Sarah Jäger: Schnabeltier Deluxe

Der Roman „Schnabeltier Deluxe“ von Sarah Jäger ist 2022 im Rowohlt Verlag erschienen. Er hat 204 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von der fünfzehnjährigen Kim, die zusammen mit ihrer alleinerziehenden Mutter lebt. Die beiden haben jedoch kein gutes Verhältnis zueinander und verstehen sich nicht besonders.

„Die Mutter und ich leben in einer Fernbeziehung.“ (S. 11)

Das kann auch an Kims Aggressionsproblem liegen. Immer wieder hat sie den Drang, etwas in ihrer Nähe zu zerstören.

Mach es kaputt, bevor es dich kaputtmacht, habe ich einmal mit signalrotem Edding auf das Laminat im Wohnungsflur geschrieben.“ (S. 12)

So ist es auch nicht verwunderlich, als Kim eines Tages eine Kaffeemaschine und jede Menge Untertassen aus dem Fenster des Lehrerzimmers ihrer Schule wirft und daraufhin vom Direktor verwiesen wird.

„Nach der Kaffeemaschine werfe ich Untertassen aus dem Fenster, einfach nur, weil ich den Gedanken an fliegende Untertassen so lustig finde.“ (S. 7)

Da die umliegenden Schulen schon von Kims Verhalten gehört haben, ist keine bereit, sie nach ihrem Verweis aufzunehmen.

„Für die Mutter ist es eine unlösbare Aufgabe, eine neue Schule für mich zu finden […] Nach dem fünften Termin dämmert uns langsam, dass ich mit der Kaffeemaschine nicht nur die Lehrerschaft der Schule, sondern die Lehrerschaft aller Schulen in dieser Stadt gegen mich aufgebracht habe.“ (S. 14)

Schließlich löst sich das Problem, als der Ex-Freund von Kims Mutter, René, erzählt, der Schuldirektor in seinem Heimatdorf würde Kim eine Chance geben und sie in seiner Schule aufnehmen.

„Die Mutter erzählt, dass der Ex-Freund einen Schuldirektor kennt […] dieser leitet eine Gesamtschule, die ein paar Kilometer von dem Dorf entfernt ist, in dem der Ex-Freund […] bei seiner Tante wohnt.“ (S. 18)

Als Kim erfährt, dass sie ganz alleine in dieses Dorf fahren muss, um dort die nächste Zeit über zu leben, ist sie nicht sehr begeistert und hat das Gefühl, ihre Mutter möchte sie nicht mehr haben.

„Erst wirft sie mich in die Welt, denke ich, nun wirft sie mich weg. Für ein leichteres Herz, denke ich.“ (S. 19)

Doch Kim hat keine Wahl und fährt vier Tage später mit dem Bus in Richtung des abseits liegenden Dorfes, in dem René wohnt.

„Der Bus verlässt die Stadt, fährt die Landstraße entlang und hält an keiner einzigen Bushaltestelle. Für wen auch, draußen nur Wiesen und Kühe.“ (S. 25)

René ist sehr freundlich zu Kim und nimmt sie gut auf. Mit Tante Agnes, die im gleichen Haus wie René lebt, versteht sich Kim allerdings schon bei der ersten Begegnung nicht.

„Sie sieht mich mit gerunzelter Stirn von oben bis unten an […] Als die Tante die Wollsocken sieht, eine rot gepunktet, eine orange, zieht sie ihre Augenbrauen hoch. ‚Tja. Das ist sie also‘, sagt sie […]“ (S. 32)

Schließlich sucht sich Kim neben der Schule einen Aushilfsjob. Nachdem sie im Café abgewiesen wird, findet sie einen Arbeitsplatz bei einer Tankstelle, die ungefähr eine halbe Stunde vom Dorf entfernt liegt.

„Inzwischen arbeite ich seit zwei Wochenenden an der Tankstelle und der Tankstellenbesitzer scheint zufrieden zu sein.“ (S. 41)

Eines Tages taucht der siebzehnjährige Janne, der im Friseursalon des Dorfes arbeitet, in der Tankstelle auf, um sich Schokoladenerdnussbutterriegel zu kaufen.

„Den Typen vom Friseursalon erkenne ich sofort an seinem roten Haarreif.“ (S. 41)

Die beiden unterhalten sich schließlich öfters und Janne erzählt, dass ihn die meisten Leute im Dorf etwas seltsam finden.

„‚Und Menschen finden, ich bin nicht normalerweise‘ […]“ (S. 55)

Dadurch, dass die meisten Menschen den dicken Janne und Kim mit ihrem Aggressionsproblem ungewöhnlich und komisch finden, werden die beiden so etwas wie Freunde. Und das ist für Kim etwas ganz Neues…

Mir gefällt der Roman sehr gut.

Die einzelnen Personen des Buches sind sehr außergewöhnlich, gleichzeitig aber auch sympathisch. Besonders Kim ist eine interessante Erzählerin.

Die Situation, dass ein Teenager Probleme hat und zu Verwandten ziehen muss, ist in Büchern nicht selten. Trotzdem ist „Schnabeltier Deluxe“ nicht das Übliche und wirkt auch nicht gestellt oder lehrreich.

Das Titelbild mit der Bushaltestelle und dem Verkehrsschild mit dem Schnabeltier finde ich sehr gelungen. Was es mit dem Titel auf sich hat, erfährt man erst am Ende des Buches. Dennoch finde ich ihn passend.

Kims Entwicklung kann man im Roman sehr gut auch durch kleine Einzelheiten beobachten. Beispielsweise heißt es anfangs noch „die Mutter“. Gegen Ende spricht Kim dann von „meiner Mutter“.

Insgesamt würde ich „Schnabeltier Deluxe“ auf jeden Fall weiterempfehlen.

Ein Kommentar zu “Sarah Jäger: Schnabeltier Deluxe

  1. Mich haben in dem Buch vor allem die ungewöhnlichen Figuren fasziniert: der Busfahrer, die Tante, der Tankstellenbesitzer – erst nach und nach lässt uns die Autorin entdecken, dass mehr in ihnen steckt, als sie selbst nach außen hin zeigen. Das ist raffiniert gemacht! Absolute Empfehlung für das Buch!!!!

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