
Der Roman „Das Projekt“ von Alice Gabathuler ist 2008 im Thienemann Verlag erschienen. Er hat 284 Seiten und eignet sich für Kinder ab 13 Jahren.
Das Buch handelt von einer Klasse am Schweizer Internat am Wasserquell. Eine ihrer Lehrerinnen ist Hanna Kramer, die die Schüler im Fach Persönlichkeitsbildung unterrichtet.
Frau Kramer beschließt eines Tages, ein mehrwöchiges Projekt mit den Schülern zum Thema „Ausnahmezustand“ zu starten, was unter anderem daran liegt, dass in der Klasse einige Schüler sind, die nicht sehr gut miteinander auskommen. So ist Frau Kramer etwas nervös, doch trotzdem zuversichtlich.
„Hanna Kramer […] atmet tief durch. Heute beginnt sie mit dem gewagtesten Projekt, das sie je mit einer Klasse durchgeführt hat.“ (S. 5)
Als die Klasse erfährt, was Frau Kramer vorhat, ist sie erst einmal sehr entsetzt. Denn die Vierer-Gruppen, die jeweils das Projekt planen und durchführen sollen, werden ausgelost.
„[…] als wichtigen Teil des Projekts brechen wir ganz bewusst das Schema der Gruppenbildung in der Klasse, indem wir die Teams auslosen. Dabei werden sie auf Klassenkameraden angewiesen sein, mit denen Sie unter Umständen freiwillig niemals zusammenarbeiten würden […]‘“ (S. 18)
Und das trifft voll und ganz auf die dritte ausgeloste Gruppe zu, die aus Jessie, Michael, Tina und Alex besteht.
Jessie wird von den meisten als verwöhntes Mädchen reicher Eltern angesehen, ist aber dennoch sehr beliebt.
„[…] sie streicht sich mit ihren langen Fingern durch das perfekt frisierte Haar. Stark gestuft, ein helles Braun mit Strähnen in verschiedenen Blondtönen, so, wie man es jetzt trägt, so, wie es ihr ausgezeichnet steht. (S. 9)
Michael dagegen hat keine Freunde und ist eher der Stille, der sich aus allem heraushält. Und auch Tina ist aufgrund ihrer guten Noten, aber auch, weil sie dick ist, oft die Außenseiterin.
„Sie passen beide nicht in diese Internatswelt, in der sich alle mit einer coolen Selbstverständlichkeit bewegen und genau zu wissen scheinen, welcher ihr Platz im Leben ist. Er und Tina gehören nicht dazu […]“ (S. 7)
Und Alex ist der „Coole“ der Klasse, der sich keine Mühe in der Schule gibt und dem vieles egal ist.
„Alex […] trägt ein schwarzes T-Shirt und ausgebleichte Jeans, die eine Nummer zu groß sind. Trotz sommerlicher Temperaturen stecken seine Füße in […] Cowboyboots. Seine Haare stehen in alle Himmelsrichtungen, vorne fallen sie ihm ins Gesicht und verdecken die Augen.“ (S. 20)
Alle Schüler dieser Gruppe sind also sehr unterschiedlich, was sich auch schnell in den ersten Projekttagen zeigt: Denn Tina, Alex, Jessie und Michael haben im Gegensatz zu den anderen Gruppen kein ausgefeiltes Konzept erarbeitet und abgegeben.
So beschließt Frau Kramer gemeinsam mit dem Rest der Klasse, den vier Schülern selbst etwas wirklich Außergewöhnliches als Projekt vorzugeben.
„ ‚Wir haben uns etwas ausgedacht […] Was es ist, erfahrt ihr aber erst am Montagmorgen. Am Freitag geben wir euch den Treffpunkt und die Zeit bekannt, den Rest erhaltet ihr schriftlich auf dem Weg zu eurer Unterkunft. Ihr wolltet den Ausnahmezustand? Den könnt ihr haben […] Da ihr keine Vorbereitungen treffen könnt, haben wir für diese Woche eine Aufgabe für euch.‘“ (S. 145)
Was hat sich die Klasse wohl für Jessie, Alex, Tina und Michael ausgedacht…?
Mir gefällt der Roman nicht sehr gut.
Die Idee des Buches an sich finde ich sehr interessant, aber der Schwerpunkt liegt bei „Das Projekt“ eigentlich nicht beim Projekt sondern bei den Schülern und ihrem Leben und ihren Problemen außerhalb der Schule. Das kann für manche Leser ganz interessant sein, ich bin jedoch nicht sehr zufrieden damit.
Dafür gefällt mir die Erzählweise ganz gut, da das Buch abwechselnd von Tina, Alex, Michael und Jessie erzählt wird und man so über jeden etwas erfährt.
Im Roman werden viele verschiedene Themen wie Drogen, Geschlechtsverkehr, Gewalt aber auch Liebe und Freundschaft angesprochen, was ich persönlich etwas zu viel fand. Da der Roman an manchen Stellen sehr heftig ist, kann es für manche Dreizehnjährigen vielleicht auch noch zu viel werden.
Was mich auch etwas verwirrt hat, ist der Wechsel vom Internat zum Haus der Eltern. Oft wird beschrieben, wie die Schüler ihre Eltern besuchen, was ich beim Lesen eher irritierend fand.
Das Ende kommt meiner Meinung auch nach sehr abrupt und unwahrscheinlich.
Ich würde „Das Projekt“ also nicht weiterempfehlen.