Jutta Wilke: Stechmückensommer

Der Roman „Stechmückensommer“ von Jutta Wilke ist 2018 im Knesebeck Verlag erschienen. Er hat 207 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von der dreizehnjährigen Madeleine, die von ihren Eltern in ein Sommercamp in Schweden geschickt wurde.

„‚Du wirst sehen, das wird dir gut tun, mal so ein paar Wochen nur mit Gleichaltrigen zusammen zu sein‘, hat Mama gesagt […] Übersetzt heißt das sowieso nur, dass es ihr und Papa gut tun wird, mal ein paar Wochen ohne mich zu sein.“ (S. 9)

Im Camp gefällt es Madeleine überhaupt nicht. Oft wird sie von den anderen ausgeschlossen und nur Made genannt, auch, weil sie etwas dicker ist.

„Eine Made ist weiß. Langweilig. Und dick.

Und sie nennen mich Made.“ (S. 7)

Eines Tages geht die ganze Gruppe gemeinsam in ein altes Bergwerk namens Kleva Gruva.

„Über Kleva Gruva weiß ich nicht viel. Nur, dass es ein stillgelegtes Bergwerk ist, das man auf eigene Faust erkunden kann. Und dass sich in dessen Mitte ein tiefer grüner See befinden soll.“ (S. 19/20)

Da sich Madeleine etwas einsam fühlt, beschließt sie, wieder umzudrehen und unbemerkt zurück zum Reisebus zu laufen, der die Gruppe zum Bergwerk gefahren hat.

„Was, wenn die anderen mich suchen? Für einen kurzen Moment ist der Gedanke da. Was, wenn sich einer umdreht und fragt: Wo ist eigentlich Made? Es wird sich aber keiner umdrehen. Denn für sie bin ich unsichtbar.“ (S. 36)

So geht Madeleines Plan auf und müde schläft sie im Bus ein.

Schon bald wird sie jedoch von Motorengeräusch geweckt und als sie aufwacht, bemerkt sie, dass der Bus mit ihr losgefahren ist.

Madeleine ist sehr verwirrt und das bessert sich nicht, als sie sieht, dass der Fahrer kein Betreuer, sondern ein fremder Junge ist.

„Und dann sehe ich den Jungen […] Rote und grüne Haare. Ampelfarben. Rot und grün. Irokese. Wie die Borsten eines Besens ragen sie hinter dem Fahrersitz hervor […] Darunter ein dünner schlaksiger Typ. Schwarze Lederjacke, der rechte Jackenärmel ist mit Sicherheitsnadeln angeheftet.“ (S. 42)

Als Madeleine den Jungen, der sich ihr übrigens mit Juli vorstellt, dazu auffordert, sie sofort wieder rauszulassen, erfährt sie von ihm, dass er vorhat, ans Nordkap zu fahren.

„Das Nordkap liegt ungefähr fünfhundert Kilometer nördlich des Polarkreises auf der norwegischen Insel Mageroya. Von hier aus sind das noch etwa zweitausend Kilometer. Und dabei liegt das Nordkap noch lange nicht am Nordpol. Dahin sind es noch einmal zweitausend Kilometer.“ (S. 53)

Madeleine ist sehr entsetzt, doch schon bald möchte sie gerne gemeinsam mit Juli ans Nordkap reisen.

Allerdings gibt es schon bald ein Problem: Juli kann seinen Geldbeutel nicht finden, sodass die zwei nicht tanken können.

„Wenn der Geldbeutel nicht im Bus liegt, muss er irgendwo draußen sein. Also irgendwo im Wald. Da, wo wir übernachtet haben oder irgendwo am See. Und beide Stellen finden wir niemals wieder. Keine Chance.“ (S. 96)

So beschließen Madeleine und Juli, einen Campingplatz zu suchen, um aus einem Zelt etwas Geld zu klauen.

„Julis Oberkörper kommt raus, mit einem lauten Ratsch zieht er den Reißverschluss wieder zu, huscht zu mir zurück ins Gebüsch. ‚Ich hab´s‘, sagt er nur und klopft auf seine Jackentasche […]“ (S. 104)

Doch zurück im Bus haben Madeleine und Juli ein zweites Problem: Auf dem Rücksitz sitzt ein fremder Junge, der keine Anstalten macht, wieder auszusteigen.

„Auf der hintersten Bank sitzt einer und grinst von einem Ohr bis zum anderen. Kein Erwachsener. Ein Jugendlicher. Ein Junge, älter als wir, vielleicht auch nicht, schwer zu sagen […] Mit großen Augen starrt er uns an.“ (S. 106)

Madeleine und Juli bleibt nichts anderes übrig, als den Jungen mitzunehmen, der sich ihnen mit dem Namen Vincent vorstellt. Und schon bald bemerken die zwei, dass Vincent das Down-Syndrom hat.

Schnell werden die drei jedoch Freunde und freuen sich, gemeinsam ans Nordkap zu fahren.

Werden sie jemals an ihrem Ziel ankommen…?

Im Laufe des Buches wird die weitere Reise von Madeleine, Juli und Vincent beschrieben. Dabei wird besonders auf die Freundschaft der drei eingegangen.

Mit gefällt das Buch nicht so gut.

Die Beschreibungen der Reise durch Schweden sind sehr interessant und bringen einen auch etwas in Sommerstimmung.

Allerdings geht es meiner Meinung nach etwas zu sehr um die Personen selbst. So jammert Madeleine beispielsweise den ganzen Roman über, dass sie so dick ist und sie niemand mag. Das kann ja vielleicht stimmen, irgendwann hat mich das aber etwas genervt.

Dass jeder der drei Jugendlichen so unterschiedlich ist, kann manchmal ganz interessant sein, an manchen Stellen passt dies jedoch auch nicht so ganz.

Die ganze Handlung ist auch sehr unwahrscheinlich und vieles bleibt offen, was mich eher verwirrt. So wird beispielsweise nie gesagt, wie Vincent in den Bus gekommen ist.

Insgesamt hätte ich gerne mehr über die Natur und das Abenteuer der Kinder erfahren, anstatt nur über ihre Probleme zu lesen, sodass ich den Roman „Stechmückensommer“ eher nicht weiterempfehlen würde.

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