
Der Roman „Was vom Sommer übrig ist“ von Tamara Bach ist 2012 im Carlsen Verlag erschienen. Er hat 139 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von der siebzehnjährigen Louise und der dreizehnjährigen Jana, kurz vor Beginn der Sommerferien.
Louise wohnt mit ihren Eltern zusammen, die beide in einem Krankenhaus arbeiten. Die Mutter als Krankenschwester, der Vater als Hausmeister.
„Mutter: Krankenschwester im hiesigen Krankenhaus […] Vater: Elektriker, Hausmeister, angestellt am selben Krankenhaus […] Keine Geschwister.“ (S. 11/12)
Louise sieht die beiden nicht oft und steht ihnen nicht sehr nahe. Meist arbeiten ihre Eltern nachts im Krankenhaus und müssen sich tagsüber erholen.
„Meine Eltern arbeiten in Schichten. Meine Eltern sind in Schichten zu Hause. Zu Hause gibt es eine Vater- und eine Mutterschicht, es gibt kleine Zeiten, da sind beide zu Hause, und es wird Sorge getragen, dass dann immer einer wach ist.“ (S. 10)
Obwohl Louise gerade ihren Führerschein macht, beschließt sie, in den Ferien einen Job in einer Bäckerei anzunehmen, da ihre Familie sowieso nicht in den Urlaub fährt und der Bäcker gerade eine Vertretung sucht.
„‚Geh zum Ampelbäcker‘, hat meine Oma gesagt, als sie gehört hat, dass ich einen Job suche, denn meine Oma kennt den Ampelbäcker, und weil im Sommer doch alle mit Kindern wegfahren, sucht er eine Vertretung.“ (S. 16)
Doch bei dieser einen Arbeit bleibt es nicht. Für einen Freund, Jonas, der mehrere Wochen im Urlaub ist, will Louise morgens Zeitung austragen.
„‚Ich bin vier Wochen weg. Da kommt gut was zusammen. Ich kann halt nicht einfach so vier Wochen wegfahren. Das machen die nicht mit, da bin ich meinen Job los.‘“ (S. 19)
Und dann muss Louise auch noch mit Bonnie, dem Hund ihrer Oma Gassi gehen, weil diese in die Toskana fährt.
„‚Und ich fahre ja ab Montag, für vier Wochen, und da wollte ich fragen, ob du vielleicht Bonnie nehmen kannst. Du kommst doch so gut mit ihr zurecht. Du bist doch so gut mit Hunden.‘“ (S. 14)
Jana dagegen hat ganz andere Probleme. Ihr Bruder Tom hat einen Selbstmordversuch unternommen und liegt seitdem im Krankenhaus im Koma.
„Der? Der doch nicht! Kopfschütteln, ungläubig. Aber sind ja immer die ruhigen. Und Tom, so gesund, so rotbackig. Hat ja auch Sport gemacht.“ (S. 39)
Janas Eltern vernachlässigen Jana seitdem und kümmern sich nicht gut um sie. Sie haben sogar ihren Geburtstag vergessen.
„Auf dem Küchentisch steht nur steht nur Frühstück, auf dem Zettel steht nur, dass wir uns im Krankenhaus sehen. Keine Kerze? Keine Kerze. Kein Kuchen, kein Keks. Keine Karte.“ (S. 28)
Weil Jana den ganzen Tag alleine ist, stromert sie meist durch die Straßen. Eines Tages sieht Louise sie auf einem Stromkasten, als sie gerade mit Bonnie Gassi geht.
„Und da seh ich auf einem Stromkasten ein Mädchen sitzen, einfach so obendrauf, keine Ahnung, wie die da hochgekommen ist.“ (S. 25/26)
Jana quatscht Louise sofort an. Louise möchte allerdings nichts von ihr wissen.
„‚Hör mal zu, Kleine, ich hab keine Zeit, ich muss jetzt nach Hause. Viel Spaß noch beim Polizeispielen. Und tschüs.‘ Ich dreh mich um und marschiere die wenigen Meter zu unserem Haus, zerre Bonnie rein und Tür zu.“ (S. 27)
Doch Jana möchte Louise unbedingt kennen lernen und klopft so lange an ihre Tür, bis sie aufmacht.
„Es klingelt an der Tür, es klopft […] Es klingelt und klopft […] Es klingelt und klopft. Und dann höre ich plötzlich eine Stimme durch die Haustür, durch den Flur, durch die Zimmertür. Derjenige, der da vor der Tür steht, hat eine ziemlich laute Stimme.“ (S. 34)
Werden Jana und Louise Freunde …?
Mir gefällt das Buch gut.
Die abwechselnden Erzählungen aus der Perspektive von Jana und Louise finde ich passend.
Der Schreibstil der Geschichte ist sehr interessant. Die Sätze sind oft unvollständig und an manchen Stellen wechseln die Themen sehr schnell.
„Am Kiosk hol ich mir eine Limo, die ist aber nach zwei Ecken schon wieder leer. Ich sauf mich noch dumm und dusslig bei der Hitze. Also geh ich in den Supermarkt und kauf mir eine große Flasche Wasser. Hab aber keine Tasche dabei, das ist doof.“ (S. 72)
Mir gefällt das gut, für manche könnte diese Schreibweise aber auch nervig sein.
Obwohl das Buch sehr kurz ist und nur wenige Tage erzählt, bleibt es immer spannend und wird nicht langweilig.
Insgesamt würde ich „Was vom Sommer übrig ist“ weiterempfehlen.