
Der Roman „Die abenteuerliche Geschichte der Filomena Findeisen“ von Karla Schneider ist 1992 im Beltz Verlag erschienen und hat 356 Seiten.
Das Buch handelt von der dreizehnjährigen Filomena Findeisen, genannt Filo, die im Jahre 1813 in Dresden lebt.
Filomena wohnt zusammen mit ihrem Onkel Leberecht, ihrer Tante Amalie, genannt Male, ihrem achtzehnjährigen Cousin Veit und ihrer kleinen Cousine Gustchen in der Armenschule ihres Onkels. Ihre Mutter starb als Filo drei Jahre alt war, inzwischen lebt sie schon seit sechs Jahren in Dresden.
„Seit über sechs Jahren lebte sie jetzt bei Tante Male und Onkel Leberecht […] ‚Du warst kaum drei, als sie starb […] Aber eure Mühle, die Mühle von Stroga, muss dir […] einfallen. Immerhin warst du schon sechseinhalb, als dein Vater dich zu uns gebracht hat.‘“ (S. 19/20)
Warum Filos Vater sich nicht um sie gekümmert hat, weiß Filo nicht genau. Auch Tante Male möchte nicht gerne darüber sprechen.
„Über den Grund, warum der Vater sie von Verwandten aufziehen ließ wie eine Waise, sprach Tante Male merkwürdig kurz angebunden. Er hatte wieder geheiratet, viel mehr war aus ihr nicht herauszubekommen.“ (S. 20)
Trotzdem gefällt es Filo in Dresden sehr gut. Bis vor kurzem besuchte sie sogar die Armenschule ihres Onkels, doch er beschloss, sie habe genug gelernt.
„‚Ich glaube, ich hab dir nun alles beigebracht, was es bei mir zu lernen gibt, Filo, meine Große […] Und ich denke, dass es für dich Nützlicheres zu tun gibt, als gelangweilt herumzusitzen und den anderen vorzusagen.‘“ (S. 10)
Deshalb hilft Filo ihrer Tante Male in der Küche und kümmert sich um die fünfjährige Gustchen.
„So half Filomena der Tante beim Kochen des Schulessens – morgens ein Kessel Grütze, mittags Gemüseeintopf – und kümmerte sich um Gustchen, ihre fünfjährige Cousine.“ (S. 10)
Mehrmals hat Filomena auch versucht, eine Freundin in der Armenschule zu finden. Sie hatte jedoch nie großen Erfolg, weshalb sie wieder damit aufgehört hat.
„In den ersten Jahren hatte sie versucht, unter den Mädchen der Armenschule eine Freundin zu finden, aber die meisten waren Pflegekinder und mussten nach dem Unterricht arbeiten […] Die wenigen anderen Mädchen der Schule waren entweder jünger als Filomena oder furchtbar langweilig.“ (S. 20/21)
Einen Freund hat Filomena dennoch: Bertram Zeibig und seinen fünfjährigen Bruder Pribislaus, genannt Primel.
Bertram ist sehr unternehmungslustig und aktiv, weshalb er Filo vorschlägt, in die Heide zu schleichen, da sich dort eventuell Räuber verstecken.
„‚Vorm schwarzen Tor, noch hinterm Sand, also da, wo die Heide anfängt, treiben sich welche rum. Einer von den Bräuburschen hat sie gesehen. Entweder eine Räuberbande oder Gaukler, hat er gesagt. Was hältst du davon, wenn wir uns hinschleichen und sie uns angucken?‘“ (S. 30/31)
Filo stimmt zu, auch wenn ihre Tante es gar nicht mag, wenn sie sich in Zeiten von Napoleon zu weit vom Haus entfernt. Denn Napoleon, der Kaiser der Franzosen, führt Krieg und immer öfter ist Militär auf den Straßen unterwegs.
Trotzdem kommt Filo und nimmt sogar Gustchen mit, damit ihre Tante denkt, sie würde nur einen kurzen Spaziergang mit ihr machen.
Gemeinsam mit Bertram und Primel gehen Filo und Gustchen also in die Heide und hören schon bald Stimmen.
„Hier begann eine Stechpalmenhecke, ein glänzendgrünes Stachelgestrüpp. Deutlich drang der würzige, stechende Qualm eines offenen Feuers in ihre Nasen […] Irgendwo hinter diesem Wall aus Stechpalmen spielte jemand auf einer Fiedel.“ (S. 52)
Als die vier näher kommen, erblicken sie ein dreckiges Mädchen, das ungefähr so alt wie Filo aussieht.
„Das Mädchen war barfuß, die Füße schlammverkrustet. Ihre Augen glitten an Filomena auf und ab, als wollte sie sich auch die kleinste Eigenheit ihrer Gestalt und ihrer Kleidung einprägen. Besonders eingehend betrachtete sie den Hut und die Schuhe mit den schwarzen Kreuzbändern.“ (S. 52)
Das Mädchen, das sich mit dem Namen Pruna vorstellt, führt sie zu ihrer Familie und schnell erfahren die vier, dass Pruna eine Kunstreiterin ist und ihre Familie von Stadt zu Stadt zieht und dort Aufführungen gibt, so ähnlich wie ein heutiger Zirkus.
Die Gruppe besteht aus: Pruna; dem blinden Kajetan, der Musik macht; Zoe, der Kräuterfrau; Gil Cannezou, dem Seiltänzer und Feuerschlucker; Zinna, Prunas Mutter; Szajko, Prunas Vater; Therese, einer Kunstreiterin sowie Abel und Seppi, Prunas Geschwistern.
Filo und Pruna verstehen sich sehr gut und immer öfter trifft sich Filo nach ihrem ersten Besuch mit Gustchen, Bertram und Primel wieder mit Pruna – ohne Bertram.
Nach einiger Zeit muss die Artistengruppe jedoch weiterziehen, da sie nicht auf die Franzosen treffen möchte. Pruna und Filo sind sehr traurig, da sie inzwischen schon richtige Freunde geworden sind. Die beiden haben sich sogar geschworen, sich nie zu verlassen.
„‚Oh nein, nicht das auch noch! Du darfst mich nicht wieder allein lassen. Was haben wir uns geschworen? Mit Blut! […] Verlässt du mich nicht, so verlass ich doch auch nicht.‘“ (S. 183)
Als der Tag der Abreise gekommen ist, möchte Filo Pruna noch ein letztes Mal besuchen. Doch dann kommt plötzlich die Frage auf: Soll Filo mit Pruna mitkommen?
Filo hat viele Zweifel, da sie Tante Male und Onkel Leberecht nichts von ihren Überlegungen erzählt hat.
„‚Ich kann nicht, versteh das doch. Sie werden denken, ich wäre verunglückt […] Sie werden nach mir suchen und sich Sorgen machen.‘“ (S. 188)
Dennoch beschließt Filo, mit Pruna mitzukommen, da sie sie einfach nicht verlassen möchte. Das Leben bei den Artisten ist für sie zunächst sehr ungewohnt, doch sie freut sich, dass sie mit Pruna zusammen ist. Das Ziel der Gruppe ist erst einmal Bischofswerda, da Prunas Familie dort Freunde hat.
„‚[…] wir wollen zu den Schmiedinnen. Das sind Freunde von uns. Ihre Schmiede liegt in der Nähe von Bischofswerda. Mein Vater hofft, dass die Armeen einen Bogen drum herum machen oder schon weitergezogen sind, wenn wir dort ankommen. Es ist lange nicht so groß wie Dresden, aber wir werden dort auftreten.‘“ (S. 193)
Filo zieht also weiter Richtung Bischofswerda und lernt dabei die Artisten und ihren Alltag noch besser kennen. Auch was hinter den Aufführen steckt, findet sie so heraus.
„Bei den Auftritten, wenn Fackelschein auf sie fiel, waren ihr die Kostüme kostbar vorgekommen wie Samt und Seide, festlich und königlich. Jetzt, bei Tageslicht, erkannte sie, wie mürbe und zerschlissen die Stoffe waren, wie oft geplatzt und wieder zusammengezurrt die Nähte.“ (S. 207)
Wird Filo ihre Tante und ihren Onkel jemals wiedersehen…? Und was wird ihr noch alles mit Pruna passieren…?
Im Laufe des Buches wird die Reise mit Pruna und den anderen Artisten beschrieben. Es wird auch auf den Krieg Napoleons und seine Folgen für Filo eingegangen.
Ich finde den Roman ganz in Ordnung.
Es ist interessant, über das Leben der Artisten zu lesen und mitzubekommen, wie Filo langsam Teil der Gruppe wird. Auch der Alltag in dieser Zeit (1813) ist ganz interessant, weil ich zumindest nicht sehr viele Bücher aus dieser Zeit kenne.
Es kommen öfters Wörter vor, die man in der heutigen Zeit nicht mehr benutzt oder kennt. Hinten im Buch findet sich auch eine Seite mit Worterklärungen, was ich erstmal interessant finde. Leider sind die Wörter, die im Laufe des Buches vorkommen, nicht markiert, sodass man nicht weiß, ob sie in den Erklärungen vorkommen. Das ständige Hin-und Herblättern nervt deshalb etwas.
Aus der Zeit Napoleons weiß ich persönlich noch nicht sehr viel, weshalb ich dachte, ich könnte etwas mit diesem Buch lernen. Es kommen zwar einige Erklärungen vor, jedoch nur sehr ungenau, sodass man, wenn man sich mit dieser Zeit nicht gut auskennt, kaum hinterherkommt.
Pruna ist zwar sehr passend beschrieben, es wird aber an mehreren Stellen auch erwähnt, dass sie zaubern kann, was ich sehr unpassend finde. Hätte man dies weggelassen, fände ich die Geschichte irgendwie zutreffender.
Insgesamt würde ich „Die abenteuerliche Geschichte der Filomena Findeisen“ nur weiterempfehlen, wenn man keine besseren Bücher mehr zum Lesen hat.