
Der Roman „Dunkelnacht“ von Kirsten Boie ist 2021 im Oetinger Verlag erschienen. Er hat 127 Seiten und eignet sich für Kinder ab 15 Jahren. „Dunkelnacht“ wurde 2022 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
Das Buch spielt in Penzberg, einer Kleinstadt in Oberbayern, vom 27. bis zum 29. April 1945, also gegen Ende des Zweiten Weltkriegs.
„Fast sechs Jahre ist es jetzt her, da sind die deutschen Truppen in Polen einmarschiert, haben es in wenigen Tagen überrannt, haben auch halb Frankreich besetzt, die Niederlande, Dänemark – ach, fast ganz Europa […] Der Führer hatte Deutschland zum Herrscher über alle anderen gemacht […]“ (S. 11)
Die Bürger von Penzberg wissen, dass die Amerikaner kurz vor München stehen und die Deutschen bald besiegt sein werden. Sie ersehnen das Ende des Krieges.
„‚Sie sagen, die Amerikaner sind vielleicht morgen schon da! […] Sind ja schon ganz nah!‘“ (S. 8)
Gemeinsam mit einigen anderen Männern aus Penzberg fordert der frühere sozialdemokratische Bürgermeister Hans Rummer den NSDAP- Bürgermeister Vonwerden auf, sich zurückzuziehen und sein Amt nicht weiter auszuüben.
„‚Geben Sie mir die Schlüssel, Vonwerden! […] Sie sind nicht mehr der Bürgermeister. Sie wissen es doch auch aus dem Radio […] Sie […] können gehen, Vonwerden, als freier Mann können Sie dieses Rathaus verlassen.‘“ (S. 38/39)
Vonwerden zieht widerstandslos ab. Allerdings hört eine Wehrmachtkompanie auf dem Weg zur Alpenfestung davon und Oberstleutnant Ohm befiehlt, die Aufständischen im Rathaus hinzurichten.
„‚Jetzt haben sie das Rathaus umstellt! Wehrmacht überall! Und sie lassen keinen mehr hinein und keinen hinaus!‘“ (S. 53)
Und noch am gleichen Tag werden die Männer auf dem Richtplatz erschossen.
„Die Soldaten, in Zehnerreihe, legen das Gewehr an […] Als die Salve dröhnt, schreit Marie auf, nicht zu hören unter dem Lärm der Gewehre.“ (S. 77)
Das ist aber noch nicht alles. Der nationalsozialistischen Organisation „Werwolf“ wird befohlen, weitere sozialdemokratische Bürger in Penzberg zu erhängen.
„‚Jetzt kommt endlich der Einsatz fürs Vaterland! Das ganze Rudel nach Penzberg!‘, hat Leit-Wolf Zöberlein befohlen.“ (S. 82)
Am Abend des gleichen Tages werden schließlich mehrere Bürger von den Werwölfen neben dem Rathaus erhängt.
„[…] nun legen sie ihm die Schlinge um den Hals. Wer ihn stößt, wird man später nicht mehr wissen. Wie man keinen von denen kennen wird, die es getan haben, die ganze Nacht.“ (S. 96)
Die Hauptfiguren, die einen durch die Geschichte begleiten, sind drei Jugendliche namens Marie, Schorsch und Gustl.
Marie ist die Tochter von Sebastian Reithofer, einem Mann, der in der Mordnacht von der Werwolf-Einheit gesucht wird.
Der fünfzehnjährige Schorsch ist der Sohn des Polizeimeisters Lahner und in Marie verliebt.
Gustl ist Mitglied der Werwolf-Gruppe und begeisterter Anhänger des Führers.
„Gustl glaubt an den Führer. Gustl glaubt an das Deutsche Reich, die arische Rasse. An den Endsieg glaubt er auch […] Sein Leben für den Führer. Sein Leben für den Sieg.“ (S. 15/16)
Mir gefällt der Roman nicht sehr gut.
Den Hintergrund finde ich sehr interessant. Die beschriebenen Geschehnisse sind nämlich wirklich passiert. Nur Marie, Schorsch und Gustl sind fiktive Figuren. Da die Geschichte von Penzberg nicht sehr bekannt ist, ist es interessant, mehr darüber zu erfahren. Auch durch das Nachwort erhält man noch mal mehr Informationen über den geschichtlichen Hintergrund.
Der Roman ist sehr einsilbig und zurückhaltend geschrieben. Die Sätze sind kurz und wirken farblos. Als Leser fühlt man sich meiner Meinung nach sehr unbeteiligt an der Geschichte und findet nicht richtig in das Buch hinein.
Die Gestaltung des Buchs finde ich etwas seltsam. Die Seitenzahlen sind beispielsweise nur auf der rechten Seite einer Doppelseite nebeneinander geschrieben. Auf die Erzählung hat das aber natürlich keine Auswirkungen.
Insgesamt würde ich „Dunkelnacht“ nicht weiterempfehlen.