Jenny Jägerfeld: Mein geniales Leben

Der Roman „Mein geniales Leben“ von Jenny Jägerfeld ist 2021 in deutscher Übersetzung im Urachhaus Verlag erschienen und 2022 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Er hat 357 Seiten und eignet sich für Kinder ab 10 Jahren.

Das Buch handelt von dem zwölfjährigen Sigge Wilde, der gemeinsam mit seiner Mutter und seinen beiden kleinen Geschwistern Majken und Bobo von Stockholm in das kleine Hotel seiner Großmutter namens „The Royal Grand Golden Hotel Skärblacka“ in Skärblacka gezogen ist.

Seine Mutter meint, dies sei nur eine Notlösung, denn die Familie hat nicht viel Geld. Sigge gefällt es in Skärblacka dennoch sehr gut.

„Obwohl Mama behauptete, der Umzug zu Oma sei eine Notlösung, war er für mich ein Umzug ins reinste Paradies! […] Bestimmt fanden Majken und Bobo den Umzug auch gut […] Außer dem guten Essen, das es bei Oma gab, fanden wir es alle super, dass jeder von uns hier sein eigenes Zimmer hatte.“ (S. 35)

Und auch für die vielen Haustiere von Sigge und seiner Familie (der Hund Einstein, die zwei Meerschweinchen Tarzan und Frasse und die Schildkröte Carolina) hat der Umzug nur Vorteile.

„Einstein durfte öfter frei herumrennen, Tarzan und Frasse bekamen einen viel größeren Käfig, und die Schildkröte Carolina konnte in ihrem Gehege draußen im Freien sein.“ (S. 35)

Am meisten freut sich Sigge jedoch auf die Chance auf einen Neuanfang. Denn Sigge ist mit seiner Vergangenheit nicht gerade zufrieden. Auf seiner alten Schule in Stockholm wurde er die meiste Zeit ausgegrenzt und hatte keine richtigen Freunde.

„Ich wäre […] schon zufrieden, wenn ich mit anderen Leuten reden könnte, ohne wie ein Freak angegafft zu werden. Oder wenn ich im Sportunterricht in eine Mannschaft gewählt werden würde […] Das war in Stockholm nicht unbedingt der Fall gewesen.“ (S. 26)

Sigges Unbeliebtheit liegt vor allem daran, dass er schielt. Sein eines Auge scheint immer auf seine Nase zu gucken, obwohl Sigge das gar nicht möchte.

„Ich habe ein schwaches Auge. Ich schiele […] Als ich kleiner war, hatte ich eine Augenklappe. Die saß vor dem starken Auge, weil das schwache trainiert werden sollte […] Ich hasste die Augenuntersuchungen und ich hasste die Augenklappe.“ (S. 20)

Allein Sigges Hund stört sein Schielen nicht. So hat Sigge Einstein sehr lieb und sieht ihn als seinen besten Freund an.

„Ich bekam ihn im Herbst, als ich neun war, und er wurde sofort mein allerbester Freund. Mein einziger Freund.“ (S. 57)

Trotzdem möchte Sigge in den Sommerferien alles dafür tun, um beliebt zu werden. Denn schon bald kommt er auf seine neue Schule: Die Mosstorpschule. Und vor der fürchtet er sich schon jetzt. So denkt sich Sigge einige Dinge aus, die bei den Leuten gut ankommen könnten.

Mich gut anziehen. Am besten mit Markenklamotten

– Eine coole Frisur haben […]

– Keine Brille tragen […]

– Durchtrainiert aussehen.

– Schlechten Mundgeruch vermeiden. Die Zähne sorgfältig putzen und Kaugummi benutzen […]

Sozial sein! Fragen stellen und alles Mögliche über sich selbst erzählen. Mit Leuten reden, mit Lehrern und mit anderen Schülern. Witzig sein und die andern zum Lachen bringen […]“ (S. 66/67)

Und anschließend möchte Sigge seine Überlegungen auch an verschiedenen Personen testen. Irgendwie kommt seine Vorgehensweise bei den anderen Menschen jedoch eher negativ rüber.

Doch bald bemerkt Sigge, dass Markenklamotten und Mundgeruch nicht das Entscheidende sind und gewinnt eine wahre Freundin…

Im Laufe des Buches wird Sigges Alltag in Skärblacka und seine Versuche, beliebt zu werden, beschrieben.

Mir gefällt der Roman gut.

Man kann sich prima in Sigge hineinversetzen, auch, weil man seine Vorgeschichte und seine Erinnerungen geschildert bekommt.

Es ist interessant, wie Sigge versucht, beliebt zu werden und oft sind seine gescheiterten Versuche auch sehr lustig dargestellt. Generell ist auch Sigge selbst als Person ansprechend, da er eigentlich vieles kann, sich jedoch die meiste Zeit durch sein Schielen elend fühlt.

Leider sind manche Handlungsschritte des Romans etwas verwirrend und unnötig für den weiteren Verlauf der Geschichte. So wird beispielsweise beschrieben, wie Sigge mit seinen Inlinern gegen das Auto seiner Oma fährt und die Alarmanlage auslöst (S. 228). Dies wird dann über mehrere Seiten hinweg erzählt und man hat den Eindruck, es sei für die weitere Erzählung wichtig. So scheint es meiner Meinung nach, als wolle die Autorin ein möglichst dickes Buch schreiben.

Ansonsten gefällt mir „Mein geniales Leben“ aber sehr gut, auch das Titelbild finde ich sehr einladend, da man gleich den Eindruck hat, das Buch sei lustig und etwas chaotisch, was im Endeffekt dann auch stimmt.

Ich würde „Mein geniales Leben“ also weiterempfehlen.

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