Mirjam Pressler: Nathan und seine Kinder

Der Roman „Nathan und seine Kinder“ von Mirjam Pressler ist 2009 im Beltz & Gelberg Verlag erschienen und wurde 2010 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Er hat 251 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von einem wohlhabenden, jüdischen Kaufmann namens Nathan, der im Jahre 1192 zur Zeit der Kreuzzüge (Kriege zwischen Christen und Muslimen) in Jerusalem lebt.

Das Leben in dieser Zeit ist nicht einfach. Es gibt viele Streitereien und Kämpfe zwischen Anhängern des Judentums, des Christentums und des Islams. Nathan selbst ist ein guter Mensch, er hilft anderen und ist in der ganzen Stadt als weiser Mann bekannt.

Er lebt gemeinsam mit einigen Dienern und seiner Tochter Recha in Jerusalem. An einem Abend jedoch gibt es in seinem Haus einen Brand. Geschem, ein junger Küchengehilfe, hört die Schreie von Daja, Rechas Erzieherin, da Recha sich während des Brandes noch im Haus befindet, kann aber nicht aufstehen, um zu helfen.

„[…] ich wurde von Schreien geweckt […] Ich wollte aufspringen, ich wollte mich in die Flammen stürzen, ich wollte der tapfere Held sein, der die Tochter des Herrn rettet, ich, ich, ich! […] Ich kauerte unter dem Maulbeerbaum und hatte nur einen Gedanken: Ich muss die Herrin herausholen […] es ist meine Pflicht, sie zu retten. Aber als ich aufspringen wollte, gehorchte mir mein Körper nicht […]“ (S. 9/10)

Schließlich kann ein zufällig vorbeikommender Tempelritter (der Orden der Tempelritter wurde 1119 gegründet und wollte die christlichen Pilger und die heiligen Stätten schützen. Sie trugen einen weißen Mantel mit einem roten Kreuz auf dem Rücken) die Tochter retten.

„Als Daja sah, dass ich aufgewacht war, streckte sie mir die Hand aus, strich mir die Haare aus der Stirn und sagte: ‚Recha, mein Kind, es war ein Tempelritter. Gott möge es ihm danken.‘“ (S. 56)

Doch als Nathan selbst etwas später von seiner Geschäftsreise zurückkommt, ist der Tempelritter verschwunden. Generell glaubt Nathan zuerst nicht, dass der Retter ein Tempelritter war, da alle Tempelritter in Jerusalem vom Sultan getötet wurden, später erfährt er jedoch, dass ein einziger Mann überlebt hat.

„ ‚Es gibt keine Tempelritter mehr in Jerusalem. Der Sultan hat sie alle töten lassen […]‘ ‚Du irrst dich, Nathan, mein Freund. Er hat sie umbringen lassen, das stimmt, aber nicht alle. Einen nicht. Ich weiß es, ich war dabei […]‘“ (S. 14)

Der Tempelritter gerät erst einmal etwas in Vergessenheit, doch eines Tages trifft Nathan ihn nahe seines Hauses.

„Jetzt erblickten wir ihn auch, den Tempelritter, nach dem wir die ganze Zeit vergeblich Ausschau gehalten hatten. Er saß mit angezogenen Beinen im Schatten des Maulbeerbaumes […] Wir konnten sein Gesicht nicht sehen, aber er hatte den Oberkörper so weit nach vorn gebeugt, dass man noch den oberen Rand des roten Kreuzes auf seinem Rücken erkennen konnte.“ (S. 101)

Der Tempelritter ist zuerst sehr misstrauisch, da Nathan ja ein Jude ist, doch Daja kann ihn dazu überreden, zum Abendessen in Nathans Haus zu kommen.

„‚Wir möchten so gerne unsere Dankbarkeit beweisen […] Komm heute Abend, wenn die Sonne untergeht, und teile unser Mahl mit uns. Glaube mir, Nathan ist ein edler Mensch und hoch angesehen in Jerusalem, du musst nicht befürchten, durch einen Besuch in seinem Haus deinem Ruf als Tempelritter zu schaden.‘“ (S. 105/106)

Einige Zeit später wird Nathan zum Sultan Saladin geschickt. Dieser ist zurzeit sehr auf Unterstützung angewiesen und fragt so Nathan, ob er ihm Geld leihen kann. Nathan hat etwas Angst, denn Saladin ist ein sehr grausamer Herrscher.

„‚Sie werden dich heute um ein Darlehen bitten, dann morgen, übermorgen, nächste Woche, und sie werden erst damit aufhören, wenn sie dich völlig ausgesaugt haben. Für Saladin ist Geld nicht mehr wert als Sand und wie Sand rinnt es ihm durch die Finger.‘“ (S. 155)

Doch Nathans Befürchtungen werden nicht wahr: Saladin fragt Nathan, welche der drei Religionen (Judentum, Christentum, Islam) die einzig richtige sei….

Mir gefällt das Buch gut.

Es ist etwas anders als andere Jugendbücher und ich musste mich beim Lesen erst einmal in die Geschichte reinfinden. Von Seite zu Seite fand ich den Roman dann aber immer besser und auch sehr interessant.

Das liegt vor allem daran, dass Mirjam Pressler das bekannte Theaterstück „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing in ein Buch umgewandelt hat.

Aber auch sonst ist die Handlung sehr interessant, da man viel über die frühere Zeit lernt – ohne, dass der Roman zu belehrend erscheint.

Gut hat mir auch gefallen, dass jede Person (außer Nathan selbst) im Roman zu Wort kommt. Denn jedes Kapitel wird aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt. So erfährt man über jede Person etwas mehr, als wenn es nur einen Erzähler gäbe.

Der Roman selbst zieht sich meiner Meinung nach am Anfang etwas in die Länge. Das Feuer und die Rettung des Tempelritters hätte ich etwas kürzer gefasst, da es die ersten Kapitel so scheint, als würde nicht mehr viel passieren.

Trotzdem würde ich „Nathan und seine Kinder“ allen empfehlen, die auch gerne mal ein etwas anderes Buch lesen.

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