
Der Roman „Nach vorn, nach Süden“ von Sarah Jäger ist 2021 im Rowohlt Verlag erschienen. Er hat 221 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von einer Gruppe Jugendlicher, von denen einige als Aushilfen in einem Penny-Markt arbeiten. Ihre Pausen und ihre Freizeit verbringen die acht – Otto, Can, Marie, Vika, Pavel, die Brüder Leroy und Marvin und „Entenarsch“, die Erzählerin – auf dem Hinterhof des Supermarktes.
„Manchmal denke ich, dass einige von uns nur beim Penny arbeiten, damit sie eine Ausrede haben, um auf dem Hinterhof abzuhängen.“ (S. 7)
Die Mitglieder der Gruppe sind ganz unterschiedlich. Da ist einmal Can, der sich mit jedem unterhalten kann und scheinbar keine Probleme hat.
„Can ist immer der Erste, den man sieht. Es gibt ja so Menschen. Die kommen in den Raum, und alles wirft Funken.“ (S. 9)
Dann ist da noch Vika, die schon ein kleines Baby namens Fine hat und immer nur T-Shirts mit coolen Sprüchen anhat.
„[…] Vika trägt eine Jogginghose […] mit weißen Streifen. Auf ihrem Shirt steht in goldenen Lettern ‚Born to win‘.“ (S. 9/10)
Otto, Vater von Fine, spielt in einer Rockband. Seine Beziehung mit Vika läuft nicht ganz so gut. Immer öfter kommt neuerdings Yasmin mit auf den Hinterhof, seine neue Freundin.
„Otto ist Bassist in einer Band, die ‚Blümchenschlüpper‘ heißt. Er arbeitet beim Penny, aber nie am Wochenende. Dann reisen sie durchs Land, Otto und seine Band.“ (S. 12)
Und natürlich gibt es auch Marie, die beliebteste unter den acht.
„Wenn Menschlichkeit ein Gesicht hat, dann soll sie bitte so aussehen wie Marie. Ein Gesicht, das keine Schminke braucht, weil es nichts zu verbergen hat.“ (S. 10)
Auch Pavel, der von allen „unser Pavel“ genannt wird, darf nicht fehlen. Er kann vieles bauen, gerade plant er einen Aussichtsturm für den Hinterhof. Ein Plastikdach gegen Regen stammt auch von ihm. Sein bester Freund ist Otto.
„Es regnet nicht, aber das ist unserem Pavel vollkommen schnuppe. Das Plastikdach ist Pavels ganzer Stolz.“ (S. 11)
Marvin und Leroy sind Geschwister und noch nicht lange bei der Hinterhofgruppe dabei. Sie halten sich eher im Hintergrund.
„Sie haben heute noch keinen Ton gesagt […] Stattdessen tippen sie unentwegt auf ihren Smartphones herum. Leroy arbeitet noch nicht lange beim Penny, und er wird auch nicht lange bleiben. Marvin ist Leroys Bruder. Er ist erst dreizehn und der Jüngste von uns.“ (S. 14)
Und mittendrin „Entenarsch“, die unbeholfene Erzählerin, die nicht richtig zur Gruppe gehört und als einzige im Hinterhof nicht im Gruppenchat ist.
Doch genau genommen fehlt da jemand: Jo. Jo war in einer Beziehung mit Marie, doch vor ungefähr einem halben Jahr ist er plötzlich verschwunden. Die einzigen Lebenszeichen von ihm sind die Postkarten, die er Marie schickt.
„Seit sechs Monaten ist Jo verschwunden. Er wurde nicht entführt, er wurde nicht verschleppt, er ist einfach abgehauen.“ (S. 22)
Eines Abends, als sie gerade ihren Realschulabschluss feiert, beschließt Marie, sich auf die Suche nach Jo zu machen. Can erklärt sich sofort dazu bereit, sie zu begleiten. Allerdings haben beide keinen Führerschein.
Überraschenderweise meldet sich „Entenarsch“ freiwillig als Fahrerin. Und das, obwohl sie ihren üblen Spitznamen von Jo bekommen hat.
„Jo ist die erste Person gewesen, die mich Entenarsch genannt hat. Das werde ich wohl nie vergessen, das werde ich immer wissen, und das werde ich ihm auch nie verzeihen.“ (S. 29)
Mit dem kleinen Corsa von „Entenarsch“ geht es schließlich am nächsten Morgen los. Doch schnell stellt sich heraus, dass sie nicht so gut Auto fahren kann, wie Can und Marie dachten. Ständig würgt sie den Motor ab, sie möchte nicht auf der Autobahn fahren und eingeparkt hat sie noch nie in ihrem Leben.
„Inzwischen sind wir zwanzig Minuten unterwegs. Unterwegs trifft es nicht ganz, denn wir stehen mal wieder, an einer grünen Ampel […] ich bin zu sehr damit beschäftigt, den Wagen neu zu starten und nicht absaufen zu lassen […]“ (S. 30/31)
Wann werden die drei Jo wohl finden…?
Im Laufe des Buches wird beschrieben, wie sich Can, Marie und „Entenarsch“ bemühen, Jo zu finden und von Hinweis zu Hinweis reisen, immer weiter nach Süden…
Mir gefällt „Nach vorn, nach Süden“ sehr gut.
Die Geschichte wird nicht langweilig und man kann sich nie genau denken, wie sie ausgeht. Die einzelnen Charaktere sind gut ausgewählt und beschrieben. Man lernt jeden genau kennen und kann sich in einigen sicher wiederfinden.
Auch die Erzählerin „Entenarsch“, deren richtigen Namen man erst am Ende des Buches erfährt, führt einen gut durch die Geschichte. Von ihr erfährt man deshalb am meisten und kann auch ihre Entwicklung in der Gruppe mitverfolgen.
Die Handlung ist an einigen Stellen sehr lustig und während des Lesens muss man öfters mal lachen.
Auch die Dialoge sind sehr glaubwürdig und passen vom Sprachstil her gut zum Alter der jeweiligen Personen.
Einige Stellen des Romans habe ich noch immer nicht richtig verstanden, auch nach mehrmaligem Nachlesen der jeweiligen Stelle. Manche Entschlüsse der Gruppe kommen auch sehr plötzlich, sodass man aufpassen muss, nichts zu verpassen.
Dennoch empfehle ich „Nach vorn, nach Süden“ auf jeden Fall weiter.