Susan Kreller: Elektrische Fische

Der Roman „Elektrische Fische“ von Susan Kreller ist 2019 im Carlsen Verlag erschienen. Er hat 191 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von einem Mädchen namens Emma, das mit ihrer Mutter, ihrer kleinen Schwester Aoife und ihrem Bruder Dara von Dublin nach Velgow, einem kleinen Dorf an der Ostsee, zieht.

„[…] als das blaue Taxi vor dem Haus stand und wir unser irisches Leben in den Kofferraum stapeln mussten, um von Dublin nach Deutschland umzuziehen. Nach Velgow […]“ (S. 7)

Weil sich Emmas Mutter von ihrem Mann, der Alkoholiker ist, getrennt hat, hat die Familie nicht mehr genug Geld, um weiterhin in Dublin zu leben. Also hat Emmas Mutter beschlossen, nach Velgow zu ziehen, wo sie auch aufgewachsen ist.

„Hinter uns hat Velgow begonnen. Das Dorf, in dem meine Mutter aufgewachsen ist, in einem Leben vor unserer Zeit.“ (S. 10

Dort wohnt die Familie bei Emmas Großeltern Hinnerk und Anita, die gegenüber Emma, ihrer Mutter und ihren Geschwistern sehr schweigsam sind.

„[…] der neue Großvater Hinnerk, der groß ist und mit Bauch und manchmal aus Versehen lächelt, und die neue Großmutter Anita mit ihren schwarz gefärbten Haaren und dem strengen Gesicht darunter […]“ (S. 17)

Für Emma und ihre Geschwister ist diese plötzliche Veränderung sehr schwierig.

Emma hat oft Heimweh und sehnt sich nach ihrem alten Leben in Dublin zurück. Sie ist diesem neuen Land gegenüber sehr skeptisch und hat das Gefühl, aus ihrem Leben gerissen worden zu sein.

„[…] Aoife und ich waren mittendrin und noch gar nicht fertig mit unserem Leben in Dublin, keiner wollte weg von zu Hause […]“ (S. 14)

Während Dara sich seine Gefühle nicht anmerken lässt und Emma nicht richtig weiß, was in ihm vorgeht, zeigt Aoife sehr wohl, was sie von diesem Umzug hält.

„Wenn es regnet, starrt meine Schwester aus dem Fenster, das mit ihr mitweint, die Tränen rinnen über Aoifes Wangen und draußen über die Fensterscheibe, als wäre es ein Wettbewerb.“ (S. 15)

In der Schule geht es Aoife nicht gerade besser. Als sie eines Tages von ihren Mitschülern beleidigt wird, beschließt sie, mit dem Reden aufzuhören.

„Unsere Mutter hätte uns warnen können. Sie hätte mit uns zu ihren Eltern fliegen sollen jeden Sommer, dann hätten wir lernen können, wie das geht: in Velgow sein. Vielleicht würde Aoife dann noch reden.“ (S. 27)

Schon bald lernt Emma einen Jungen in ihrer Klasse kennen: Levin. Er war dabei, als Aoife von ihren Mitschülern gehänselt wurde und hat sie sogar verteidigt. Im Unterricht ist er aber eher schweigsam.

„Die meiste Zeit schaut er weg, nur in meinem Augenwinkel hört sein Wegsehen auf, in meinem Augenwinkel guckt er zu mir, im Unterricht, von seinem Platz ganz hinten im Klassenzimmer.“ (S. 40)

Eines Tages erzählt Emma ihm, dass sie sich in Velgow sehr unwohl fühlt und zurück nach Irland möchte. Und sofort beginnt Levin, einen Plan zu schmieden, wie sie flüchten kann…

Mir gefällt das Buch ganz gut.

Auch wenn die Idee hinter dem Roman nicht besonders überraschend ist (Hauptperson kommt nicht mit dem Umzug klar und ist traurig…), finde ich das Buch nicht langweilig oder uninteressant.

Die Gefühle der einzelnen Figuren sind sehr anschaulich beschrieben und man weiß immer, wie sich die Personen gerade fühlen.

Auch einige irische Begriffe, die hinten im Glossar aufgelistet sind, machen das Buch sehr interessant und meiner Meinung auch persönlicher, weil man sozusagen Emmas Sprache kennenlernt.

Ich selbst konnte mich nicht sehr gut in Emma hineinversetzen und finde ihr Verhalten an einigen Stellen etwas übertrieben.

Insgesamt würde ich „Elektrische Fische“ dennoch weiterempfehlen.

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