Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten

Der Roman „Was wir dachten, was wir taten“ ist 2019 im Gulliver Verlag erschienen. Er hat 179 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von einer Oberstufenklasse, die während der Mathematikstunde mit ihrem 32-jährigen Lehrer Anton Filler eine Lautsprecherdurchsage hört:

„Es ist ein schwerwiegendes Sicherheitsproblem aufgetreten. Bitte bewahren Sie Ruhe.

Begeben Sie sich sofort in einen geschlossenen Fachraum und warten Sie auf weitere Anweisungen.“ (S. 7)

Die Schüler diskutieren sofort, was passiert sein könnte und viele sind der Meinung, sie würden sich in einem Amoklauf befinden.

„[…] alle redeten durcheinander. Was, ein Amokläufer? Nein, das kann nicht sein. Ein echter Amokläufer?!“ (S. 10)

Die Klasse beschließt schließlich, die Tür zu verriegeln und erst einmal abzuwarten, was als nächstes geschieht.

Sie müssen nicht lange warten, da klopft es an die Tür. Im Klassenraum hört man nur das Schluchzen eines Mädchens, das die Schüler dazu auffordert, die Tür aufzuschließen und sie reinzulassen.

„‚Hilfe, bitte helft mir! Macht auf, bitte!‘ Das war die Stimme eines Mädchens, eines weinenden Mädchens, bestimmt nicht viel älter als zehn Jahre.“ (S. 28)

Die Klasse ist sehr unschlüssig, ob sie dem Kind trauen sollen. Schließlich könnte das Mädchen auch nur ein fieser Hinterhalt sein.

„[…] vielleicht war das ein Trick. Ein ganz hinterhältiger Plan, um uns aus dem Klassenzimmer zu locken […]“ (S. 29)

Letzten Endes entscheiden sich die Schüler dafür, dem Mädchen aufzumachen – ein großer Fehler.

„Die Tür schwang auf. 
Davor stand ein schniefendes Mädchen mit zwei kurzen Zöpfen. 
Und einer Pistole an der Schläfe.“ (S. 34)

Der Unbekannte, der mit dem kleinen Mädchen in den Raum gekommen ist, hat eine weiße Maske auf und gibt keinen Ton von sich. So wissen die Schüler nicht, wer er ist.

„Der Kerl trug mehrere Kapuzenjacken übereinander, eine lange dunkle Hose, ausgelatschte Turnschuhe und eine weiße Maske, die ihm den starren Ausdruck einer Schaufensterpuppe gab. Die Anonymität in Person.“ (S. 40)

Die Klasse ist sehr eingeschüchtert und auch Herr Filler hat keine Ahnung, was zu tun ist. Ihre einzige Hoffnung ist die Polizei, die bald an der Schule antreffen soll.

„Die Polizei, ja, die würde uns retten, zu uns hinaufstürmen und den Amokläufer in Handschellen legen. Denn das war ja schließlich ihr Job […]“ (S. 41)

Während die geschockten Schüler nur zuschauen können, schießt der Unbekannte mit seiner Pistole auf das Türschloss, sodass keiner mehr den Raum verlassen kann.

„[…] keine Ahnung, wie viele Schüsse es tatsächlich waren, jedenfalls gab die Vorrichtung irgendwann den Geist auf […] Der Typ hatte uns – und sich! – soeben den Fluchtweg abgeschnitten.“ (S. 50)

Ab diesem Moment beginnen für die Schüler und natürlich für Herrn Filler die wohl schlimmsten zwei Stunden ihres Lebens. Der Unbekannte fordert Herrn Filler dazu auf, zehn Zettel in mitgebrachten Briefumschlägen vorzulesen, auf denen für unterschiedliche Schüler verschiedene Aufgaben stehen.

„[…] der Unbekannte […] knallte ein prall zusammengeschnürtes Päckchen auf den Tisch. Lauter einzelne Briefumschläge […] zehn Stück. Auf dem obersten prange eine große, schwarze Eins.“ (S. 67)

Während der erste Wunsch, der besagt, dass Herr Filler einer Schülerin namens Greta ins Gesicht spuckt, noch harmlos ist, werden die anderen neun Wünsche immer heftiger. Nach und nach werden die Schwächen und Geheimnisse aller Schüler aufgedeckt.

Wer ist diese Person, die alle durchschaut…?

Im Laufe des Buches wird beschrieben, wie die Schüler und sogar Herr Filler verschiedene Aufgaben lösen müssen. Dabei erfahren die Schüler weit mehr über die anderen, als ihnen lieb ist. Und die ein oder andere Überraschung gibt es während diesen zwei Stunden auch.

Mir gefällt der Roman sehr gut.

Die Geschichte ist total fesselnd und man kann gar nicht richtig aufhören zu lesen, weil man sich nicht gut vorstellen kann, wie es wohl weitergeht.

Die Geheimnisse, die durch die zehn Aufgaben ans Licht kommen, sind überraschend und teils sehr drastisch.

Vieles wird erst am Ende des Buches klar, was es auch noch mal etwas spannender macht. Während des Lesens weiß man also nie, was als nächstes auf einen zukommt.

Auch das Erzählen aus drei Perspektiven ist passend. Abwechselnd erzählen Herr Filler, die Schülerin Fiona Nikolaus und der Schüler Mark Winter die Geschichte aus ihrer Sicht. Dabei erfährt man nicht nur etwas über den jeweiligen Erzähler, sondern hat auch verschiedene Sichtweisen und Meinungen auf das Geschehen.

Wenn man etwas über das Geschehen nachdenkt, gibt es ein paar Dinge, die wahrscheinlich anders abgelaufen wären. Beispielsweise bemerken die Schüler, dass der Unbekannte sie alle sehr gut kennt, kommen aber trotzdem nicht darauf, wer es ist. Am Ende wird die Identität des Täters dann auch aufgelöst, ich finde aber, die Schüler hätten schon früher darauf kommen müssen.

Die Geschichte ist sehr schockierend, auch wenn das Buch relativ dünn ist. Für die meisten Kinder unter 14 Jahren ist der Roman wahrscheinlich sehr heftig.

Ich würde „Was wir dachten, was wir taten“ auf jeden Fall weiterempfehlen.

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