Susan Kreller: Hannas Regen

Der Roman „Hannas Regen“ von Susan Kreller ist 2022 im Carlsen Verlag erschienen. Er hat 191 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von einem Mädchen namens Josefin, das zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder Carlo wohnt. Sie ist sehr still, hat keine richtigen Freunde und wird von den meisten nicht weiter beachtet.

„Ich gehöre zu den seitlichen Menschen, die aus Versehen mitfotografiert werden.“ (S. 12)

Eines Tages kommt eine neue Schülerin in Josefins Klasse, die als Hanna Kiesow vorgestellt wird. Die Lehrerin, Frau Mattai, setzt sie auf den Platz neben Josefin, mit der Begründung, man könne sich auf sie verlassen.

„‚Hanna Kiesow ist das […] hat heute ihren ersten Tag bei uns. Josefin, ich verlass mich auf dich.‘“ (S. 9)

Josefin kann mit Hanna nicht sehr viel anfangen. Die neue Schülerin ist schweigsam und im Unterricht nicht richtig anwesend. Außerdem fällt Josefin auf, dass Hanna nicht auf ihren Namen reagiert.

„Trotzdem wirkt sie so fern wie immer, starrt an die Wand und tut so, als würde sie die Tafel mit dem Periodensystem der Elemente freiwillig auswendig lernen […]“ (S. 40)

Dennoch werden die beiden in den nächsten Tagen so etwas wie Freunde und gehen gemeinsam zur Schule. Auch auf dem Weg redet Hanna nicht mit Josefin.

„Sie schweigt in langen Sätzen, und ich antworte nicht darauf, alles ist wie immer. Still gehen wir durch den flüsternden Regen […]“ (S. 45)

Beim Abendessen unterhält sich Josefin mit ihrer Mutter über Hanna und es stellt sich heraus, dass Hannas Mutter die Kollegin von Josefins Mutter ist.

Sie würde nichts von sich preisgeben und komme Josefins Mutter etwas merkwürdig vor.

„‚[…] die will nichts mit uns zu tun haben […] die meiste Zeit arbeitet sie stumm vor sich hin, nur manchmal, da sagt sie was, aber bloß dann, wenn keiner damit rechnet.‘“ (S. 16)

Auch Josefin erzählt von ihren Eindrücken von Hanna und ihre Mutter, die gerne Krimiserien anschaut, hat plötzlich einen Verdacht, warum Hanna und ihre Familie sich so seltsam verhalten.

„Es spricht alles dafür, dass sie … Teil eines Zeugenschutzprogramms sind.‘“ (S. 39)

Sie glaubt also, dass Hannas Familie Zeuge eines Kriminalfalls war, und jetzt vom BKA, dem Bundeskriminalamt, beschützt werden muss. Das würde auch erklären, warum Hanna nicht auf ihren Namen hört. Sie hat eine falsche Identität angenommen und heißt eigentlich anders.

„‚Jedenfalls glaube ich […] dass die Kiesows eine falsche Identität angenommen haben. Falscher Name, falsche Kindheit, falsches Leben. Alles nur erfunden.“ (S. 38/39)

Josefin ist zuerst nicht sehr überzeugt, doch sie bemerkt immer weitere Dinge, die zu der Theorie ihrer Mutter passen….

Wer ist Hanna wirklich…?

Mir gefällt das Buch sehr gut.

Die Geschichte ist originell und über die gesamte Zeit sehr spannend, weil man immer wissen möchte, wie es mit Hanna weitergeht.

Auch der Sprachstil gefällt mir sehr gut. Einige Sätze muss man zweimal lesen und immer wieder entdeckt man sehr wortgewandte Ausdrücke:

„[…] und wenn sie mich überhaupt mal ansieht, dann sprühen Eisblumenfunken aus ihren Augen. Sie haben mich noch nie verfehlt.“ (S. 29)

„Ihr Kinn ist zur Faust geballt […]“ (S. 27)

Die einzelnen Figuren im Roman sind sehr durchdacht und manches ist auch sehr lustig. Hannas Vater meldet sich beispielsweise immer mit einer anderen Identität am Festnetztelefon, mal mit „Metzgerei ‚Schinken macht Freude‘“ oder mit „Selbsthilfeseminar ‚Erfolgreich hoffen‘“.

Insgesamt würde ich „Hannas Regen“ also weiterempfehlen.

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