Mirjam Pressler: Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen

Der Roman „Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen“ von Mirjam Pressler ist 1994 im Gulliver Verlag erschienen und 1995 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Er hat 207 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von der zwölfjährigen Halinka, die im Jahr 1952 in einem Kinderheim lebt, weil ihre Mutter nicht für sie sorgen kann.

„[…] vor zwei Jahren […] bin ich gerade ins Heim gekommen. Nicht in dieses, sondern ins Kinderheim Hildegardis, zu den Kleinen. In dieses hier bin ich erst letztes Jahr nach den Osterferien gekommen, zusammen mit einer ganzen Gruppe aus dem früheren.“ (S. 10)

Wie lange Halinka dort bleiben muss, weiß sie nicht. Jedoch hat sie Hoffnung auf ihre Tante Lou, die sie adoptieren könnte.

„Wenn ich Glück habe, findet Tante Lou einen Mann zum Heiraten. Sonst kann es noch Jahre dauern. Daran will ich lieber nicht denken. Das kann ich mir auch nicht vorstellen und das will ich mir auch nicht vorstellen.“ (S. 10)

Im Heim ist Halinka etwas einsam, da sie keine Freunde hat und auch keine möchte.

„Nein, ich will keine Freundin […] Ich mag nicht viele Leute und mich mögen, glaube ich, noch weniger.“ (S. 44)

So beschäftigt sich Halinka alleine in ihrem Versteck auf dem Speicher, wo sie Sätze, Sprüche und Gedanken, die ihr so durch den Kopf gehen, aufschreibt.

„An meinem Geheimplatz habe ich auch mein Gedankenbuch versteckt, in das ich alle wichtige Sätze schreibe, die mir einfallen.“ (S. 37)

Wenn Halinka nachts heimlich auf den Speicher geht, kann sie besser mit dem Leben im Heim klarkommen und oft fühlt sie sich nach diesem kleinen Ausflug etwas erholt.

„Der Kofferspeicher ist wirklich ein wunderbares Versteck. Seit ich auf die Idee gekommen bin, mich hier einzurichten, geht es mir im Heim ein bisschen besser, wenigstens abends nach dem Lichtaus.“ (S. 43)

So nimmt das Leben von Halinka im Heim seinen Lauf. Doch eines Tages hat die Heimleiterin Fräulein Urban die Idee, die Kinder für das Müttergenesungswerk sammeln zu lassen.

„Sie erzählt uns von einem Verein, der ‚Müttergenesungswerk‘ heißt. Den hat Frau Elly Heuss-Knapp gegründet, die Frau unseres Bundespräsidenten […] Und wir sollten für das Müttergenesungswerk Geld sammeln, sagt sie, damit die armen Mütter genesen können.“ (S. 9)

Halinka meldet sich sofort, da sie sich vorstellt, dass Tante Lou einmal Kinder bekommt und sich dann auch manchmal von ihnen erholen muss.

„Ich will nicht an meine Mutter denken, lieber an Tante Lou. Und falls die jemals fünf Kinder hat und viel arbeiten muss, dann möchte ich schon, dass sie sich erholt. Natürlich möchte ich das. Deswegen melde ich mich dann doch.“ (S. 14)

Außerdem soll es für das Kind, das am meisten Geld sammelt, einen großen Preis geben.

Und den möchte Halinka natürlich gewinnen…

Im Laufe des Buches wird vom Leben Halinkas im Heim berichtet und beschrieben, wie sie für das Müttergenesungswerk Geld sammelt, um den Preis zu gewinnen. Man erfährt auch von Konflikten zwischen einzelnen Kindern und wie das Leben im Heim abläuft.

Mir gefällt das Buch gut.

Halinka war mir von Anfang sehr sympathisch und ich finde es interessant, so viel über ihr Leben im Heim zu lesen und zu erfahren, wie sie mit ihrer Situation umgeht.

Da der Roman in der Ich-Perspektive verfasst ist, kann man sich gut in Halinka hineinversetzen und erfährt, was sie wirklich über die anderen denkt.

Generell gefallen mir die Beschreibungen des Heims gut, so wird beispielsweise auch gesagt, dass Halinka und die anderen Kinder in die Schule gehen und Hausaufgaben machen müssen.

Oft ist das Buch etwas traurig, auch, weil man an vereinzelten Stellen etwas von Halinkas früherem Leben liest und mitbekommt, wie sie unter ihren Erinnerungen leidet.

Leider finde ich das gesamte Buch manchmal etwas langweilig, weil nicht wirklich etwas passiert, außer dass die Sammelaktion des Müttergenesungswerkes, an der Halinka teilnimmt, beschrieben wird. Oft war ich beim Lesen selbst am Anfang auch gespannt und dachte, es würde noch etwas anderes passieren. Im Laufe des Roman stellt sich dann aber heraus, dass nichts Großes mehr geschieht. Stattdessen geht es um die Gefühle Halinkas und wie sie es schafft, trotz vieler Enttäuschungen, eine Freundin zu finden.

Trotzdem würde ich „ Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen“ auf jeden Fall weiterempfehlen.

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