Myron Levoy: Ein Schatten wie ein Leopard

Der Roman „Ein Schatten wie ein Leopard“ von Myron Levoy ist 1992 in deutscher Übersetzung im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen. Er hat 189 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von dem vierzehnjährigen Ramon Santiago, der alleine in New York lebt, während seine Mutter im Krankenhaus liegt.

„‚[…] meine Mama ist im Westside Hospital und ihr Bett stinkt, die schauen überhaupt nicht nach ihr.‘“ (S. 21)

Auch Ramons Vater kann sich nicht um seinen Sohn kümmern. Er verletzte während einer Demonstration einen Polizisten und sitzt deshalb im Gefängnis.

„Menschenmengen, Polizei. Sein Vater, der mit wutverzerrtem Gesicht einen Polizisten wegstieß. Der Polizist packte ihn am Arm. Sein Vater stieß ihn zurück, schleuderte das Plakat gegen den Polizisten. Sein Vater, verhaftet. Bedrohung eines Polizeibeamten. Drei Jahre.“ (S. 27)

Ramon schlägt sich meist mit Gelegenheitsdiebstählen durch. Gemeinsam mit „Harpos Gang“, in die er vor kurzem aufgenommen wurde, findet Ramon immer eine Möglichkeit, an Geld zu kommen.

„Es gab `ne Menge Kohle zu verdienen. Man brauchte nichts weiter dazu als Macho zu sein. (S. 8)

Ramon möchte der Gang gerne den Eindruck geben, durch seine Stärke für die Gruppe geeignet zu sein. Und auch sein Vater wollte vor seiner Gefangenennahme immer, dass Ramon ein Macho ist. Deshalb übt er oft, sich mit seinem Messer zu verteidigen. Gleichzeitig weiß er aber, dass er ohne sein Messer nicht so stark ist, wie es von außen erscheint.

„Mit dem Messer war er schneller, als irgendjemand sonst in Harpos Gang, aber ohne… Niemals würde er ohne sein! Wenn man klein war, wenn man dünn war, dann übte man stundenlang mit einem Messer. Tagelang. Er würde niemals ohne sein Messer sein.“ (S. 12)

Ramon bekommt schließlich von der Gang den Auftrag, einen alten Mann namens Glasser auszurauben, von dem die Bande denkt, dass er reich sei.

„‚Der Bursche ist `n Kerl, der ist ungefähr fünfundsiebzig Jahre alt, vielleicht auch achtzig […] Er sitzt die ganze Zeit im Rollstuhl, okay? Aber er hat Geld. Das hab ich gesehen […] Sein Name ist Glasser.‘“ (S. 33)

Ramon nimmt den Auftrag an und macht sich gleich auf den Weg in Glassers Wohnung. Er möchte versuchen, den Mann mit seinem Messer zu bedrohen und seine Wohnung währenddessen nach Geld absuchen. Doch dort angekommen ist Ramon etwas unsicher, weil Glasser im Vergleich mit den Erzählungen der Bande sehr arm aussieht.

„Das Messer in Ramons Hand zeigte auf Glassers Brust. Ramon fühlte sich seltsam […] Was sollte er zu dem Mann sagen?“ (S. 45)

Zudem ist Ramon über Glassers Reaktion sehr überrascht.

„‚Ich werde dir überhaupt kein Geld geben, du Dreikäsehoch. Du hast ein Messer. Ich bin ein Krüppel […] Bring mich um! Mach schon!“ (S. 46)

Und nach einer genauen Durchsuchung der Wohnung akzeptiert Ramon, dass Glasser wirklich kein Geld besitzt. Das Einzige was er hat ist Farbe und Leinwände, da er in seiner Wohnung viel malt.

Zunächst denkt Ramon, dass Glasser einfach verrückt ist, doch dann merkt er, dass er sehr arm ist – genau wie Ramon selbst. Er freundet sich mit ihm an.

Doch die Bandmitglieder finden das gar nicht gut. Was werden sie mit Ramon machen…?

Im Laufe des Buches wird beschrieben, wie die Beziehung zwischen Ramon und Glasser immer besser wird und die beiden schon bald richtige Freunde sind. Gleichzeitig werden die Mitglieder der Gang immer wütender und möchten etwas gegen Ramon unternehmen…

Mir gefällt der Roman nicht gut.

Am Anfang und in der Mitte ist der Roman meiner Meinung nach nicht sehr spannend. Gegen Ende passiert dann sehr schnell viel Unerwartetes, was mich überrascht hat. Ich hätte die Spannung also etwas besser verteilt.

Dass Ramon ganz ohne Eltern lebt und mit einem Messer in der Tasche herumläuft, ist für mich relativ unvorstellbar. Generell finde ich die ganze Geschichte etwas seltsam.

Meiner Meinung nach kann man sich nicht sehr gut in Ramon oder auch in andere Personen hineinversetzen, weil sein Leben sehr unwirklich wirkt und man sich seine gesamte Lebensweise nicht gut vorstellen kann.

Hinterlasse einen Kommentar