Kurt Lütgen: Kein Winter für Wölfe

Der Roman „Kein Winter für Wölfe“ von Kurt Lütgen ist 1975 im Arena Verlag erschienen. Er hat 279 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von dem Steuermann Jarvis, der auf dem Kutter „Bär“ arbeitet. Eines Tages kommt ein Bote namens McAllen mit einem wichtigen Brief zu Tuttle, dem Kapitän des „Bär“.

„‚Ich […] habe den Auftrag, Ihnen dies hier zu überbringen, Kapitän Tuttle […] Der Gouverneur lässt Sie bitten, Kapitän, den Inhalt der Tasche sofort zur Kenntnis zu nehmen, danach das Nötige zu veranlassen und dann unverzüglich zu ihm zu kommen.‘“ (S. 11)

Laut dem Befehl aus Washington soll der „Bär“ sofort aufbrechen, um die Besatzung einer Walfangflotte zu retten, die überraschend vom Packeis eingeschlossen wurde.

„‚Wir sollen die Besatzungen von sieben Walfangschiffen retten, die vermutlich von dem frühen Winterbeginn bei Point Barrow überrascht wurden und vom Eis eingeschlossen sind – zweihundertfünfundsiebzig Seeleute.‘“ (S. 15)

Kapitän Tuttle fühlt sich durch diesen Auftrag geehrt und der „Bär“ macht sich sofort auf den Weg. Doch schon bald bemerkt die Besatzung, dass diese Anweisung nicht so einfach auszuführen ist, wie zuerst gedacht.

Durch einen Sturm muss das Schiff vor der Insel Lee ankern. Nach dem Unwetter bemerkt man jedoch, dass das Schiff von Treibeis eingeschlossen wurde.

„Als sich nach zwei Tagen der Sturm legte […] sahen sie, dass der Sturm die Bucht, in der sie Zuflucht fanden, mit ungeheuren Massen aufgetürmten Treibeises verschlossen hatte, die der zunehmende Frost zudem noch in wenigen Stunden zu einem undurchdringlichen Wall zusammenfügte.“ (S. 18)

Dem Schiff bleibt nichts anderes übrig, als an der Insel zu bleiben und die 275 Seeleute im Stich zu lassen.

„An die Rettung der Walfänger konnte kein einziger Gedanke mehr verschwendet werden […] sie waren bis zum nächsten Frühjahr Gefangene des Winters – nicht anders als die zweihundertfünfundsiebzig Menschen bei Point Barrow, wenn auch besser als jene für eine solche Haft gerüstet.“ (S. 18/19)

Jarvis möchte dies jedoch nicht wahrhaben und schmiedet einen Plan, die 275 Seeleute dennoch zu retten.

„Der Plan besteht […] darin, eine Rentierherde nach Point Barrow zu treiben.“ (S. 36)

Der Rest der Mannschaft ist von Jarvis Idee überhaupt nicht überzeugt und lacht ihn eher aus als zu helfen.

„[…] sein Blick prallte überall gegen ablehnende, beinahe angewiderte Mienen. Seine Erregung […] verdross alle.“ (S. 21)

MacAllen jedoch ist im Gegensatz zu der übrigen Mannschaft von Jarvis überrascht und sein Vorschlag bringt ihn zum Nachdenken.

„Nur MacAllen sah Jarvis überrascht an, innerlich zwischen Mitgefühl, Neugier und Spott schwankend.“ (S. 21)

Und nach kurzem Zögern beschließt der Arzt, der eigentlich nur für seine anthropologischen Studien zur Nuniwakinsel mitgenommen werden wollte, mit Jarvis mitzukommen.

„‚In einem jedenfalls ist er uns weit überlegen: er weiß offenbar einen Weg. Und wer einen Weg weiß, ist allemal im Besitz des stärkeren, besseren Rechts gegenüber jeder noch so beredten Klugheit […] Es ist so, und nur deswegen gehe ich mit Ihnen.‘“ (S. 26)

Jarvis ist sofort damit einverstanden.

Doch wird den zwei ihr Plan gelingen? Werden die 275 Männer gerettet…? Und was passiert mit Jarvis und McAllen…?

Im Laufe des Buches wird die Reise von Jarvis und McAllen zu Point Barrow beschrieben.

Mir gefällt der Roman gut.

Die Geschichte ist sehr lang und spannend und man fiebert richtig mit den zwei Männern mit, die ganz alleine die Besatzungen der Walfangschiffe retten wollen.

Die einfachen Illustrationen von K.J. Blisch gefallen mir sehr gut.

Da das Buch auf Berichten von wahren Begebenheiten beruht, die sich 1867/68, 1871/73 und 1893/94 zugetragen haben, wird die Geschichte noch spannender und lebendiger.

Da hauptsächlich Jarvis im Roman mehrmals eigene, sehr lange Geschichten aus seinem Leben erzählt, kommt man manchmal durcheinander, was Jarvis gerade erzählt und was wirklich im Buch passiert.

Ich empfehle den Roman „Kein Winter für Wölfe“ dennoch weiter.

Hinterlasse einen Kommentar