Klaus Kordon: Die roten Matrosen

Der Roman „Die roten Matrosen“ von Klaus Kordon ist 1984 im Beltz Verlag erschienen. Er hat 487 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von dem dreizehnjährigen Helmut Gebhardt, genannt Helle, der 1918 gemeinsam mit seiner kleinen Schwester Martha, seinem kleinen Bruder Hänschen und seiner Mutter Marie in Berlin in der Ackerstraße 37 lebt.

„Vor der Nr. 37 spielen Kinder Fangen, sie johlen und kreischen, und wird einer abgeschlagen, geht es besonders laut zu […] Auf dem vierten Hof ist es stiller, der vierte ist nicht nur der letzte der Höfe, sondern auch der engste und düsterste.“ (S. 11/12)

Während Helle tagsüber in die Schule geht, müssen Martha und Hänschen zu Oma Schulte, die im gleichen Haus wie Helles Familie lebt, gehen. Dort muss Martha Oma Schulte beim Zusammennähen von Pantoffeln helfen.

„Oma Schulte näht Pantoffeln zusammen, die Oberteile an die Sohlen. Schon seit über zehn Jahren macht sie das […] Für ihre Arbeit bekommt sie fünf Mark pro Woche.“ (S. 14)

Generell haben die meisten nicht viel Geld und Helles Familie und auch viele andere Menschen in Berlin sind sehr hungrig. Es gibt nur wenig Essen und die Schlange vor den Geschäften ist oft so lang, dass Helles Mutter Marie stundenlang anstehen muss: Denn der Erste Weltkrieg ist noch nicht lange vorüber.

„[…] der ganze Wedding, die ganze Stadt, das ganze Land hungert. Und nicht erst seit gestern […] Und deshalb weiß […] Helle […] gar nicht mehr, wie es ist, wenn man nicht hungert.“ (S. 12)

Helles Lage bessert sich etwas, als eines Tages sein Vater, Rudi Gebhardt, nach Hause zurückkehrt. Denn Rudi war lange Zeit als Soldat im Krieg und konnte seine Familie nur an Weihnachten besuchen.

Tragischerweise hat Helles Vater im Kampf seinen rechten Arm verloren.

„Der Vater hat die linke Hand genommen, um Hänschen zu streicheln – der rechte Ärmel ist leer! […] ‚Eine französische Granate… Zwei meiner Kameraden hat sie ganz erwischt, ich hatte Glück […]’“ (S. 20)

So nimmt der Alltag von Helle seinen Lauf. Doch immer deutlicher spürt Helle eine Veränderung. Viele Leute reden über die Regierung und oft fällt auch das Wort „Revolution“. Helle weiß zuerst nicht, was um ihn herum passiert, doch auch er begreift bald, dass die Leute etwas an der Regierung ändern möchten.

„Das Wort Revolution hat Helle in den letzten Tagen schon ein paarmal gehört […] Jetzt begreift er: Revolution bedeutet, dass der Kaiser fortgejagt und Schluss mit dem Krieg gemacht wird. Aber sicher geht das nicht ohne Kämpfe ab, sicher wird dann auch geschossen werden.“ (S. 43)

Und damit hat Helle gar nicht unrecht. Schon wenige Tage später erfährt Helle, dass die Matrosen der kaiserlichen Marine den Befehl zum Auslaufen verweigern und nach Berlin gekommen sind.

„‚[…] die Kieler Matrosen stehen vor Berlin […] Sie sind gestern schon angekommen, aber nicht in die Stadt gelassen worden. Morgen wird sie niemand mehr aufhalten können.‘“ (S. 103)

Und wirklich. Schon am nächsten Tag findet in der Innenstadt ein Streik statt.

Da die Kinder an diesem Tag keine Schule haben, ist Helle natürlich mit von der Partie. Und auch sein Vater Rudi unterstützt die Matrosen, erst mit dem Austeilen von Flugblättern, im Laufe des Buches aber auch mit größeren Aktionen.

„‚Wir brauchen jeden, auch Einarmige. Einarmige können vielleicht nicht mehr Maurer sein oder an der Drehbank stehen, aber Flugblätter verteilen, das können sie noch […]‘“ (S. 102)

So erlebt Helle die Revolution, den Sieg, aber auch die Niederlage…

Im Laufe des Buches wird aus dem Leben von Helle berichtet, nicht nur von seiner Familie, sondern auch von den täglichen Schulstunden. Dabei wird besonders auf die Revolution und die damit verbundenen Kämpfe eingegangen.

Mir gefällt das Buch sehr gut.

Da ich mich mit dem Ersten Weltkrieg und auch der Zeit danach noch nicht sehr viel auseinandergesetzt habe, ist es sehr spannend, mehr darüber zu erfahren. Im Gegensatz zu anderen Büchern, in denen meist über die Probleme während des Zweiten Weltkrieges erzählt wird, handelt dieser Roman eher über die Zeit nach dem Krieg, die ich eigentlich sogar interessanter finde, als den Krieg selbst.

Auch die Beschreibungen von Helles Familienleben und von seinen Schülern und Lehrern haben mich sehr interessiert. Ich konnte während des Lesens viel dazulernen.

Manchmal ist der Roman für mich etwas zu sehr ins Politische gerückt. Andere Menschen, die sich dafür mehr interessieren als ich, stört das aber vielleicht nicht.

Generell finde ich das Buch etwas lang, besonders der Anfang zieht sich sehr.

Dennoch würde ich „Die roten Matrosen“ aber allen weiterempfehlen, die zur Abwechslung gerne mal etwas über die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erfahren möchten.

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