
Der Erzählband „Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“ ist 2013 im Oetinger Verlag erschienen. Er hat 112 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.
Das Buch enthält vier Kurzgeschichten von Kindern in Swasiland, Afrika: Thulani, Sonto und Pholile, Lungile, und Sipho.
Eines haben alle gemeinsam: Sie sind Waisen, die entweder alleine oder mit ihrer Großmutter leben und sich um ihre kleinen Geschwister kümmern müssen.
Thulani ist elf Jahre alt und lebt mit seiner Gugu und seiner achtjährigen Schwester Nomphilo in Shiselweni.
„Ich kenne einen Jungen in Afrika, der […] lebt in den Hügeln Shiselweni […] Mit seiner Gugu lebt er da und mit Nomphilo, seiner Schwester […]“ (S. 22)
Da die Gugu nicht mehr viel Kraft hat, kümmert sich Thulani um seine Schwester und erledigt auch alle anderen Aufgaben wie beispielsweise Wasserholen.
„Er ist der große Bruder und der Mann im Haus, und er passt gut auf sie auf […]“ (S. 10)
Thulanis Mutter ist gestorben und liegt jetzt begraben hinter der Hütte. Thulani ist oft sehr traurig über ihren Tod und besucht sie manchmal nachts an ihrem Grab.
„Manchmal, im Sommer, wenn am Abend die Blitze über den Himmel zucken, dass Thulani weiß, jetzt rufen die Geister, sitzt er hinter der Hütte neben dem Grab und spricht mit seiner Mutter; sie wird ihn schon hören.“ (S. 22)
Eigentlich könnte Thulani zur Schule gehen, weil Waisen wie er kein Schulgeld bezahlen müssen.
„‚Die Schule ist frei, wenn die Eltern gestorben sind, das hat unser König bestimmt‘“ (S. 12/13)
Allerdings benötigt er einen Totenschein, um den Tod seiner Eltern nachzuweisen. Und der Chief hat keine Zeit, um Thulani zur Bezirksregierung in Nhlangano zu begleiten…
„Aber hat ein Chief dafür Zeit? Da wäre er ja nur noch in Nhlangano, wenn er jedes Mal einen Totenschein holen wollte, wenn ein Mensch stirbt, es sterben ja viel zu viele im Dorf und in den Hügeln von Shiselweni und im ganzen Land.“ (S. 14)
Die zweite Geschichte handelt von Sonto, die alleine mit ihrem dreizehnjährigen Bruder Bheki und ihrer Schwester Pholile lebt. Ihre Mutter ist durch den HI-Virus gestorben.
„[…] immer dünner war sie […] geworden und konnte kein Essen bei sich behalten, und der Husten hat sie so geschüttelt, dass Pholile manchmal weggelaufen ist.“ (S. 38)
Pholiles Mutter hat ihren Kindern ein Erinnerungsbuch hinterlassen, in dem sie über die Familie, die Kinder und ihre Wünsche geschrieben hat.
„Geschrieben hat Mama zu Anfang noch allein. Sie hat auf dem Boden vor der Hütte gesessen und geschrieben, und manchmal hat sie dabei gelacht. Dann hat sie Sonto vielleicht vorgelesen, was sie geschrieben hat, bis der Husten gekommen ist und sie aufhören musste.“ (S. 34)
In diesem Heft lesen die Geschwister oft. Und Sonto nimmt es auch mit, als sie zusammen mit Pholile nach Mhlosheni in die Krankenstation geht. Denn sie muss wissen, ob das Virus nicht auch in Pholile lauert…
„Dass die Krankheit nicht in dir lauert und dass du mir vergibst, wenn sie es tut, denn dann ist sie von mir zu dir gekommen bei deiner Geburt […] Darum gehen sie jetzt nach Mhlosheni, Sonto hat es Mama versprochen, sie müssen es wissen.“ (S. 44/45)
Die dritte Geschichte handelt von Lungile, die alleine mit ihrer kleinen Schwester Jabu lebt. Jabu sollte eigentlich in die Schule gehen, aber ihre Schuhe wurden geklaut, deshalb darf sie nicht mehr in den Unterricht.
„Jabu darf nicht mehr zur Schule gehen, weil sie keine Schuhe hat, der Lehrer hat sie nach Hause geschickt. Was würde denn werden, wenn alle Kinder in der Schule sitzen würden ohne Uniform, ohne Schuhe?“ (S. 72/73)
Weil Longile nicht genügend Geld hat, um Jabu neue Schuhe zu kaufen, beschließt sie, nach Nhlangano zu wandern, um die selbstgemachten Schlafmatten zu verkaufen.
„Sie weiß nicht, wie viele Emalangeni man für eine Matte bekommt, ist eine Matte so viel wert wie ein Schuh? Aber Jabu hat noch eine gute Matte zum Schlafen, und Lungile hat noch eine gute Matte zum Schlafen, und sie will es wenigstens versuchen.“ (S. 75)
Aber in Nhlangano angekommen bemerkt Lungile schnell, dass niemand ihre Matten haben möchte.
„[…] ihre Matten will niemand kaufen, das versteht Lungile bald.“ (S. 76)
Auch wenn sie weiß, dass das keine gute Idee ist, beschließt sie, nach Matsapha Truck Stop zu gehen und dort ihren Körper zu verkaufen, um Jabus Schuhe bezahlen zu können…
„[…] die Mädchen hier tun es alle, und die Fahrer tun es immerzu in allen Ländern, und manche verschont die Krankheit, der Herr ist allmächtig, und Jabu soll zur Schule gehen.“ (S. 82/83)
Die letzte Geschichte handelt von Sipho, der mit seinen Geschwistern und seiner alten Gugu zusammen lebt.
Sipho hat die Aufgabe, Wasser zu holen. Eines Tages findet er auf dem Weg zum Fluss ein Ei, und er freut sich über die leckere Mahlzeit.
„‚Ich habe ein Ei gefunden, heute ist es mein Ei! Es lag unter den Sträuchern, und wer es gefunden hat, darf es essen!‘“ (S. 93/94)
Allerdings hat er vergessen, dass sich die Familie abwechselt, das Ei zu essen, das jemand findet.
„Einmal bekommt Nomsa das Ei und einmal Sipho, dann Thulasizwe und die Gugu. So ist es gut, so ist es gerecht.“ (S. 94)
Sipho wird wütend, als er erfährt, dass seine Schwester Nomsa diesmal an der Reihe ist und weigert sich, Wasser zu holen.
„Sipho hat gespürt, wie der Zorn in ihm aufgestiegen ist. Nomsa ist nur ein Mädchen, auch die Gugu ist nur eine Frau, es sind die Frauen, die das Wasser holen.“ (S. 96)
Da wird auch die Gugu zornig und schlägt mit dem Kochlöffel nach ihm. Allerdings hat sie das Feuer vergessen, und bevor sie etwas tun kann, breiten sich die Flammen auf ihrem Rock aus.
„Die Flamme kommt schnell, wie schnell die Flamme kommt!, und frisst den Rock mit einem einzigen Zischen […]“ (S. 98)
Und es gibt kein Wasser, um das Feuer zu löschen…
Ich finde das Buch ganz gut.
Die Geschichten sind sehr schockierend und heftig, aber ich finde die Erzählungen trotzdem interessant, weil sie ein ganz anderes Thema umfassen, als die meisten anderen Bücher.
Das Buch ist relativ kurz, was ich aber auch passend finde, wenn man den Inhalt der Geschichten beachtet.
Die Sprache ist in meinen Augen an manchen Stellen etwas holprig. Vieles war für mich verwirrend, weshalb ich einige Stellen mehrmals lesen musste.
Es gibt vier Illustrationen, die meiner Meinung nach aber etwas unnötig sind. Die Karte am Ende des Buches finde ich dagegen sehr hilfreich. Dadurch kann man gut nachvollziehen, wo die verschiedenen Figuren leben.
Insgesamt würde ich „Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“ eigentlich nur wegen des Themas weiterempfehlen.