William Judson: In den Wäldern am kalten Fluss

Der Roman „In den Wäldern am kalten Fluss“ von William Judson ist 1974 in deutscher Übersetzung im C. Bertelsmann Verlag erschienen und antiquarisch erhältlich. Er hat 207 Seiten und eignet sich für Kinder ab 11 Jahren.

Das Buch handelt von zwei Geschwistern im Jahre 1921 namens Elisabeth Allison, Lizzy genannt, und Timothy Hood, Tim genannt. Lizzy ist vierzehn Jahre alt, Tim dreizehn. Obwohl Tim nur Lizzys Stiefbruder ist, verstehen sich die beiden sehr gut.

„Timothy war mein Stiefbruder. Meine Mutter starb, als ich drei Jahre alt war, und ein paar Jahre später heiratete mein Vater […] Pauline Hood, eine Witwe mit einem Sohn.“ (S. 7)

Zudem verbindet sie beide die Freude zur Natur, die von Mike Allison, Lizzys Vater, gestärkt wird.

„Ich war wie ein Junge aufgewachsen. Kein Angelausflug, kein Kampieren im Freien, das mich nicht angezogen hätte wie das Licht die Motte. Im Alter von acht Jahren […] war ich schon geworden, was ich heute noch bin: eine unverbesserliche Liebhaberin der großen, freien Natur.“ (S. 7)

Auch deshalb beschließt Mike Allison, mit den Kindern eine Kanu-Tour zu unternehmen. Der Winter 1921 soll nämlich besonders kalt werden, sodass Mike befürchtet, die meisten Tiere würden ihn nicht überleben. So möchte er Lizzy und Tim die Tierwelt nahe bringen, bevor es zu spät ist.

„‚Wenn sie das Land in seinem ursprünglichen Zustand sehen sollen, damit sie sich daran erinnern, so ist jetzt die Zeit gekommen. Der harte Winter wird den Tierbestand so schwer treffen, dass er sich nicht erholt, solange Tim und Lizzy noch etwas davon haben.‘“ (S. 21)

Tims und Lizzys Mutter stimmt schweren Herzens zu und schnell fangen die drei an, ihre Fahrt vorzubereiten.

„Unsere Ausrüstung war einfach, aber praktisch. Es gab zum Beispiel keine daunengefüllten Schlafsäcke […] Wir mussten mit einer Decke zurechtkommen, die mit Sicherheitsnadeln zusammengesteckt war […] Wir kochten auf einem Holzfeuer.“ (S. 23)

Außerdem erklärt Mike seinen Kindern vor dem Aufbruch viele nützliche Dinge, damit sie für das Leben im Wald gewappnet sind. Da Lizzy ein sehr gutes Gedächtnis hat, kann sie sich viele Sachen behalten, was ihr bei den zahlreichen Erklärungen ihres Vaters eine große Hilfe ist.

„Jedes Wort, das ich höre, merke ich mir. Die nebensächlichste Bemerkung prägt sich meinem Gedächtnis für alle Zeiten ein, selbst wenn ich den Sinn der Sätze nicht verstanden habe.“ (S. 7)

Nach vielen Vorbereitungen ziehen die drei schließlich los und fahren mit dem Auto an einen großen Fluss namens Cold River, auf dem sie für ca. 10 Tage Kanu fahren wollen. Dort angekommen beschließen sie, gleich hier ihr Lager für die erste Nacht aufzuschlagen.

Schon früh paddeln die drei am nächsten Morgen los. Doch bald bemerken sie, dass sie sich nicht auf der geplanten Route, sondern auf einem Nebenfluss des Cold River befinden.

„‚Ich meine, dass wir uns an einem der Nebenflüsse des Cold River befinden. Das heißt, dass wir, falls wird die Richtung beibehalten, auf dem Weg zum Schoon Lake oder sogar nach Pottersville sind […] Wir müssen uns jetzt entscheiden.‘“ (S. 53)

Nach reiflichem Überlegen beschließen sie dennoch, weiterzufahren, da der Weg zurück sie eine Menge Zeit kosten würde.

„‚Ich bin dagegen, dass wir zurückgehen. Das ist vergeudete Zeit. Es ist doch gleich, auf welchem Fluss wir sind, solange wir uns nicht verirren.‘“ (S. 53)

Doch schon nach einiger Zeit kommen die drei in einen wilden Wasserstrudel, der in einem Wasserfall endet und das Kanu kentert.

„Wir konnten uns nicht mehr retten. Wir tauchten in das nasse, schäumende Chaos, dessen Wasser über einen unsichtbaren Absturz sprudelte. Wir schossen wie in einem Schlitten über den Rand.“ (S. 62/63)

Lizzy kann sich nur mit Mühe und Not ans Ufer retten. Nach einigem Suchen findet sie glücklicherweise auch Tim und ihren Vater. Mike jedoch hat sich durch einen Zusammenprall mit einem Felsen einen offenen Bruch zugezogen.

„[…] ich sah gleich, dass sein Bein unterhalb des Knies gebrochen war. Ein Knochensplitter war durch die Haut gedrungen, und Blut rann bis zum Knöchel hinunter.“ (S. 67)

Lizzy versorgt ihn gut und sie beschließen, ihr Lager für kurze Zeit an der Stelle am Wasser aufzuschlagen, bis sich Mike wieder erholt hat.

Ihre Bemühungen aber reichen nicht – nach schwerem Fieber in der Nacht finden Tim und Lizzy ihren Vater tot auf.

„Am Morgen war mein Vater kalt und still. Wir konnten nicht glauben, dass er uns verlassen hatte, aber was wir auch versuchten, nichts brachte ihn zurück.“ (S. 84)

So müssen sich die zwei Kinder alleine durch die Wälder schlagen und können auch nicht mit dem Kanu weiterfahren, da es in der Nacht abgetrieben ist. Werden Tim und Lizzy jemals wieder nach Hause kommen…?

Im Laufe des Buches wird Tims und Lizzys weiterer Weg nach Hause beschrieben. Als Leser lernt man aber auch viel über die Natur und erfährt nützliche Dinge, wie beispielsweise Fallen aufzustellen oder sich im Wald zu orientieren.

Mir gefällt das Buch ganz gut.

Auch wenn „In den Wäldern am kalten Fluss“ schon sehr alt ist, finde ich es interessant, was hauptsächlich daran liegt, dass man viel vom Leben im Wald erfährt und beschrieben wird, wie sich Tim und Lizzy zurechtfinden, wie sie Feuer entzünden, Tierfallen aufstellen, kochen und vieles mehr. So lernt man als Leser einige Sachen dazu. Trotz der dramatischen Umstände finde ich die Handlung relativ realistisch und kann mich gut in Tom und Lizzy hineinversetzen. Die Geschichte ist außerdem sehr spannend, da schon am Anfang des Romans Anspielungen auf den Tod des Vaters gemacht werden und man so schnell mehr erfahren möchte.

Die Bilder von Walter Grieder finde ich eigentlich ganz passend, auch, wenn Tim und Lizzy dort viel jünger aussehen, als eigentlich gesagt wird. Das Ende des Romans ist meiner Meinung nach etwas kurz und plötzlich, ich hätte es etwas detaillierter beschrieben. Außerdem ist die Handlung hier etwas unklar.

Insgesamt würde ich „In den Wäldern am kalten Fluss“ also nur denjenigen empfehlen, die sich für die Natur und für Wälder interessieren, für andere könnte der Roman vielleicht etwas langweilig werden.

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