John Boyne: Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket

Der Roman „Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“ von John Boyne ist 2015 in deutscher Übersetzung im S. Fischer Verlag erschienen. Er hat 281 Seiten und eignet sich für Kinder ab 10 Jahren.

Das Buch handelt von einem achtjährigen Jungen namens Barnaby Brocket, der gemeinsam mit seinen älteren Geschwistern Henry und Melanie und seinen Eltern Alistair und Eleanor, die beide als Anwälte arbeiten, in Sydney lebt.

Barnabys Eltern ist es sehr wichtig, so normal wie möglich zu sein. Für sie heißt das hauptsächlich sich unauffällig zu benehmen und sich so wie der Großteil der anderen Menschen zu verhalten.

„[…] Alistair […] führte ein normales Leben in einem normalen Haus, lebte in einem normalen Viertel und machte ganz normal lauter normale Sachen. Seine Frau war normal […]“ (S. 7)

Und auch Henry und Melanie sind, nach Ansicht der Eltern, völlig normal.

„Henry passte gut zu seinen Eltern, er war ein sehr braver kleiner Junge […] Melanie […] tat nichts, was sie von den anderen Kindern in ihrer Straße in irgendeiner Hinsicht abhob.“ (S. 12/13)

Barnaby, das dritte Kind von Eleanor und Alistair, verhält sich, ganz zum Verdruss der Eltern, leider nicht wie Henry und Melanie. Denn Barnaby schwebt.

Schon seit seiner Geburt kann er sich nicht selbstständig auf dem Boden halten und schwebt, wenn niemand ihn festhält, bis zur Zimmerdecke.

„[…] Barnaby Brocket, das dritte Kind der normalsten Familie, die je in der südlichen Hemisphäre gelebt hatte, war […] alles andere als normal […] denn er weigerte sich, dem elementarsten aller Gesetze zu gehorchen. Dem Gesetz der Schwerkraft.“ (S. 15/17)

Besonders nach der Geburt waren Alistair und Eleanor tief betroffen und behandelten Barnaby nicht so wie Henry und Melanie. Sie wollten eine normale Familie bleiben und hatten keine Lust auf eine Ausnahme wie Barnaby. Doch das Schweben konnte Barnaby auch nach einigen Jahren nicht verhindern, sodass die Eltern mit ihm zu einem Arzt gingen, leider erfolglos.

„Alistair und Eleanor gingen mit ihm zu einem Arzt in der Nähe, der ihn gründlich untersuchte und dann vorschlug, sie sollten ihm zwei Tabletten geben und am nächsten Morgen wiederkommen, aber dadurch wurde nichts besser.“ (S. 30)

Während Henry und Melanie Barnabys merkwürdiges Verhalten nicht weiter schlimm finden, werden Alistair und Eleanor immer frustrierter. Sie gehen mit Barnaby sogar nicht aus dem Haus, um keine neugierigen Nachbarn auf ihn aufmerksam zu machen.

„Alistair […] wusste, dass er in Begleitung seines Sohnes unvermeidlich zu den Menschen gehören würde, die er schon immer verachtete: Mit Barnaby wäre er jemand, der anders war als die anderen.“ (S. 32)

So bleibt Barnaby jeden Tag zu Hause und die Leute bekommen nicht viel von ihm mit. Doch als er sechs Jahre alt wird, beschließen Alistair und Eleanor, dass Barnaby trotz alledem eine Schule besuchen sollte.

„‚Wir können es uns nicht leisten, dass zu all seinen anderen Mängeln auch noch Unwissen und Dummheit kommen‘ […]“ (S. 43/44)

Da die Eltern Barnaby nicht auf eine normale Schule schicken möchten, kommt er in die Ultimative Akademie für unerwünschte Kinder, in der er auch seinen neuen Freund Liam McGonagall kennenlernt, einen Jungen ohne Hände.

„Seine Arme endeten an den Handgelenken, und da, wo eigentlich die Hände sein müssten, hatte er zwei praktische Haken aus Edelstahl. Das erschreckte die meisten Kinder in der Klasse, doch Barnaby störte sich nicht im geringsten daran.“ (S. 47)

Die Akademie ist leider sehr streng und ähnelt mehr einem Gefängis als einer Schule. Doch Alistair und Eleanor sind nur froh, dass sie Barnaby nur noch abends sehen müssen.

Da sein Alltag nun noch schwieriger geworden ist, bekommt Barnaby auch einen neuen Rucksack – allerdings mit jeder Menge Sandsäcken darin.

Das Gewicht soll ihm helfen, auf dem Boden zu bleiben und als Barnaby das erste Mal seinen Rucksack aufzieht, ist Eleanor begeistert.

„Anfangs hoben sich seine Füße vom Boden, und ein paar Sekunden lang sah es so aus, als würde er wegschweben, doch dann drückte das massive Gewicht des Rucksacks ihn wieder nach unten […] ‚Es funktioniert!‘ Eleanor klatschte entzückt in die Hände.“ (S. 57)

Der Rucksack ist zwar sehr schwer zu tragen und Barnaby beschwert sich oft, was Eleanor aber egal ist.

Doch als Barnaby eines Tages mithilfe des neuen Rucksacks mit seiner Mutter zu Mrs Macquarie’s Chair, einer in Fels gehauenen Sitzbank in Sydney, spazieren geht, passiert das Unglaubliche: Eleanor schneidet Barnabys Rucksack auf, sodass er sich nicht mehr auf dem Boden halten kann und immer weiter hinaufschwebt. Eleanor macht keine Anstalten, ihm zu helfen und natürlich gibt es auch keine Zimmerdecke, gegen die Barnaby stoßen kann. So schwebt er immer weiter hinauf. Was wird wohl mit Barnaby passieren…?

Im Laufe des Buches wird beschrieben, wie Barnaby versucht, wieder nach Hause zu kommen. Auf seinem weiten Weg lernt er viele Menschen kennen, nette sowie böse. Doch möchten Eleanor und Alistair Barnaby überhaupt sehen?

Mir gefällt das Buch ganz gut.

Die Geschichte ist zwar eher für kleine Kinder geschrieben und ist auch sehr einfach und flüssig zu lesen, die Botschaft hinter dem Roman ist jedoch weit größer.

Während des Lesens überlegt man sich oft, was eigentlich „normal“ heißt und ob man ein „normales“ Verhalten festlegen kann. Das Buch regt also auch zum Nachdenken an, weshalb ich es auch älteren Kindern oder Erwachsenen empfehlen würde.

Barnaby tat mir während des Lesens oft leid, da seine Eltern ihn nicht so akzeptieren, wie er ist. Das Buch ist aber nicht zu traurig. Der Text an sich ist sogar eher witzig geschrieben.

Die Bilder von Oliver Jeffers finde ich persönlich nicht sehr schön, man hätte sie meiner Meinung nach auch weglassen können. Auf einem Bild ist Barnaby auch ohne seinen Rucksack dargestellt, steht aber dennoch auf dem Boden, was ja eigentlich nicht sein kann.

Insgesamt würde ich „Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“ weiterempfehlen.

Hinterlasse einen Kommentar