J. M. M. Nuanez: Birdie und ich

Der Roman „Birdie und ich“ von J. M. M. Nuanez ist 2022 in deutscher Übersetzung im dtv Verlag erschienen. Er hat 284 Seiten und eignet sich für Kinder ab 11 Jahren.

Das Buch handelt von den zwei Geschwistern Jack und Birdie Royland, die bei ihrem Onkel Carl in Nordkalifornien leben, weil ihre Mutter bei einem Autounfall gestorben ist.

Jack hat als ältere Schwester nach dem Tod ihrer Mutter die Verantwortung für den neunjährigen Birdie übernommen. Denn er kleidet sich oft anders als andere Jungen. Statt schlichten Jeans und T-Shirts trägt er lieber Leggings mit Leopardenmuster und auffällige Hemden mit kleinen Bildchen. Birdie schminkt sich gerne und trägt lila Nagellack.

„Birdie […] hat heute sein gelbes Hemd an, das mit Erdbeeren übersät ist […] dazu trägt er seine Regenbogensneakers […] Seine lila Lieblingsjacke hält er im Arm […]“ (S. 11)

Jack stört das überhaupt nicht. Und auch Onkel Carl ist es ziemlich egal, was Birdie trägt. Den Kindern gefällt es daher gut bei ihm und auch wenn Carl manchmal wichtige Termine vergisst oder kein gutes Essen kochen kann, mögen ihn Jack und Birdie sehr gerne.

Aber nicht jeder findet Onkel Carl als Erziehungsberechtigten so geeignet, weshalb die beiden Geschwister bald zu ihrem anderen Onkel namens Patrick ziehen müssen, der im gleichen Ort wie Carl lebt.

„Onkel Carl hat zu oft Mist gebaut, deshalb müssen wir jetzt zu unserem anderen Onkel ziehen, zu Patrick.“ (S. 9)

Bei ihm gefällt es den beiden nicht so gut wie bei Carl. Patrick ist sehr schweigsam und weiß nicht so richtig, wie er mit Jack und Birdie umgehen soll. Und auch über Birdies Kleidung ist Patrick nicht begeistert, was für Birdie etwas ganz Neues ist.

„Bei Mama durfte Birdie immer anziehen, was er wollte […] Bis jetzt sind seine rosa oder lila T-Shirts, seine Schuhe in Regenbogenfarben und die Leggings mit einem Muster aus rosa Donuts und all das nie ein […] Problem gewesen.“ (S. 30)

Aber es kommt noch schlimmer: Als ein Schüler in Birdies Klasse beginnt, Birdie wegen seiner Kleidung auszulachen und zu schikanieren, kommt Patrick für ein Gespräch mit Birdies Lehrerin in die Schule. Sofort möchte Patrick losziehen, um neue, weniger auffallende Klamotten für Birdie zu kaufen.

„‚Mrs Speckarm […] konnte Patrick überzeugen, dass neue Klamotten all meine Schulprobleme lösen würden. Das Einzige, was er hinterher zu mir gesagt hat, war: ‚[…] am Wochenende […] gehen wir zusammen ins Einkaufszentrum.‘“ (S. 69)

Onkel Patrick meint es zwar gut, aber Birdie und Jack sind sehr empört und beschließen, so schnell wie möglich abzuhauen.

Aber niemand weiß, was in Patricks Innerem vorgeht….

Im Laufe des Buches wird das Leben von Birdie und Jack bei Onkel Patrick beschrieben. Man erfährt, wie die beiden Geschwister in ihrem neuen Zuhause und in der Schule zurechtkommen.

Mir gefällt das Buch gut.

Insgesamt ist das Thema Transgender gut in die Geschichte verwoben worden, sodass auch jüngere Leser ohne große Meinung oder Erfahrung in diesem Bereich den Roman lesen können.

Es wirkt auch nicht so, als hätte die Autorin die Absicht gehabt, ihren Roman lehrreich zu schreiben oder besonders auf das Thema Transgender einzugehen. Dieses so aktuelle Thema ist einfach sehr gut in die Geschichte miteingeflossen, stellt sich aber nicht in den Vordergrund.

Die einzelnen Charaktere des Romans finde ich sehr interessant, weil so viele unterschiedliche Personen in die Geschichte involviert sind.

Der Roman wird eigentlich nie langweilig, weil man immer gespannt ist, wie die Geschichte ausgeht.

An manchen Stellen habe ich das Gefühl, dass das Buch etwas zu lang wird. Ich hätte die ganze Handlung möglicherweise etwas kürzer gehalten.

Insgesamt würde ich „Birdie und ich“ auf jeden Fall weiterempfehlen.

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