlafend im Wohnzimmer herum.

„Hauke […] hebelt sich mit einer leeren Bierflasche eine volle auf. Der Kronkorken fliegt wie eine Frisbeescheibe durch den Raum. Dann knallt das Ding gegen den Backofen.“ (S. 20)

Seit Juris Vater die Familie verlassen hat, haben sich die beiden nicht mehr gesehen. Vor einigen Jahren wollten Juri und seine Mutter ihn zwar besuchen, als sie vor seiner Tür standen, hat er ihnen allerdings einfach nicht aufgemacht.

„Hat seine Haustür überhaupt einen Spion? Garantiert, sonst hätte er sie ja vor zehn Jahren aufgemacht. Wir haben damals im Haus nur etwas rumpeln gehört.“ (S. 22)

Als bei Juri die Sommerferien beginnen und er, anders als seine Klassenkameraden, wegen finanziellen Problemen nicht in den Urlaub fährt, beschließt Juri, mit dem Zug zu seinem Vater zu reisen und einen neuen Versuch zu starten. Außerdem hat er keine Lust, seine Sommerferien mit Hauke zu verbringen.

„Doch selbst wenn ich nur ein paar Wochen auf seinem Sofa penne, ist es dort draußen immer noch besser als sechs Wochen hier drinnen. Der Schwarzwald ist groß, und da sind ja auch andere Lebewesen in meinem Alter.“ (S. 21)

Und wirklich: Als Juri bei seinem Vater angekommen ist, erlaubt dieser ihm, bei ihm zu bleiben.

„‚Also kann ich ein paar Tage hierbleiben?‘ Erstmal sagt er nichts, oder er sagt es viel zu leise. ‚Kann ich?‘ ‚Ja‘, sagt er. Begeisterung klingt anders.“ (S. 39)

Anfangs ist die Stimmung zwischen Juri und seinem Vater noch etwas gedrückt, doch überraschenderweise verstehen sich die beiden schon bald ganz gut und Juri findet sogar heraus, dass sein Vater das gleiche Hobby hat wie er: Modellbau. Gemeinsam basteln sie an einem Modellflugzeug weiter, das Juris Vater bereits angefangen hat zusammenzubauen.

„Und dann basteln wir zusammen los. Wir basteln und schweigen. Ist für mich in Ordnung.“ (S. 46)

Als Juri sich an einem Abend mit den Jugendlichen aus dem Dorf am See trifft, gefällt es ihm richtig gut. Dort trifft er auch die siebzehnjährige Jule, die er sofort mag. Und auch sie scheint an ihm interessiert zu sein.

„Und während ich so schaue und überlege, da spüre ich Jules Finger unter meinem Shirt […] Ich drehe mich zu ihr, wir schauen uns an.“ (S. 92)

Doch Juri bemerkt bald, dass irgendetwas an seinem Vater seltsam ist. Er findet, Deutschland ist nur eine Firma und das Deutsche Reich ist eigentlich nie aufgelöst worden. Sein Argument: der Personalausweis heißt Personalausweis, weil man zum Personal dieser Firma gehört. Juri hält allerdings nicht sehr viel von den Erklärungen seines Vaters.

„Es bleibt nämlich sein Reich. Ich lebe in Deutschland. Da kann er labern, was er will.“ (S. 122)

Doch als sein Vater Juri einen geheimen Bunker im Wald zeigt, in dem er sich im Notfall verstecken kann, bekommt Juri es mit der Angst zu tun…

Mir gefällt das Buch gut.

Besonders interessant finde ich das Thema des Romans, Verschwörungstheorien. Bis jetzt habe ich nämlich noch kein Jugendbuch gelesen, in dem dieses Thema behandelt wird.

Da es am Anfang des Buches einen spannenden Prolog gibt, möchte man als Leser natürlich weiterlesen, was auch bei mir der Fall war. Die Geschichte bleibt die ganze Zeit spannend, weil man nie weiß, was noch alles passiert.

Als Leser kann man sich sehr gut in Juri hineinversetzen. Da er am Anfang selber noch keine Ahnung hat, wie sein Vater tickt, kann man ihn während des Lesens gut „begleiten“.

Ich hätte mir noch gewünscht, dass es am Ende des Buches eine kleine Erklärung gibt. Interessiert hätte mich beispielsweise, ob es wirklich Anhänger der Ansichten, die Juris Vater vertritt, gibt. Letzten Endes habe ich einiges selber im Internet nachgelesen.

Insgesamt empfehle ich „Sein Reich“ aber weiter.

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