Kirsten Boie: Alhambra

Der Roman „Alhambra“ von Kirsten Boie ist 2010 im Friedrich Oetinger Verlag erschienen. Er hat 417 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von einem Jungen namens Boston, der mit seiner Spanisch-Klasse nach Granada, einer Stadt in Südspanien, reist.

„[…] draußen, jenseits der Scheibe, lag Spanien, lag die Costa del Sol: einförmige Siedlungen, Wohnblocks, Vororte ohne Ende […]“ (S. 18)

Obwohl seine alleinerziehende Mutter nicht sehr viel Geld besitzt, wollte sie unbedingt, dass Boston mitfährt. Boston jedoch fühlt sich in der Reisegruppe etwas verloren, da die anderen in ihm nur „den Streber“ sehen.

„Während Boston jetzt den Regen an der Fensterscheibe des Busses herunterrinnen sah […] fragte er sich, ob er nicht doch einen Rückzieher hätte machen sollen. Aus seinem Jahrgang waren sie nur vier, Kadir, Tukan, Sergej und er […] Vielleicht konnte er mit den Mädchen rumlaufen. Kadir und Tukan wollten ihn jedenfalls nicht […]“ (S. 17/18)

In Granada angekommen schläft die Klasse in einem hostal, einem einfachen Hotel,

„Die Sonne schien, das hostal lag mitten in der Stadt an der Gran Vía, und dass es schäbig war und vielleicht auch nicht so ganz besonders sauber, störte niemanden wirklich […] Die Geschäfte waren nur einen Steinwurf entfernt, auch die Kathedrale und der Albaicín und die Alcaicería; und zwei Steinwürfe entfernt […] sogar die Alhambra.“ (S. 23/24)

um gleich am nächsten Tag die Alhambra, eine große Burganlage auf einem Hügel in Granada, zu besichtigen.

„Unter ihnen, auf der Hügelflanke lagen zwischen Bäumen versteckt die Gebäude der Alhambra, Türme mit Schießscharten, Türme mit zierlichen Dächern, Palastmauern.“ (S. 30)

Am nächsten Tag von Bostons Reise gehen er und die anderen Jungen in die Alcaicería, einem barsarähnlichen Touristenmarkt, um Andenken zu kaufen.

„In der Alcaicería drängten sich die Touristen. Lampenschirme, Kissenhüllen mit Glitzerfäden bestickt, indisch bedruckte Baumwolltücher, Schmuck. Die schmalen Gassen wurden durch Körbe und Schalen mit Waren, rechts und links vor den Fassaden der Läden auf den Boden gestellt, noch enger.“ (S. 47)

Boston möchte ein Andenken für seine Mutter kaufen und entdeckt an einem Stand einen Karton mit alten Fliesen.

„Gerade als er weitergehen wollte, entdeckte er den Karton mit den Fliesen: grau mit blauem Muster; Blattranken, ineinander verschlungen […] Das würde ihr vielleicht gefallen. Das mochte sie doch: klar.“ (S. 50)

Doch als Boston in den Karton greift, um die Fliese herauszunehmen, die ihm am besten gefallen hatte, findet er sich plötzlich an einem anderen Ort wieder.

„Das Erste, was Boston spürte, war die Wärme. Danach sah er, dass die Fliese nicht mehr in seinen Händen lag. Hatte er sie fallen lassen? […] Es war heller auf einmal […] und […] die Gasse war verschwunden.“ (S. 55)

Bald bemerkt Boston, dass er versehentlich ins Jahr 1492 zurückgereist ist. Denn er erlebt mit, wie die Herrscherin von Spanien, Isabella von Kastilien und ihr Mann, Ferdinand von Aragón, den „Spinner“ Christoph Colon, der den Seeweg nach Indien entdecken will, abweisen.

Boston hat schnell die Sorge, dass sein Zeitalter nicht existieren würde, wenn Amerika nicht entdeckt würde, und so beschließt er, die Königin schleunigst davon zu überzeugen, Kolumbus reisen zu lassen und ihm finanzielle Unterstützung anzubieten.

Im Laufe des Buches wird erzählt, wie Boston, der Misstrauen am spanischen Königshof erweckt, einen Weg sucht, in sein Zeitalter zurückzureisen. Dabei wird auch auf die spanische Inquisition, bei der man Juden und Muslime verfolgte, eingegangen. Wird Boston je wieder in seine Zeit zurückkehren…?

Mir gefällt das Buch gut.

Die Geschichte ist sehr spannend und man kann sich am Anfang noch nicht das Ende denken.

Auch die Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven – Boston im Jahr 1492, die Erlebnisse der Klasse in der Gegenwart in Granada und der Königshof 1492 – haben zu dem Roman gepasst.

Zudem sind die Informationen über die Inquisition, Isabella von Kastilien, Ferdinand von Aragón, die Stadt Granada und Christoph Colon interessant, aber nicht zu aufdringlich und lehrend beschrieben. Manche Begriffe habe ich beim Lesen nicht gleich ganz verstanden, jedoch gibt es am Ende des Buches ein Verzeichnis, in dem schwierige Wörter erklärt sind.

Insgesamt finde ich manche Handlungsschritte etwas zu lang beschrieben, das Buch ist ja auch sehr lang.

Trotzdem würde ich „Alhambra“ weiterempfehlen.

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