Cat Patrick: Tornado im Kopf

Der Roman „Tornado im Kopf“ von Cat Patrick ist 2021 in deutscher Übersetzung im Beltz & Gelberg Verlag erschienen. Er hat 271 Seiten und eignet sich für Kinder ab 11 Jahren.

Das Buch handelt von einem dreizehnjährigen Mädchen namens Frances, das von allen nur Frankie genannt wird. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter, dem Freund ihrer Mutter namens Charles und ihrer Zwillingsschwester Tess in Long Beach.

Obwohl Tess und Frankie Zwillingsschwestern sind, sind die beiden sehr unterschiedlich. Frankie mag es nicht, angefasst zu werden, kann nicht gut mit lauten Geräuschen umgehen, ist gegenüber anderen Menschen oft sehr misstrauisch und rastet oft wegen Dingen, die andere Menschen als eine Kleinigkeit bezeichnen würden, aus. So fühlt es sich oft an, als ob ein Tornado in ihrem Kopf wüten würde. Ärzte nennen Frankies Verhalten Neurodiversität und sie muss regelmäßig Medikamente nehmen, ganz zu ihrem Verdruss.

„Wir hatten eine Abmachung getroffen: Solange ich meine Wut im Griff hatte, musste ich keine Medikamente nehmen. Und Medikamente wollte ich am liebsten nie wieder nehmen […]“ (S. 27)

Dennoch hat Frankie eine Freundin namens Colette, die sie schon im Kindergarten kennenlernte. Die beiden verstehen sich sehr gut – bis Frankie von Colettes neuer Freundin Mia „verdrängt“ wird.

„‚Früher waren Colette und ich beste Freundinnen … und meine Schwester und Colette auch. Wir haben viel Zeit zu dritt verbracht. Später ist Mia hergezogen und hat sich unserer Gruppe angeschlossen. Tess und Colette mochten sie richtig gern, aber ich nicht […]‘“ (S. 61)

Nun ist Frankie ganz alleine und auch das Verhältnis zu ihrer Zwillingsschwester Tess wird immer schlechter.

Dies wird verstärkt, als kurz vor den Sommerferien in der Schule gemeldet wird, es gebe einen Vermisstenfall. Und schon bald erfährt Frankie, dass das vermisste Kind Colette ist.

„‚Das war gerade die Polizei am Telefon […] Es tut mir so leid, aber das vermisste Mädchen ist tatsächlich Colette.‘“ (S. 44)

Obwohl Frankie nicht mehr Colettes Freundin ist, wird sie sofort zusammen mit einigen ihrer Klassenkameraden von der Polizei befragt.

„ ‚Die Polizei weiß gar nichts […] Sie tun alles, um sie zu finden, deshalb werden ihre Freunde gebeten, auf die Wache zu kommen und Fragen zu beantworten. Sie hoffen, dass es hilft.‘“ (S. 44)

Frankie gibt sich damit aber nicht zufrieden. Obwohl sie noch immer wütend auf Colette ist, macht sie sich große Sorgen um sie.

Colette geht es garantiert gut und sie ist bald wieder da, redete ich mir ein. Am Montag gehen wir wieder ganz normal in die Schule und das Ganze wird uns im Nachhinein bloß wie ein böser Spuk vorkommen. So etwas nennt man Selbstgespräch. Soll angeblich helfen, tat es aber nicht.“ (S. 67)

So beschließt Frankie, Colettes Verschwinden selber auf die Spur zu gehen. Wird sie Colette jemals wiedersehen…?

Im Laufe des Buches wird beschrieben, wie Frankie Stück für Stück das Verschwinden von Colette aufdeckt. Dabei erfährt man auch viel über Frankies Gefühle und Gedanken.

Mir gefällt der Roman gut.

Die Handlung ist sehr spannend beschrieben und man möchte schnell erfahren, ob Frankie Colette finden wird.

Besonders interessant finde ich jedoch die Hauptperson Frankie selbst. Dadurch, dass sie anders als die anderen Kinder denkt, fühlt und handelt, wirkt sie sehr faszinierend. Da ich mich in manchen Beschreibungen von Frankie wiederfinde, war das Lesen für mich noch spannender. Aber auch für andere Leute kann Frankies Verhalten ganz interessant sein.

Der Anfang des Romans ist meiner Meinung nach leider sehr schleppend. Oft hatte ich während des Lesens das Gefühl, die Handlung würde nicht ganz vorankommen. Glücklicherweise ging das Ende des Buches dann nicht so schnell vorbei, wie man es vielleicht erwartet hätte.

Generell finde ich das Ende des Buches sehr gelungen, da man mit ihm auch nicht rechnet. Denkt man nach dem Lesen aber noch mal über die ganze Handlung nach, passt das eigentlich.

Ich würde „Tornado im Kopf“ also weiterempfehlen: Es lohnt sich, Frankie kennenzulernen.

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