
Der Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf ist 2010 im Rowohlt Verlag erschienen. Er hat 365 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren. „Tschick“ wurde 2011 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
Das Buch handelt von dem vierzehnjährigen Maik Klingenberg, der im Jahr 2010 mit seinen Eltern in einer Villa in Berlin lebt und die achte Klasse des Hagecius-Gymnasiums besucht.
Maiks Mutter ist Alkoholikerin und besucht regelmäßig eine Entzugsklinik, die die Familie aus Spaß als „Beautyfarm“ bezeichnet.
„Sie ist […] Alkoholikerin. Sie hat Alkohol getrunken, solange ich denken kann […]“ (S. 36)
Maiks Vater hat häufig Probleme in seiner Arbeit und geht mit seiner Assistentin Mona fremd. Maiks Mutter ist dies bewusst.
„Zwischen meinen Eltern war so weit alles klar. Meine Mutter wusste, was mein Vater machte. Und mein Vater wusste auch, was meine Mutter machte. Und wenn sie allein waren, schrien sie sich an.“ (S. 101)
In der Schule gilt Maik als Außenseiter und hat keine richtigen Freunde. Er ist langweilig und unauffällig.
„Es kann sein, dass man langweilig ist und keine Freunde hat. Und ich fürchte, das ist mein Problem.“ (S. 28)
Eines Tages kommt ein neuer Schüler in Maiks Klasse: Andrej Tschichatschow, der wegen seines komplizierten Namens nur „Tschick“ genannt wird. Der vierzehnjährige Tschick lebt erst seit vier Jahren in Deutschland und hat sich von der Förderschule auf das Gymnasium hochgearbeitet.
„‚Vor vier Jahren besuchte er zuerst die Förderschule. Dann wurde er auf die Hauptschule umgeschult […] Dann ein Jahr Realschule, und jetzt ist er bei uns, und das alles in nur vier Jahren.‘“ (S. 64)
Tschick wird nach seinem ersten Schultag nicht weiter beachtet. Es scheint jedoch, als käme er mehrmals leicht betrunken in die Schule. Generell wirkt Tschick etwas verwahrlost und ungepflegt.
„Tschick kam immer im selben abgewrackten Hemd zur Schule, beteiligte sich nicht am Unterricht […] man hatte immer, wenn man in die letzte Reihe guckte, den Eindruck, er wäre irgendwie weggetreten.“ (S. 67)
Am ersten Tag der Sommerferien ist Maik alleine zu Hause, weil sein Vater angeblich für zwei Wochen eine Geschäftsreise mit Mona unternimmt und seine Mutter einen Aufenthalt in der Entzugsklinik hat.
Zufällig kommt Tschick auf seinem kaputten Fahrrad an Maiks Villa vorbei und fragt ihn, ob er Flickzeug für sein Fahrrad ausleihen kann. Maik leiht ihm Werkzeug aus, macht aber keine Anstalten, sich mit Tschick zu unterhalten.
„Tschichatschow […] war nach meinem Vater jetzt so ungefähr die letzte Person, der ich begegnen wollte […] ich ging sofort ins Haus […]“ (S. 109)
Schließlich kommen die beiden aber doch ins Gespräch und spielen sogar zusammen Videospiele.
„Wir redeten nur so rum, und am Ende kam es, wie es kommen musste, und wir landeten vor der PlayStation und spielten GTA.“ (S. 111)
Am nächsten Tag kommt Tschick wieder zu Maik, diesmal aber mit einem Auto – einem alten hellblauen Lada Niva.
„Ein klappriges Auto kam die Straße runtergefahren […] Eine Minute stand der […] Lada […] mit laufendem Motor vor unserer Garage […] Die Fahrertür ging auf, Tschick stieg aus.“ (S. 116)
Tschick erzählt, dass er mit ihm zusammen in diesem „geborgten“ Auto zu seinem Großvater in die Walachei (eine Landschaft im Süden des heutigen Rumänien) fahren möchte.
„‚Mein Großvater wohnt irgendwo am Arsch der Welt in einem Land, das Walachei heißt. Und da fahren wir morgen hin.‘“ (S. 139)
Maik ist erst einmal skeptisch, aber als Tschick wieder gefahren ist, geht ihm der Gedanke an die Reise nicht mehr aus dem Kopf.
„Tatsächlich fing der Gedanke langsam an, mich zu beschäftigen.“ (S. 142)
Und wirklich brechen die beiden am nächsten Tag um vier Uhr nachts auf, obwohl Tschick noch nicht einmal einen Führerschein hat.
„Wir fuhren Tempo 30 zwischen Wiesen und Feldern hindurch, über denen langsam die Sonne aufging […] und es war das Schönste und Seltsamste, was ich je erlebt habe.“ (S. 148)
Werden Maik und Tschick wirklich in die Walachei kommen…? Und was werden die beiden für Leute auf ihrer Reise kennenlernen…?
Im Laufe des Buches wird die Reise von Maik und Tschick beschrieben.
Mir gefällt der Roman sehr gut.
Die Geschichte ist spannend und fesselnd und die Spannung lässt auch nicht nach, wie das bei manchen anderen Büchern der Fall ist.
Obwohl es sehr viele Romane der gleichen Art gibt, (zwei Jugendliche mit familiären Problemen laufen von Zuhause weg und unternehmen eine Reise…) ist dieses Buch sehr gelungen.
Das liegt besonders an dem Schreibstil der Geschichte. Die Ich-Perspektive von Maik ist passend und trifft den Erzählstil eines Jugendlichen sehr gut. Dabei wirkt das Ganze auch nicht künstlich oder nachgemacht. Durch diese Schreibweise wirkt die Geschichte sehr lebendig und an vielen Stellen muss man auch über die Beschreibung und die Wortwahl lachen.
Gegen Ende des Buches ist die Handlung durch einen kurzen Krankenhausbesuch meiner Meinung nach etwas verwirrend. Ich hätte diesen Teil eher weggelassen.
Insgesamt würde ich „Tschick“ auf jeden Fall weiterempfehlen.